Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

16. November 2005 | Allgemeines

ENPA-Vizepräsident Lehari: Product-Placement beschädigt Glaubwürdigkeit aller Medien

Österreichs Bundeskanzler Schüssel: Europadebatte nur in Printmedien möglich

Der Vizepräsident des Europäischen Zeitungsverlegerverbands ENPA, Valdo Lehari, hat die Pläne der EU-Kommission, Product Placement im Fernsehen künftig zuzulassen, scharf kritisiert.

Wer die klare Trennung von Werbung und Programm aufweiche, gefährde nicht nur die Glaubwürdigkeit des Fernsehens, sondern aller Medien, sagte Lehari gegenüber Vertretern der EU-Kommission am 4. November in Wien bei der ENPA-Generalversammlung.

Das höchste Gremium des europäischen Zeitungsverlegerverbands wählte den Vorsitzenden des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) und Verleger des „Reutlinger General-Anzeigers“ einstimmig zum Vizepräsidenten. Bereits vor einem Jahr war Lehari in den ENPA-Vorstand gewählt worden. Es sei „grotesk“, sagte Lehari, dass innerhalb der EU-Kommission einerseits Product Placement befürwortet werde und gleichzeitig die reguläre Werbung immer stärker eingeschränkt und sogar verboten werde. Eine solche Politik gefährde die Kommunikationsfreiheit und entziehe den Medien die wirtschaftliche Grundlage für publizistische Leistung.

Der neue ENPA-Vizepräsident Valdo Lehari hatte seine Kritik an der geplanten Lockerung der Regelungen für Product Placement durch die EU auch bereits beim Zeitungskongress des BDZV in Berlin deutlich gemacht. Die Messlatte für Veränderungen der TV-Richtlinie müsse das Impact-Assessment sein, forderte Lehari. Es gelte, jede Veränderung auf ihre wirtschaftlichen Auswirkungen hin vorab zu überprüfen, wie das auch der EU-Kommissar Verheugen immer wieder fordere. Aus Sicht des Verlegers würden die Zeitungen als „Labormäuse missbraucht, um dem Fernsehen einseitig zu helfen“. Denn, so Lehari, die EU-Kommission behauptet zwar, dass die bisherigen Werbebeschränkungen die Entwicklung des Fernsehens beeinträchtigten und international nicht mehr vermittelbar seien. Tatsächlich werde eine Lockerung der Regelungen jedoch vor allen Dingen den Film-Produzenten zu Gute kommen.

Diese Haltung hatte der Reutlinger Verleger im Namen der ENPA auch bei einer Anhörung des Ausschusses für Kultur und Erziehung beim Europarat in Brüssel vertreten. Zeitungen würden von den EU-Gremien einerseits als „existent und unendlich belastbar betrachtet“, kritisierte Lehari dort. Andererseits würden sie in ihrer Leistung für die politische Kultur stark unterschätzt. „Politik kann Vielfalt nicht regeln“, so seine Überzeugung. Sie könne direkt oder indirekt den Rahmen setzen – oder auch Handlungen unterlassen. Eine gute Medienpolitik müsse Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die wirtschaftliche Grundlage erhalten bleibe.

Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel würdigte vor der ENPA-Generalversammlung die herausragende Rolle der Zeitungen für die Weiterentwicklung Europas. Die Debatte über die Europäische Union und das europäische Gesellschaftsmodell sei nur in den Printmedien in angemessener Weise möglich. Österreich wird im Jahr 2007 den Vorsitz im EU-Ministerrat übernehmen.

Die in Brüssel ansässige ENPA vertritt mehr als 3.000 Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen aus 22 europäischen Ländern. Dahinter steht eine Gesamtauflage von mehr 91 Millionen Zeitungsexemplaren.

zurück