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18. Juli 2003 | Digitales

Erfolgreiche Konvergenz in der Redaktion - vom Austausch von Inhalten zum gemeinsamen Newsroom

Zeitungen kooperieren mit Fernseh- und Radiosendern

Bei den Inhalten ist die Zusammenarbeit innerhalb des eigenen Unternehmens, aber auch mit Partnern aus anderen Mediengattungen in einigen Fällen bereits gut funktionierende Realität. Branchenexperten berichteten von ihren eigenen Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Zeitung, Online und und auch Fernsehsendern, die zum Teil innerhalb des eigenen Konzerns, aber auch mit externen Partnern stattfindet.

In den USA gibt es eine Vielzahl an lokalen Fernsehsendern, die meist auch Websites betreiben. Diese Websites sind mit nur zwei Ausnahmen kleiner und weniger bedeutend als die der jeweiligen lokalen Tageszeitung. Viele Medienunternehmen besitzen sowohl Zeitungen als auch Fernseh- und Radiosender. Wegen der zum Zeitpunkt der Konferenz kurz bevorstehenden erwarteten Lockerung bei den Crossmedia-Besitzverhältnissen waren die Kooperationen zwischen Zeitungen und Fernsehsendern von besonderem Interesse.

 

Bereits in über 50 Märkten der USA fände sich irgendeine Form von Zusammenarbeit zwischen Print und Broadcast (Fernsehen oder Radio), sagte Andrew Nachinson, Director des American Press Institute. Zumeist handele es sich dabei um den Austausch von bestimmten Inhaltskomponenten wie Schlagzeilen oder Wetterberichte. Nachrichten und Inhalte - und nicht etwa der Werbeverkauf - seien die treibenden Kräfte und der einfachste Ausgangspunkt für Konvergenz.

 

Gute Kooperation bringt bessere Inhalte

 

Eine „Konvergenz der Ressourcen“, betreibt der „Rochester (New York) Democrat and Chronicle“ mit dem örtlichen Fernsehsender WOKR, berichtete Anthony Moor, New Media Editor des „Democrat and Chronicle“ und selber ehemaliger Fernsehreporter. Zwischen der Zeitung, dem Onlinebereich und dem Fernsehsender findet ein Austausch an Inhalten statt, der das Angebot der verschiedenen Plattformen verstärkt, für den Nutzer jedoch nicht unbedingt offensichtlich ist. So stellt beispielsweise der Fernsehsender die Wetterberichte, die Zeitung trägt die politische Berichterstattung und für die TV-Spätnachrichten die Schlagzeilen des nächsten Tages bei, und die Website hilft mit Umfragen zu politischen und anderen Fragen weiter. Für spezielle größere Projekte arbeiten die Partner auch direkt zusammen, wie für ihre „A Day in the Life“ Reportagen, die das Leben in der Gemeinde genauer beleuchten. Erstaunlich sei für sie gewesen, dass der TV-Sender die Partnerschaft stark vorantreibe und sehr großzügig mit seinen Inhalten sei. Zu Moors Empfehlungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gehört die Entwicklung eines „Standards für Dringlichkeit“, damit Zeitungsleute verstehen, welche Berichte nicht bis zum Redaktionsschluss der Zeitung warten können, viel gegenseitige Aufklärungsarbeit und nachhaltige Unterstützung vom obersten Management.

 

Gemeinsamer Newsroom mit TV

 

Als die Sarasota Herald-Tribune, eine Zeitung der New York Times Company, Mitte der 90er Jahre nach einem Fernsehpartner suchte, entschloss sie sich nach einer Bestandsaufnahme und aufgrund der bestehenden rechtlichen Bestimmungen zur Gründung ihres eigenen Nachrichtensenders, SNN-6, erklärte Lou Ferrara, General Manager von SNN-Channel 6. Seitdem teilen sich Fernsehjournalisten und Printreporter den gleichen Newsroom. Das sei 1996 ganz neu gewesen. Der gemeinsame Newsroom fördere die Kommunikation und Kooperation zwischen den Mitarbeitern in den Bereichen Print, Online und TV, wobei das Ausmaß der Kooperation aber auch mit den Reportern variiere. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit war ein über 14 Monate laufendes Projekt zu den Leistungen der Schulen im Einzugsgebiet, das zu einer TV-Dokumentation, einer vertieften Zeitungsreportage, Online-Artikeln und einer umfangreichen Online-Datenbank führte.

 

Ferraras Tipps für eine gute Zusammenarbeit über die Medien hinweg: Machen Sie es nicht zu kompliziert, stellen Sie aufgeschlossene Leute ein und schaffen Sie finanzielle Anreize - Leute, die sich für alle Medien einsetzen, verdienen mehr als andere. Die Mauern zwischen Redaktion und Werbeverkauf müssten allerdings bestehen bleiben. Auf der anderen Seite dieser Mauern, zwischen den verschiedenen Verkaufsteams, klappe die Konvergenz leider noch längst nicht so gut.

 

„Total coverage“ mit externen Partnern bei NewsOK

 

Konvergenz sei ein evolutionärer Prozess, der ständiger Überwachung bedürfe und in jedem Moment eine unerwartete Änderung mit sich bringen könne, sagte Kelly Dyer, General Manager von NewsOK. Sie leitet mit NewsOK in Oklahoma eines der ehrgeizigsten Konvergenzprojekte in den USA. Die Nachrichtensite NewsOK.com wird gemeinsam vom „Daily Oklahoman“ (The Oklahoma Publishing Company, Familienbesitz) und dem (nicht mit dem Oklahoman verwandten, ebenfalls in Privatbesitz befindlichen) Fernsehsender „News 9“ betrieben; seit neuerem ist auch der Radiosender „Radio Citadel“ mit dabei. Die gemeinsame Website enthält unter anderem zahlreiche Nachrichtenvideos von News 9; im Fernsehsender werden die Bereiche „Wirtschaft“ und „Regierung“ von Zeitungsleuten abgedeckt. Die Kooperationspartner preisen ihre „total coverage“, die komplette Berichterstattung durch alle Mediengattungen, an. So findet sich auf der Titelseite der Tageszeitung die „Total Coverage Box“ mit dem Fernseh- und Radioprogramm und Hinweisen auf die Website.

 

Auch Dyer bestätigte, dass die Konvergenz in der Redaktion relativ leicht voranginge, nicht jedoch in der Werbung. Die redaktionellen Mitarbeiter fänden in der Kooperation offensichtliche Synergien wie gemeinsame Ressourcen und Tipps für Stories. Die Zusammenarbeit werde weiterhin durch die extra eingerichtete Stelle eines „Convergence Diplomat“, der anteilig von allen drei Partnern bezahlt wird und bei Problemen vermitteln soll, sowie durch ein Board mit acht Mitgliedern von allen Seiten unterstützt. Zu den Herausforderungen gehöre vor allem die Frage, „wer was in die Ehe eingebracht hat“, und die Verteilung der Einnahmen und Kosten, etwa aus den Kleinanzeigen und für das Archiv der Zeitung.

 

Offline-Leute von der Zusammenarbeit überzeugen

 

Auch ohne Partner von außen sind viele Medienunternehmen noch dabei, die medienübergreifende Arbeit intern zu verbessern. Gerry Barker, General Manager für die Dallas News Operations bei Belo Interactive, weiß, wie schwierig es sein kann, wenn seine 37 Mitarbeiter im interaktiven Bereich die über 800 Leute in Print und TV zur besseren Zusammenarbeit bewegen wollen. Er empfiehlt:

 

- Verschaffen Sie dem Online-Bereich eine Präsenz, die nicht zu übersehen ist. Bei Belo ist der Online-Bereich in das Zeitungsgebäude eingezogen; Online-Manager nehmen an allen strategischen Meetings und Zielsetzungen teil.

 

- Informieren Sie die Offline-Leute über die Online-Aktivitäten und Werbemöglichkeiten, die durch die Website bewirkte Vergrößerung der Leserschaft und des Marktanteils. Bei Belo geschieht dies durch regelmäßige Newsletter, tägliche Informationsschreiben, gemeinsame Lunches und Meetings.

 

- Schaffen Sie eine „Win-Win-Situation“- wenn Sie der Offlineseite helfen, dann wird sie auch die Onlineseite unterstützen. So freut sich die „Dallas Morning News“ über die Abonnenten, die über die Website gewonnen werden, der Newsroom sieht gerne die täglichen Listen mit den beliebtesten Online-Stories, E-Mail-Alerts weisen interessierte Leser auf bestimmte Reportagen und Fernsehsendungen hin und Online-Datenbanken helfen bei der Nachforschung für Berichte.

 

- Schaffen Sie Anreize für konvergenzförderndes Verhalten der Mitarbeiter aus den Bereichen Redaktion, Werbeverkauf und Auflage,

 

- aber auch: Konvergieren Sie nicht um jeden Preis!

 

Bei allen Konvergenzbestrebungen und der Erweiterung der Aufgabenbereiche vieler Mitarbeiter waren sich die Experten einig, dass es weiterhin spezialisierte Leute wie Fotografen und Zeitungsjournalisten geben müsse, die die hohe Qualität und Vorzüge ihres jeweiligen Mediums erhalten. Einer möglichen „Gleichmachung der Kulturen“ und eventuellen Qualitätseinbußen auf der Zeitungsseite könne man vorbeugen, indem man sich den richtigen Partner aussuche, der im Niveau zu einem passe, meinte Dyer. Auch sollte man die Quellen der einzelnen Beiträge klar kennzeichnen. Moor denkt, dass eine Zusammenarbeit auch zu einer Qualitätsverbesserung bei den Broadcastpartnern führen könne. Ferrara von SNN-6 sieht in diesem Bereich eine entscheidende Rolle für Chefredakteure, die die Qualität ständig überwachen und im Zweifelsfall klare Entscheidungen fällen müssten. Wichtig seien auch die täglichen Diskussionen zu ethischen Fragen, die in ihrem konvergierten Newsroom stattfänden.

 

Mehr Konkurrenz durch Konvergenz

 

Während in vielen Märkten der USA Zeitungen und Fernsehsender mit Kooperationen aufeinander zu gehen, führt das Zusammenwachsen der Medien aber auch zu mehr Konkurrenz: So dringen Zeitungen durch den vermehrten Online-Einsatz von Video in den „klassischen“ Bereich der Fernsehsender vor, während einige lokale Fernsehsender bereits angekündigt haben, in den Bereich Kleinanzeigen vorzustoßen. Die Fernsehsender der Meredith Corporation etwa sähen in Kfz-Inseraten das größte Erlöspotenzial und wollten entsprechend mit Autoanzeigen im Fernsehen beginnen, berichtete Kendall Talley, Director of Broadcast Interactive Services bei Meredith.

 

www.democratandchronicle.com

www.heraldtribune.com

www.newsok.com

www.belo.com

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