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20. Januar 2015 | Allgemeines

"Es lebe die Pressefreiheit" - Gastbeitrag von BDZV-Präsident Helmut Heinen im "Handelsblatt"

Über den Vorwurf "Lügenpresse" und die Rolle der Zeitungen in Deutschland

Themen: Presserat, Pressefreiheit

„Wir leben in Deutschland in einer der wenigen Länder, in denen die Pressefreiheit nicht nur in der Verfassung verankert, sondern auch jeden Tag aufs Neue gelebt wird. Doch auch hier gibt es Attacken auf das freie Wort. Journalisten werden beleidigt, bedroht und sogar tätlich angegriffen, nur weil sie ihre Arbeit tun.“ In einem Gastkommentar in der „Handelsblatt“-Ausgabe vom 20. Januar 2015 verwahrt sich BDZV-Helmut Heinen gegen den Vorwurf „Lügenpresse“ an die Zeitungen und weist auf die wichtige Rolle des Lokaljournalismus hin.

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Der Kommentar:

"Die freie Presse steht weltweit unter Schock. Der Terroranschlag auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo" hat auf grausame Art vor Augen geführt, welchen Gefahren die Freiheit der Medien auch in der westlichen demokratischen Welt ausgesetzt ist. Unsere Gedanken und unsere Herzen sind bei den Familien und Freunden jener Frauen und Männer, die bei und wegen ihrer Arbeit kaltblütig ermordet wurden. Auch wenn es schwer fällt angesichts der Empörung und Wut, die uns bewegen: Die demokratische Presse darf sich nicht provozieren lassen. Denn das ist Teil der Strategie der Extremisten.

Wir leben in Deutschland in einem der wenigen Länder, in denen die Pressefreiheit nicht nur in der Verfassung verankert ist, sondern auch jeden Tag aufs Neue gelebt wird. Doch auch hier gibt es Attacken auf das freie Wort. Journalisten werden beleidigt, bedroht und sogar tätlich angegriffen, nur weil sie ihre Arbeit tun. Verlagsgebäude werden mit primitiven Parolen beschmiert. Freilich ist das das Werk radikaler Einzeltäter und kleiner krimineller Gruppen. Doch es gilt, den Anfängen zu wehren. Freiheit und Unabhängigkeit der Presse sind das Fundament aller demokratischen Gesellschaften. Jedem Versuch, sie auszuhöhlen, muss entgegen getreten werden. Am besten mit dem eigenen Werkzeug. Und das ist reflektierter, gut recherchierter und der Wahrheit verpflichteter Journalismus.

„Lügenpresse, Lügenpresse“ skandieren Demonstranten Woche für Woche bei den Pegida-Aufmärschen in Dresden. Damit erinnern sie an die düstersten Kapitel der deutschen Geschichte. Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde auch mit dem Begriff der „Lügenpresse“ üble Kriegshetze betrieben. Später gehörte er als Kampfruf ins Repertoire der NS-Propaganda. Zu Recht ist er zum Unwort des Jahres 2014 erklärt worden.

Was sind die Ursachen für die auch jenseits dieses Begriffs so breit geäußerte Frustration über die Medienkultur in Deutschland? Die Pegida-Protagonisten verstehen es, mit den Ängsten der Menschen vor Überfremdung und Islamisierung auf perfide Art zu spielen und dabei die Medien ebenso wie die etablierte Politik als vermeintlich verantwortlich für den von ihnen beschworenen Untergang des Abendlandes an den Pranger zu stellen. Teilweise werden Journalisten als Handlanger der Politik diffamiert, von manipulierter Presse und Staatspropaganda ist die Rede. Helfen könnte eine Versachlichung der Debatte.

Zur Pressekultur in Deutschland: Für die Vielfalt und Qualität unserer Zeitungen werden wir in aller Welt bewundert. Unsere Journalisten gehören zu den Besten. Das Vertrauen der über 50 Millionen regelmäßigen Zeitungsleser verpflichtet uns, auch in einer digitalen Medienkultur hohe publizistische Leistung abzuliefern – 24 Stunden täglich, sieben Mal die Woche. Unsere Zeitungen sind Garanten für professionell recherchierte Nachrichten, und sie bieten Orientierung in einer immer weiter atomisierten Informationskultur. 129 Vollredaktionen sorgen für ein breit gefächertes Informations- und Meinungsangebot. Da von Einheitspresse zu sprechen, bedeutet, ganz bewusst die Wirklichkeit zu verzerren. Gerade im Lokalen, wo sich fast alle Probleme unserer Gesellschaft spiegeln, sind viele Zeitungen weit mehr als die Übermittler von Nachrichten. Oft sind sie Motor im Gemeindeleben und halten vor Ort den Diskurs der Gruppen in Gang. Dabei gilt es, trotzdem kritische Distanz zu wahren, um der Wächterrolle, die jede Zeitung hat, gerecht zu werden.

Freilich gibt es auf Seiten der Presse auch immer wieder Defizite. So passieren beispielsweise im Wettlauf gegen die Uhr mitunter auch gravierendere Fehler bei der Recherche. Oder im journalistischen Übereifer werden Persönlichkeitsrechte verletzt. Solche Verfehlungen dürfen nicht hingenommen, sie müssen geahndet werden. Dafür gibt es den Deutschen Presserat als Organ der Selbstkontrolle, dessen Entscheidungen gerade auch in den Redaktionen höchsten Respekt genießen.

Für den Zeitungsjournalismus liegt die Herausforderung mehr denn je darin, nicht nur die schnelle Nachricht, sondern die nach allen Seiten reflektierte Hintergrundgeschichte zu den relevanten Ereignissen und Entwicklungen zu liefern. Unsere Redaktionen könnten sicher noch besser erklären, warum wir in Deutschland Zuwanderer brauchen, und könnten dabei zugleich noch profunder und ungeschminkt über Integrationsprobleme diskutieren.

Die humanitäre Verpflichtung Deutschlands gegenüber Menschen, die wegen Krieg und Verfolgung aus ihren Heimatländern fliehen, muss ebenso klar behandelt werden wie die Angst von Bürgern vor Überfremdung und Islamisierung. Nur mit Objektivität, Sachkenntnis, Kritikfähigkeit und mit einem offenen Wettbewerb der Meinungen kann Vorurteilen entgegengewirkt und geistigen Brandstiftern der Weg versperrt werden."

Quelle: Handesblatt, Ausgabe vom 20. Januar 2015

www.handelsblatt.de

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