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28. März 2011 | Digitales

Es App(ed) weiter

Zeitungsverlage setzen auf Bezahl-Applikationen

Ohne Apps scheint es nicht mehr zu gehen. Fast jedes Problem und jede Frage findet sich im App-Store ein passendes Programm. Rund 350.000 seien es mittlerweile, vermeldete Apple im Januar 2011. Und die kleinen Anwendungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. 900 Millionen App-Downloads verzeichnete der US-Multi im vergangen Jahr allein in Deutschland. Damit hat sich laut Marktforschungsinstitut Research2Guidance die Zahl der Downloads binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. Auch immer mehr deutsche Zeitungsverlage sind mit eigenen oder Gemeinschaftsanwendungen im iStore zu finden.

Für das iPhone sind es rund fünf Dutzend. Dabei setzen die Zeitungen entgegen des Trends konsequent auf Bezahlschranken. Ist weltweit gerade einmal jede zehnte App kostenpflichtig, hängen an sechs von zehn Zeitungs-Apps Preisschilder. Vorreiter dieser Entwicklung war die Axel Springer AG aus Berlin, die Ende 2009 kostenpflichtige Angebote von „Bild“, Welt“ und „B.Z.“ aufs iPhone brachte. Einen Monat nach der Einführung wertete der Verlag den Start als Erfolg. 100.000 mobile Nutzer hätten vom Einführungsangebot Gebrauch gemacht und waren bereit, dafür zu bezahlen. Der Preis für die Bild-App in der Einführungsphase lag bei 0,79 Euro inklusive einer PDF-Version der aktuellen Print-Ausgabe. Unlängst haben die Springer-Zeitungen auf ein Abo-Modell mit und ohne PDF umgestellt. Nach Jahresfrist zog das Berliner Verlagshaus erneut Bilanz: Von rund 800.000 App-Downloads und davon 500.000 gebührenpflichtigen, berichtete Mathias Döpfner bei einem Pressegespräch im Dezember 2010: „Noch gilt hier das Gesetz der kleinen Zahl. Die ersten Zwischenergebnisse sind aber äußerst ermutigend“, resümierte im Dezember 2010 der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner.

Treiber der positiven Entwicklung ist die sprunghaft gestiegene Zahl von Smartphones und Tablet-Computern wie dem iPad. 2010 wurden laut Bitkom 7,4 Millionen Smartphones verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 38 Prozent. Rund ein Drittel aller verkauften Mobiltelefone seien Smartphones. Für das laufende Jahr rechnet der Hightech-Verband mit weiter steigenden Absatzzahlen, sowohl bei den Smartphones als auch bei den App-Verkäufen. „Großes Potenzial liegt vor allem bei regionalen Angeboten“, erklärte Bitkom-Präsidiumsmitglied Friedrich Joussen gegenüber dem Branchendienst „Horizont“.

Sport als neues Standbein

Diesen Trend erkennen auch immer mehr Regionalverlage und folgen dem Vorbild des „Solinger Tagblatts“, das im Oktober 2009 als erste deutsche Zeitung eine Applikation auf den Markt brachte. Die Frage der Stunde scheint derzeit nicht, ob eine App in Produktion geht, sondern welche Inhalte diese hat: Denn neben den mehr als 30 nachrichtenlastigen gibt es mittlerweile rund ein Dutzend Sport-Apps. Ob „Mein VfB“ von den „Stuttgarter Nachrichten“, „Mein FCA“ von der „Augsburger Allgemeinen“ oder „Borussia für Fans“ aus Düsseldorf von der „Rheinischen Post“ - König Fußball regiert auch im App-Store. Versehen mit Live-Tickern, Tabellen, Bildern des Spieltags und Hintergrundinformationen versorgen die Fußball-Apps die Fans mit allem rund um den Lieblingsverein. Anders hingegen bei der „Thüringer Zeitungsgruppe“. Hier steht der gesamte Amateursport des Verbreitungsgebiets im Fokus. Die Anwendung bietet aktuelle Ergebnisse und Tabellen aus 35 Sportarten – unter anderem Fußball, Boxen, Handball, Kegeln und Tennis – sowie von 15.000 Mannschaften und aus den wichtigen nationalen und internationalen Ligen. Der Nutzer findet in maximal fünf Schritten sein favorisiertes Ergebnis aus insgesamt bis zu 5.000 wöchentlichen Resultaten.

Mehr und mehr drängen die Verlage auch in den Markt für Service-Apps: Allein die „Süddeutsche Zeitung“ aus München veröffentlichte in den vergangenen Monaten mit „Radfahren in Oberbayern“, „Rodeln & Winterwandern in Oberbayern“, „sueddeutsche.de Winter-Touren“ und „Selbstmanagement – Kompakt Coach“ vier hochpreisige Anwendungen. Mit Preisen zwischen 2,99 und 5,99 Euro liegen diese deutlich über den oftmals geforderten 79 Cent für Nachrichten-Apps. Pünktlich zum diesjährigen Karneval präsentierte die „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz „Youtube für Pappnasen“, wie es Chefredakteur Joachim Türk nannte. Mit „helau live“ konnten kostenlos und schnell Fotos sowie Videos auf helau.de, das Karnevals-Portal der Zeitung, hochgeladen werden. Neben Artikeln findet sich auf helau.de auch die „Narren“-Community „mein.helau.de“, in der sich bereits mehr als 1.800 Karnevalsvereine präsentieren.

Bereits im Dezember 2009 brachte das zur WAZ-Mediengruppe, Ippen-Gruppe und Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörende Anzeigennetzwerk „markt.gruppe“ seine Service-App auf den Markt. Zusammen mit seinen acht Onlineportalen und mehr als 150 regionalen Tageszeitungspartnern präsentiert die Plattform in der kostenlosen App aktuelle Stellen-, Immobilien- und PKW-Anzeigen. Die iPhone-Nutzer haben bei „Anzeigen“ die Wahl: Entweder gezielt lokal, regional, bundesweit oder anhand des aktuellen Standortes nach passenden Angeboten zu suchen oder die neuesten Treffer zu individuell erstellbaren Suchaufträgen automatisch angezeigt zu bekommen.

Gemeinschaftslösungen gefragt

Neben Eigenproduktion setzt die Zeitungs-Branche bei der App-Entwicklung auch immer mehr auf Gemeinschaftsprojekte. Bereits im Mai 2010 startete als erster verlagsübergreifender Kiosk im iStore die Plattform „News Push“, die es Nutzern ermöglicht, aus einer Vielzahl an Nachrichtenquellen ein personalisiertes Nachrichtenangebot zusammenzustellen. Neben „Trostberger Tagblatt“, „Mittelbayerischer Zeitung“ (Regensburg), „Trierischem Volksfreund“, „Saarbrücker Zeitung“ und der in Offenburg verlegten „Mittelbadischen Presse“ und dem „Seesener Beobachter“ speisen die Nachrichtenagenturen Sportinformationsdienst SID und AFP sowie dpa-AFX ihre Nachrichten ein. Dabei können Einzelnachrichten zum Preis von bis zu 79 Cent oder Monatsabos für maximal zu 5,99 Euro abgeschlossen werden. „News Push hat die Branche eines gelehrt, Paid Content funktioniert auf Smartphones“, resümiert News Push-Geschäftsführer Josef Roßmann. Statt auf gemeinsame Vermarktung setzen die Verleger in Baden-Württemberg auf die gemeinsame Entwicklung von Apps. Unter Federführung des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) entwickelt die Stuttgart Internet Regional GmbH (SIR) Lösungen für die Verlagshäuser. Sowohl die „Schwäbische Zeitung“ aus Leutkirch als auch die „Stuttgarter Nachrichten“, die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Südwest Presse“ aus Ulm partizipieren bereits an dieser Ressourcenbündelung. „Und weitere Verlage werden in Kürze folgen“, verriet Alexander Kratzer von der SIR.

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