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18. Januar 2012 | Allgemeines

Es geht um Qualität und starke Marken

Mediaentscheider und Verlagsvertreter diskutieren beim Deutschen Medienkongress über Paid Content und Qualitätsjournalismus

Einmal mehr waren es die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, die beim Deutschen Medienkongress der Conference Group und des Fachmagazins „Horizont“ in Frankfurt am 17. und 18. Januar 2012 für Gesprächsstoff gesorgt haben. Das klare Credo der Werbetreibenden und Agenturen: Der Qualitätsjournalismus der Zeitungen und Magazine garantiert der geschalteten Werbung eine hohe Aufmerksamkeit. „Von daher werde ich mich dort platzieren, wo gute Inhalte sind“, kündigte Gregor Gründgens, Director Brand Marketing bei Vodafone, an.

Medienkongress wiele welteNoch mehr dieser guten Inhalte werde man künftig auch auf den Websites der Verlage finden, hieß es von den Verlagen. „Online löst Print in wenigen Jahren als Leitmedium ab. Print wird Ausfluss dessen, was wir online tun“, erklärte Jan-Eric Peters, Chefredakteur der „Welt-Gruppe“. Die bereits vor Jahren ausgegebene „Online-Frist-Maxime“ solle neu belebt und auf „Mobile-First“ ausgeweitet werden. Derzeit schaffe man bei den Redaktionssystemen die technischen Voraussetzungen dafür.


Nicht ganz so apodiktisch äußerte sich Steffen Klusmann, Chefredakteur „Financial Times Deutschland“. Nach seiner Auffassung liege die Zukunft der Branche in der Aufgabe alter Strukturen: „Ich finde den Begriff ,Online-Medien‘ schräg." Es gehe darum, eine Medienmarke über unterschiedliche Kanäle zu verteilen. Online sei nur ein Kanal. Nicht zuletzt deshalb werde es in der Gruner + Jahr-Wirtschaftsredaktion künftig keine eigene Online-Redaktion mehr geben. „Stattdessen werden wir stets entscheiden, welche Inhalte der Gesamtmannschaft auf welche Kanäle verteilt werden“, so Klusmann. Eine andere Abgrenzung ist ihm dagegen wichtiger: Die von Premium-Inhalten, die man verstärkt als Paid Content verkaufen will, von kostenloser journalistischer Massenware.


Als Paid-Content-Pionier präsentierte sich auch in Frankfurt die Axel Springer AG, die bereits Ende 2009 beim „Hamburger Abendblatt“ und der „Berliner Morgenpost“ die Online-Bezahlschranken für ausgewählte Artikel senkte. Springervorstand Andreas Wiele verteidigte vehement die Digitalstrategie seines Hauses: „Zur Unabhängigkeit der Presse gehört journalistischer Erfolg", sagte Wiele. Man müsse andere Wege gehen, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Medien sicher zu stellen, wenn man verhindern wolle, dass auch in Deutschland nur noch Oligarchen Zeitungen kontrollieren. Vor diesem Hintergrund bekräftigte er die Absicht, auch weiterhin in Paid-Content und andere Online-Projekte wie Immobilienplattformen, Affiliate-Netzwerke oder Prospektportale zu investieren, eine Einschätzung, die auch bei Burda-Vorstand Philipp Welte Anklang fand.

Medienkongress IppenUm das Thema Digitalisierung und Online-Strategien ging es auch im Panel „Tageszeitungen im Wandel – Wie die Digitalisierung das Geschäft verändert!“. Dabei glorifizierte Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit Verlags, in seiner Keynote die „Digitalisierung als Geschenk an die Zeitungen“. Doch um sich über diese Gabe auch freuen zu können, brauche es einen neuen Prototyp des „modernen Journalisten“, der alle Plattformen bedienen können. Essers Vision: Seriös und gründlich recherchierte Nachrichten, die möglichst schnell immer und überall verfügbar sind und währenddessen vom Feedback der Leser angereichert und aktualisiert wurden. Die zukünftige Hauptrolle der Zeitungen beschrieb Esser wie folgt: „Zeitungen sind künftig nicht der Fluss, sondern das feste Ufer, an dem alle Informationen glaubwürdig aufbereitet und bereitgestellt werden.“ Die Welt werde nämlich nicht nur schneller, sondern vor allem auch komplexer. Und an dieser Stelle seien die Zeitungen als Orientierungsstifter gefragt.

Zustimmung gab es dazu auch von Dirk Ippen, unter anderem Verleger von „Münchner Merkur“ und „Offenbach Post“, der eine Lanze für die lokale Kompetenz der Branche brach: „Wir haben in Deutschland rund 1.500 Lokalausgaben, hochgerechnet arbeiten daran 15.000 Journalisten. Dieses Wissen kann so schnell niemand ersetzen."

medienkongress keeseAuch Tobias Trevisan, Sprecher der Geschäftsführung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, blickte hoffnungsfroh in die Zukunft: "Man darf nicht den Fehler machen, die Zeitung zu schnell aufzugeben. So verliert man die Grundlage, um den jetzigen Transformationsprozess gestalten zu können." Schon jetzt seien 50 Prozent der Postings bei Facebook und Twitter Links auf „Profiinhalte“, also Verweise auf die Websites der klassischen Medien, ergänzte Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs bei der Axel Springer AG. Das Problem dabei: „Das Geld geht am Ende dahin, wo die Aufmerksamkeit ist.“ Deshalb sei es notwendig, dass die Verlage neue Wege fänden, wie sie am veränderten Medienkonsum partizipieren könnten.

Mit Material und Fotos von www.horizont.net

Ort: Frankfurt

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