Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

18. September 2009 | Allgemeines

„Eine Zeitung ist ein Wertpapier – aber kein Spekulationsobjekt“

BDZV-Präsident Helmut Heinen eröffnet Zeitungskongress in Fulda / Klare Erwartungen an künftige Bundesregierung

Die deutschen Zeitungsverleger erwarten von der künftigen Bundesregierung eine Stärkung der freien Presse. Die Verlage verlangten auch in schwierigen Zeiten keine Staatshilfen, sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen, am 14. September 2009 in Fulda bei der Eröffnung des Zeitungskongresses 2009.

„Was unsere Häuser brauchen, sind gute Rahmenbedingungen“, so Heinen. Dazu gehöre auch ein umfassendes Leistungsschutzrecht, mit dem Fehlentwicklungen im Internet korrigiert wer­den müssten. Es sei nicht länger hinzunehmen, dass aufwendig produzierte Qualitätsinhalte der Zeitungen von Dritten kommerziell genutzt wer­den, „ohne dass auch nur ein Cent an die Verlage zurückfließt“. Dem „Content-Klau“ von den Web­sites der Zeitungen müsse Einhalt geboten wer­den. Im nächsten Schritt müssten Bezahlmodelle für das Internet entwickelt werden. Heinen hob hervor, dass die Onlinewerbung alleine nicht aus­reichen werde, die publizistische Qualität im In­ternet zu finanzieren. „Unser Ziel ist der Erhalt der Qualitätspresse in einer digitalisierten Welt“. Des­halb müssten Wege gefunden werden, die von der Gratiskultur wegführen.

In aller Deutlichkeit sprach sich der BDZV-Prä­sident auch für eine Lockerung der Pressefu­sionskontrolle aus. Angesichts des tiefgreifenden Strukturwandels bei den Medien und dessen Auswirkungen im Markt müsse es Zeitungshäu­sern künftig erlaubt sein, in größeren Einheiten zu agieren. Die kartellrechtlichen Bestimmungen für Kooperationen und Fusionen müssten angepasst werden. So müsse eine Erleichterung für Zu­sammenschlüsse benachbarter Zeitungsverlage geprüft werden. Die so genannte Aufgreifschwelle von derzeit 25 Millionen Euro müsse erheblich angehoben werden. Heinen machte weiter deut­lich, dass zur Stärkung der Verlagsunternehmen auch eine grundsätzlich unbeschränkte Beteili­gungsmöglichkeit am lokalen Rundfunk gehöre. Nur so könnten sich die Verlage für die Zukunft rüsten.

Die Zukunftsperspektiven der Zeitung sieht Heinen optimistisch: Die Reichweiten der ge­druckten Zeitung seien stabil. Mehr als 70 Pro­zent der über 14-Jährigen in Deutschland läsen täglich Zeitung. Hinzu kämen die Internetnutzer, von denen fast 40 Prozent regelmäßig auf die Websites der Zeitungen zugreifen. Auch im Inter­net müssten die Zeitungen Qualitätsjournalismus bieten. Besorgt äußerte sich Heinen darüber, dass das Interesse der ans Internet gewöhnten jüngeren Generation an politischen Themen kon­tinuierlich zurückgehe. Am Ende dieser Entwick­lung könne womöglich Politikverachtung stehen. Die Zeitungen hätten deshalb die Aufgabe ge­genzusteuern. Mit professionellem Journalismus, kontinuierlicher Information, Erklären und Ge­wichten von Fakten seien Zeitungen unverzicht­bar für die politische Meinungsbildung.

Zur Krise auf dem Zeitungsmarkt in den USA und möglichen Auswirkungen hierzulande sagte Heinen, dass sich die amerikanischen Verhält­nisse nicht übertragen ließen. So seien die US-Zeitungen weit stärker von den Einnahmen am Werbemarkt abhängig, außerdem habe die deut­sche Presse mit der Zeitungszustellung bis zur Haustür ein herausragendes Vertriebssystem. Hinzu komme die enorm starke Bindung zwi­schen Leser und Zeitung hierzulande. Den US-Verlagen hielt Heinen vor, nicht rechtzeitig auf die Herausforderungen durch veränderte Marktbe­dingungen reagiert zu haben. Ein weiterer Grund für die Krise in den USA seien die Besitz- und Eigentumsverhältnisse. Bei vielen der an der Börse gelisteten Verlage bestimmten vor allem kurzfristige Finanzinteressen die Unternehmens­strategie. Demgegenüber könnten eigentümer­geführte Verlagsunternehmen wie in Deutschland langfristige Strategien entwickeln und dabei den publizistischen Anspruch wahren. „Eine Zeitung ist ein Wertpapier, sie ist aber kein Spekulations­objekt“, so der BDZV-Präsident.

In seiner Eröffnungsrede setzte sich Heinen auch deutlich mit Eingriffen in die Belange der Presse auseinander. Zwar sei die Pressefreiheit in Deutschland gewährleistet. Doch komme es immer wieder zu Bedrohungen und Einschrän­kungen. In diesem Zusammenhang erinnerte Heinen an das BKA-Gesetz mit seinen Auswir­kungen auf den Informantenschutz, das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung und auch an die Bespitzelung von Journalisten durch den Bun­desnachrichtendienst. „Von der Politik wie von den Ermittlungsbehörden fordere ich mehr Sensi­bilität und Augenmaß beim Abwägen zwischen Sicherheit und Pressefreiheit“, sagte der BDZV-Präsident.

zurück