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12. November 2001 | Digitales

Erlösträchtige Content-Strategien – Mehrfachnutzung von Inhalten, elektronische Pressespiegel

Syndikation, vernetzte Websites, Kooperationen, kostenpflichtige Inhalte sollen den Erfolg bringen

Für viele europäische Zeitungen gehören Internet und Multimedia heute fest zur Unternehmensstrategie. Philippe Toulemonde von „Ouest-France“, der elftgrößten Zeitung Europas, stellte die Mulitmedia-Strategie seines Unternehmens vor, darunter den gerade neu gestarteten, kostenpflichtigen Archivdienst „ouestfrance-enligne.com“. José Biosca von der „Groupe Dépêche“, zu der die in Toulouse erscheinende Zeitung „Le Dépêche du Midi“ gehört, setzt mit seinen Aktivitäten auf Agenturleistungen und Web-TV. Das Konzept hat sich bereits in Krisenzeiten bewährt: So konnten schon eine Stunde nach der verheerenden Explosion in der Toulouser Chemiefabrik am 21. September erste Bildberichte gesendet werden. Oliver Weyergraf von der Holtzbrinck-Tochter holtzbrinck networXs AG erläuterte die Investmentstrategie seines Konzerns in Neue Medien, bei der der Weiterverkauf von Inhalten eine große Rolle spielt. Marc Ziegler von der Unternehmensberatung Diebold warb für mehr Experimentierbereitschaft auf Basis der im Internet beliebten „Peer-to-Peer“-Dienste.

Mit 42 Ausgaben, die in drei Regionen und zwölf Verwaltungsbezirken an sieben Tagen in der Woche in einem Verbreitungsgebiet so groß wie die Benelux-Staaten erscheinen, verfügt die zur SIPA-Gruppe gehörende Ouest-France und ihre Tochter Ouest-France Multimedia über einen reichhaltigen Pool von Inhalten und Korrespondenten, der die Basis für verschiedene Internetdienste bildet. „Unsere Internetstrategie ist zugleich offensiv und defensiv“, betont Toulemonde: Die Weiterentwicklung soll im wirtschaftlich vertretbaren Rahmen erfolgen. Ziel ist die Zusammenlegung aller operativen Bereiche des Unternehmens.“ Im Internet habe man sich zunächst auf die Rubrikenmärkte konzentriert. Die Seiten für Immobilien, Kfz, Stellen und Diverses erzielten mit jeweils eigenen Domainnamen zusammen rund 2,5 Millionen Seitenabrufe im Monat, wobei der Immobilienmarkt mit 1,2 Millionen Seitenabrufen das erfolgreichste Angebot sei. Seit September 2001 erscheinen die Anzeigen nicht mehr automatisch online. Laut Toulemonde entscheiden sich beim Telefonverkauf 85 Prozent der Auftraggeber für die kostenpflichtige Zusatzschaltung.

 

Gemeinsam mit den 156 Anzeigenblättern der SIPA-Gruppe (SPIR Communications), die mit einer Auflage von 14 Millionen Exemplaren in der Woche verteilt würden, betreibt Ouest France das Cityguide-Portal „maville.com“. Informationen zu 40 Städten sind dort derzeit abrufbar. „ouest-france.fr“ ist dagegen ein Regionalportal. Alle Seiten sind untereinander verlinkt und nutzen die Inhalte der Tageszeitung, doch „96 Prozent der Inhalte sind kostenpflichtig“, wie Toulemonde betont.

 

Seit dem 27. September 2001 sind die Inhalte der Zeitung unter „ouestfrance-enligne“ nun auch direkt zugänglich. Das aus einem 1994 gestarteten Forschungsprogramm hervorgegangene Angebot, in das die Zeitung rund drei Mannjahre Entwicklungsarbeit und eine Million Euro investiert hat, wendet sich an Geschäftskunden, Unternehmen und Gebietskörperschaften im Verbreitungsgebiet der Zeitung, die auf diesem Wege einen elektronischen Pressespiegel sowie Zugriff auf das Archiv erhalten und vielfältige Zusatzservices nutzen können. Rund 2500 Artikel, 2600 Informationsdienste sowie 1.800 Fotos speist Ouest-France täglich neu in das System ein. Im Archiv der 42 Ausgaben sind derzeit rund 1,5 Millionen Artikel abrufbar. Agenturmaterial bleibt außen vor.

 

40.000 Unternehmen haben derzeit Ouest-France abonniert. 500 davon will die Zeitung bis Ende 2001 als Kunden für die Online-Ausgabe gewinnen, 3.000 bis Ende 2002, 8.000 bis Ende 2003. Der Preis für den Zugriff auf das System teilt sich in eine jährliche Grundgebühr ( 385 Euro bis 1.540 Euro für Abonnenten, 620 Euro bis 1.795 Euro für Nicht-Abonnenten) und Preisen pro abgerufenem Artikel, die je nach gewähltem Tarif zwischen 0,4 Euro und 0,06 Euro liegen.

 

Web-TV als Weg in die Zukunft

Für die Verlagsgruppe „Groupe Dépêche“ aus Toulouse ist Multimedia weniger eine Erweiterung des Printgeschäfts als ein eigenständiges Geschäftsfeld. Innerhalb weniger Jahre baute José Biosca für das Unternehmen Multimediabereich auf, der die Internetauftritte der Zeitungen aus der Gruppe betreut, als Web-Agentur fungiert und inzwischen für den Eigenbedarf und externe Auftraggeber selbst audiovisuell produziert. „Zwei Millionen CHF haben wir in die Studiotechnik investiert, drei Millionen in den Betrieb. Den angepeilten Umsatz von einer Million in 2001 haben wir immerhin zu 50 Prozent erreicht. Über drei Jahre werden wir den Break-Even plangemäß schaffen“, gibt sich Biosca selbstbewusst.

 

Der Expansionskurs speziell im Bereich Web-TV ist beeindruckend. Im Januar 2000 gründete „Groupe Dépêche“ gemeinsam mit „CanalWeb“ und vier französischen Regionalzeitungen die landesweite Webcasting-Plattform „tvwebRègions“, die die Verbreitung von interaktiven audiovisuellen Programmen auf unterschiedlichen Bandbreiten ermöglicht. Mit „tvwebmidi.net“ startete die Gruppe kurz darauf ein Netzwerk lokaler Internet-Fernsehsender (derzeit zwölf Kanäle) und unterzeichnete ein Abkommen mit dem spanischen Unternehmen „Ovideo TV“ zur gemeinsamen Gründung von Nex@.tv, dem ersten französisch-katalanischen Web-TV-Sender, der Anfang 2002 ans Netz gehen soll.

 

„Groupe Dépêche“ beschäftigt im Web-TV-Bereich derzeit fünf Redakteure, die eng mit den Zeitungskollegen zusammenarbeiten. Alle Sendungen bleiben zwei Monate online, jeden Tag kommt eine komplette Stunde Sendezeit neu hinzu. „Synergien zwischen Zeitung und TV sind nicht erzwingbar“, warnt Biosca. Doch in Toulouse sehe man sich auf dem richtigen Weg. So werde zum Beispiel die tvmidi-Wirtschaftssendung heute von Zeitungsleuten gemacht. 2003 sollen die verschiedenen Medien dann noch enger zusammenrücken: „Wir werden in ein neues Druckzentrum umziehen, und dann gibt es ein neues Redaktions- und Kommunikationssystem, mit dem wirkliche Medienkonvergenz möglich wird.“

 

Weiterverkauf von Inhalten

„Es gibt noch eine Menge Dinge zu lernen“, räumte Oliver Weyergraf von der holtzbrinck networXs AG zu Beginn seiner Ausführungen ein. „Doch das Engagement im Internet ist eine strategische Frage für Verlage. Unsere Investment-Entscheidungen waren richtig.“ Zur Unternehmensgruppe Georg von Holtzbrinck gehörten zurzeit 80 Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen, 14 davon zählten zum Bereich Neue Medien, der von holtzbrinck networXs betreut werde.

 

Qualitätsinhalte sind für Weyergraf Erfolgsfaktoren im Internet. Da Qualität teuer zu erzeugen sei, gingen immer mehr Firmen dazu über, Inhalte einzukaufen statt selbst zu produzieren. Hier gebe es Einnahmemöglichkeiten für Medienunternehmen. Die Wertschöpfungskette biete Raum für die Erzeuger von Inhalten ebenso wie für Syndikatoren und Distributoren. Mit Unternehmen wie xipolis (50 Prozent Beteiligung), contara (50 Prozent Beteiligung) und genios.de positioniere sich Holtzbrinck als Syndikator und Distributor am oberen Ende der Qualitätsskala. Xipolis vertreibe sowohl exklusive wie nicht exklusive Markeninhalte an Geschäftskunden. Als Referenzobjekt gebe es mit „xipolis.net“ auch ein Angebot für Privatkunden mit erprobter Billing-Technologie. Das dritte Xipolis-Produkt, „Mr. Check“, sei ein Vokabel-Manager und vorrangig als Marketing-Tool auf mehr als 800 Websites im Einsatz.

 

Experimente mit „Peer-to-Peer“

Holtzbrinck experimentiert auch mit Geschäftsmodellen auf Basis von Peer-to-Peer-Netzwerken. Beispiele hierfür ist „Clickfish.com GmbH“ (27,4 Prozent Beteiligung) mit den Produkten „clickfish“ und „askforce“, beides in Abwandlung Internet-Gemeinschaften, bei denen User von anderen Usern Antworten auf ihre Fragen erhalten können. Neben dem Betrieb der Portale ergeben sich Einnahmemöglichkeiten aus dem Weiterverkauf der Inhalte und aus der Lizensierung der Peer-to-Peer-Software an andere Portale. Umsatzzahlen nannte Weyergraf nicht.

 

Peer-to- Peer war auch das Stichwort, das Marc Ziegler von der Unternehmensberatung Diebold den Anwesenden als künftiges Geschäftsfeld schmackhaft machen wollte. Peer-to-Peer-Technologie ermöglicht es grob gesagt Usern, Inhalte ohne zentrale Verwaltung auszutauschen oder die Ressourcen ihrer Computer zu teilen. Die Technik könne jedoch dazu eingesetzt werden, Inhalte kostenpflichtig auszutauschen. Im Bereich Kooperation/Wissens-Management sieht Diebold neben der gemeinsamen Nutzung der Ressourcen verteilter Computer die größten kommerziellen Chancen. Zeitungen müssten aufpassen, diesen Trend nicht zu verschlafen.

 

Ziegler schlug vor, dass Zeitungen auf Basis von Peer-to-Peer-Inhalten einen B2B-Informationsdienst für Geschäftskunden anbieten, der über Abonnementgebühren finanziert werden könnte. Zusätzlich zu den von den Usern selbst generierten Inhalten könnte ein solcher Dienst mit redaktionellen Inhalten angereichert werden. Die Technik sei heute auf dem Markt erhältlich. Die einzigartige Stellung der regionalen Zeitungen mit ihren Kontakten, ihrem Netzwerk und ihrem Fundus an exklusiver Information prädestiniere sie als Anbieter eines solchen Dienstes.

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