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19. Mai 2006 | Allgemeines

Erfolgsmodelle und Zukunftsstrategien

"Zeitung Online 2006"-Konferenz mit Rekordbeteiligung – User gestalten Medien mit – Verlage bieten Google Paroli

Profitable Geschäftsideen, verbesserter Umgang mit den eigenen Nutzern und intelligenter Einsatz von Technologie beispielsweise für die lokale Suche waren die prägenden Themen der "Zeitung Online 2006"-Konferenz von BDZV und Ifra in Potsdam. Neu vorgestellte Initiativen von Verlagen zeigen, dass Zeitungen im Internet immer höhere Werbeumsätze erzielen und neue Zielgruppen für ihre Angebote erschließen können.

BDZV Kongress.Foto:MAZ/Bernd GartenschlägerBDZV Kongress.Foto:MAZ/Bernd Gartenschläger Mehr als 200 Teilnehmer fanden ihren Weg nach Potsdam zu der von Hans-Joachim Fuhrmann (BDZV) und Jochen Dieckow (Ifra) moderierten Multimediakonferenz. Erneut Rekordbeteiligung, wie Dr. Richard Rebmann, BDZV Vizepräsident und Verleger des „Schwarz­wälder Boten“, vermerkte. In der Tat verspüre die Zeitungsbranche derzeit einen Online-Auf­schwung. Die Umsätze des Online-Vermark­tungsnetzwerkes OMS beispielsweise seien im ersten Quartal 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 150 Prozent gestiegen. Mittlerweile erreichten die OMS-Zeitungen 6,6 Millionen Internetnutzer.

Ifra-CEO Reiner Mittelbach gab den Start der neuen Ifra-Initiative „Where News“ bekannt. Eine Million Euro seien für die nächsten drei Jahre für dieses Projekt budgetiert: Wie wird sich das Me­diennutzungsverhalten in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln? Welche gesellschaftlichen Veränderungen wird die Technologie bewirken? Die 3.000 Ifra-Mitgliedsverlage sollen eng einge­bunden werden.

Nutzerbindung: Perspektive für Qualitätsinhalte

Keynote-Speaker Professor Franz Josef Ra­dermacher – Mitglied im Club of Rome – warnte davor, mit Blick auf die Aktivi­täten der Internetgiganten die eigentlichen welt­weiten gesellschaftlichen Umverteilungsprobleme aus den Augen zu verlieren. In den nächsten Jahren werde sich entscheiden, ob die Welt auf eine „Brasilianisierung“ zulaufe, bei der die Rei­chen immer reicher und die Armen immer ärmer würden, oder sich das europäische Modell durch­setzen könne. Die Medien müssten ihren Le­sern/Nutzern bei der Deutung der Prozesse hel­fen. „Qualitätsprodukte haben ihren Wert“, be­tonte Radermacher dabei, „Leser investieren in die Wechselwirkung mit ihrer Redaktion. Für Kommunikation ist Kontext wichtig.“

Stefan Hilscher, Verlagsgeschäftsführer der „Augsburger Allgemeinen“, gab Einblick in die organisatorischen Strukturen, die es seinem Haus ermöglichen, profitabel im Netz zu arbeiten. Basis hierfür sei die Integration der Online-Ver­marktung in die Anzeigenabteilung und die Ein­beziehung der Medienberater in die Produktent­wicklung.

Konrad Kellermann, Leiter der Chefredaktion der „Passauer Neuen Presse“, konnte von ersten finanziellen Erfolgen im Bereich mobile Me­dien berichten. Leser im Verbreitungsgebiet sei­ner Zeitung seien allerdings nicht bereit, für Abonnementangebote zu bezahlen. Deshalb habe man auf Abrufdienste umgestellt.

The Guardian: Teil des Internets

The Guardian Unlimited ist die von Internet-Usern am meisten beachtete Online-Zeitung au­ßerhalb der USA: 13 Millionen Nutzer sorgen für 120 Millionen Seitenabrufe im Monat. Der Umsatz stieg im letzten Jahr um 41 Prozent, das Angebot schreibt seit Mai 2006 schwarze Zahlen. Tristan Leaver, Head of Business Development, riet den Teilnehmern zu Geduld und Engagement: „Sie müssen Teil des Webs sein, nicht einfach im Web sein.“ Konkret heiße das, sich beispiels­weise mit Phänomenen wie Weblogs auseinan­derzusetzen und deren Autoren ernstzunehmen: „Der politische Blog ‚Daily Kos’ in den USA hat in der Woche mehr Leser als der Politikteil von Guardian Unlimited im ganzen Monat.“

„Das Publikum, das Sie nicht haben, weiß nicht, wie wichtig Sie sind“, warnte auch Bob Cauthorn, President City Tools in San Francisco und frühe­rer Online-Chef des „San Francisco Chronicle“. Er gab solchen Zeitungen die besten Überlebens­chancen, die sich dem Gespräch mit dem Publi­kum öffnen.

Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der „Saar­brücker Zeitung“, präsentierte das Projekt „Leser­reporter“, bei dem Leser zu Nachrichten-Liefe­ranten und Tippgebern für die Redaktion werden. Über einen zentralen Eingang laufen seit Januar 2006 in Saarbrücken SMS, MMS, E-Mails, Sprach- und Faxnachrichten bei der „Saarbrücker Zeitung“ ein. Über 1500 Hinweise erreichten die Redaktion seither, gut 20 Prozent davon waren unmittelbar brauchbar und „führten zu Geschich­ten, die wir sonst nicht im Blatt gehabt hätten“, wie Herbst erläuterte. Seine Bilanz: rundum posi­tiv, das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand.

Ein ganzes Potpourri von innovativen Ideen, mit denen Zeitungsverlage ihr Publikum online bin­den, einbinden und überraschen können, präsen­tierte die Münchner Medienberaterin Katja Riefler. Pocasting und Web-TV gehören dabei zu den wichtigen Trends und zwar sowohl redaktionell wie im Werbemarkt. Die Technik wird immer günstiger.

Lokale Suche: „Besser als Google und Co“

„Der wahre Grund für Googles Erfolg ist, dass Medienunternehmen geschlafen haben“, schrieb Mikal Rohde, Geschäftsführer von Schibsted Søk AS in Oslo, den Teilnehmern ins Stammbuch. Das von Schibsted 2005 neu gegründete Unter­nehmen ging im Oktober 2005 mit einer eigenen Suchmaschine – Sesam.no – an den norwegi­schen Markt. Schwerpunkt ist das Auffinden lokal relevanter Ergebnisse – rund 70 Prozent der Suchanfragen in Norwegen haben laut Rohde eine lokale Komponente. Integriert wurden alle Arten von strukturierten und unstrukturierten Da­ten: Telefonbucheinträge ebenso wie aktuelle Inhalte von mehr als 600 norwegischen Nach­richten-Websites sowie die kompletten Schibsted-Zeitungsarchive. Aktuell habe Sesam.no rund 200 Millionen norwegische Internetseiten indexiert.

Suchergebnisse werden den Nutzern struktu­riert präsentiert. Schibsted investierte rund zehn Millionen Euro in die Entwicklung. Auch in Deutschland gewinnt das Thema stark an Be­deutung, wie Ifra-Senator Frank Meik ausführte: „Tageszeitungen nutzen ihre dominante lokale Marktposition derzeit nicht aus.“ Jeder Verlag brauche eine intelligente Suchtechnologie.

Immobilienmärkte: Anregungen der Kunden ernst nehmen

Stellvertretend für die Online-Rubrikenmärkte wurde in Potsdam über Immobilien diskutiert. Dirk Schmitt, Pressesprecher der Deutschen Anning­ton Immobilien GmbH aus Düsseldorf, rief die Verlage dazu auf, Lösungen anzubieten, die es Immobilien-Unternehmen ermöglichen, Leer­standszeiten zu reduzieren. Makler Jörg Schnor­renberger hatte gleich ein ganzes Ideenpaket geschnürt, mit dem Verlage Maklern in ihrem Verbreitungsgebiet das Leben leichter machen können, angefangen von Hilfestellungen beim Texten von Anzeigen über Miet- und Kaufpreis­sammlungen bis hin zu besser gestalteten Immo­bilienteilen. Sehr angetan zeigte er sich vom Start von Kalaydo, dem neuen Rubrikanzeigenportal der Zeitungen im Rheinland: „Bis vor zwei Mona­ten erhielten wir rund 50 Prozent der Anfragen in unserem Büro über Immobilienscout, 20 Prozent über Immonet und andere Webangebote, 25 Prozent über die Zeitung und sechs Prozent über Bankaushang. Durch den Start von Kalaydo scheint sich das zu verschieben, der neue Markt liegt auf Platz zwei.“

Irex Illiad: die nächste Generation elektronisches Papier

Zum Abschluss der Tagung präsentierte die niederländische Firma Irex Technologies ein neues elektroni­sches Lesegerät auf Basis von elektronischem Papier, mit dem Lesen am Bildschirm wirklich mühelos möglich sein soll. Es wird von ersten eu­ropäischen Zeitungen als Lesegerät für ihre elekt­ronischen Ausgaben getestet, unter anderem in Belgien von „De Tejd. Testergebnisse lagen je­doch noch nicht vor.

Foto: MAZ/Bernd Gartenschläger

 

Mehr Informationen:

Keynote: Club of Rome-Mitglied warnt vor Gefahren der Globalisierung

 

Ifra-Moblog

 

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