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29. Dezember 2009 | Allgemeines

"Eines der bisher schwierigsten Jahre"

BDZV-Präsident Helmut Heinen im Interview mit ddp

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch bei den deutschen Zeitungsverlagen Spuren hinterlassen, doch deutlich flachere als beispielsweise in den amerikanischen Zeitungshäusern. Über das zu Ende gehende Jahr 2009 und die kommenden Herausforderungen der Branche sprach BDZV-Präsident Helmut Heinen mit der Nachrichtenagentur ddp.

Zeitungskongress 2009, Fulda am 14./15. September 2009
Für Anja Pasquay BDZV Foto© David AusserhoferZeitungskongress 2009, Fulda am 14./15. September 2009 Für Anja Pasquay BDZV Foto© David AusserhoferDas zu Ende gehende Jahr 2009 wurde vor allem durch die Wirtschafts- und Finanzkrise geprägt. Wie sieht die Bilanz für die Zeitungsverleger aus?

Heinen: Wirtschaftlich gesehen war es eines unserer bisher schwierigsten Jahre. Und doch können wir in Deutschland, wenn wir uns beispielsweise mit den Zeitungsmärkten in den USA oder in Großbritannien vergleichen, noch von geordneten Verhältnissen sprechen. Unser Lesermarkt ist vergleichsweise stabil. Den leicht sinkenden Verkaufszahlen der gedruckten Auflage steht eine stetig wachsende Onlinereichweite gegenüber. Allen Unkenrufen zum Trotz wird offensichtlich in Deutschland großer Wert auf die Zeitung gelegt. Sieben von zehn Bürgern über 14 Jahre greifen regelmäßig zur Tageszeitung. Auch ist Deutschland konstant der größte Zeitungsmarkt Europas und der fünftgrößte der Welt.

 

Wie stark war der Einbruch beim Werbe-/Anzeigenmarkt?

Heinen: Definitive Zahlen werden wir erst im Frühjahr 2010 haben. Wir rechnen mit einem Rückgang der Anzeigenumfänge um durchschnittlich 15 Prozent; bei den Anzeigenumsätzen dürfte es ähnlich aussehen. Die kleineren Verlage mit einer Auflage bis etwa 60.000 Exemplare sind davon weniger betroffen als die großen Häuser. Ursache ist vor allem die Situation am Stellenmarkt, für unsere Branche eine wichtige Größe im Anzeigengeschäft. Hier wird sich die Lage auch kurzfristig kaum verbessern, wenn man den Vorhersagen der Wirtschaftsweisen trauen darf. Ordentlich sieht es dagegen zum Beispiel bei den Handelsanzeigen aus. Diese Sparte wächst sogar.

 

Erwarten Sie im kommenden Jahr eine Besserung – oder sogar noch schlechtere Zahlen?

Heinen: Die Wirtschaft hat zwar in den vergangenen Monaten leicht angezogen, gleichwohl erwarten sowohl die Werbebranche als auch die Beratungsunternehmen für das Jahr 2010 erneut ein Schrumpfen des Gesamtwerbemarkts. Davon wären auch die Zeitungen betroffen.

 

Wird es in der Branche weitere Stellenstreichungen geben?

Heinen: Nach meinem Eindruck haben sich unsere Zeitungsunternehmen mittlerweile in Verlag und Redaktion so schlank und flexibel wie möglich aufgestellt. Ob es zu nennenswerten Stellenstreichungen kommen wird, vermag ich nicht vorherzusagen. Gleichwohl war ja auch in den vergangenen Jahren offensichtlich, dass die Verlage nach verträglichen Lösungen für ihre Mitarbeiter gesucht haben, wenn Stellen abgebaut werden mussten. Und hier und da wurden und werden, gerade im Onlinebereich, ja auch neue Stellen geschaffen.

 

Welche Folgen hat der Trend zu immer mehr Synergien? Wird dies zum Mehrstellenabbau führen, und leidet darunter die Qualität?

Heinen: Das wäre ein Widerspruch in sich. Die Hebung von Synergien bedeutet, dass im Fall bisher paralleler Arbeit bei gleichbleibender Qualität Kosten gespart werden können. Tatsächlich wehre ich mich energisch gegen voraussetzungslose Behauptungen wie: „Weniger Mittel bedeuten per se weniger Qualität“ oder „Viel Geld führt automatisch zu großer Qualität“. Unsere Branche muss sich jedoch angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung wie der Veränderungen am Leser- und Nutzermarkt darauf einstellen, künftig mit deutlich weniger Einnahmen noch bessere und individueller zugeschnittene Produkte vielkanalig anzubieten – also gedruckt, online und mobil.

 

 

Was sind die größten Baustellen für die Zeitungsverlage im kommenden Jahr?

Heinen: Dazu zählt die Verbesserung der nicht mehr zeitgemäßen Pressefusionskontrolle und die Einführung eines eigenen Leistungsschutzrechts für Presseverlage. Es muss endlich Schluss sein mit Werberegulierungen, die auf dem Umweg über Europa oder unter dem Deckmäntelchen des Verbraucherschutzes durchgesetzt werden.

 

Welche Erwartungen haben Sie an die neue Bundesregierung?

Heinen: Wir erwarten verlässliche wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen für unsere Branche. Bekenntnisse von Seiten der Politik, wie wichtig und notwendig die Zeitungen für den Erhalt der Demokratie sind, denen dann keine entsprechenden Taten folgen, helfen nicht weiter.

 

Über die Zukunft der Zeitung und die Herausforderungen, die das Jahr 2010 mit sich bringen wird, sprach BDZV-Präsident Helmut Heinen kürzlich im Deutschlandradio. Das ausführliche Interview hören Sie hier: dradio.de

 

Das Interview führte für ddp Nathalie Waehlisch

Ort: Berlin

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