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24. Juni 2002 | Digitales

e-paper und neue Bildschirmtechniken - Wie viel Papier braucht die Zeitung von morgen?

Bildschirmzeitung ist Nischenprodukt - moderate Abonnentenzahlen – neue Chance für Archiv-Vermarktung – Elektronische Tinte im Praxistest

Neue Vertriebswege für die Zeitung wurden in Berlin anhand von drei Beispielen diskutiert. Die „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz konnte mit ihrem kostenpflichtigen Online-Produkt „e-paper“ seit Februar 2002 insgesamt 1.600 zahlende Abonnenten gewinnen. „Der Standard“ aus Wien erprobt ein ähnliches Produkt von Olive Software und sieht vor allem gute Chancen für die Archivvermarktung. Die „elektronische Tinte“ mit ultraflachen flexiblen Bildschirmen ist mittlerweile Realität: In vier bis acht Jahren könnte die Technologie auf breiter Basis verfügbar sein.

Für Joachim Türk, Geschäftsführer der RZ-online GmbH in Koblenz, ist e-paper mehr als nur ein neuer Zustellweg: "Nach unseren Erfahrungen wird e-paper ergänzend zur Zeitung genutzt. Die Leute lesen im Urlaub und im Büro, das Archiv ist enorm wichtig. Der Lese-Schwerpunkt liegt zwischen sieben Uhr und neun Uhr morgens." Die Altersstruktur gleiche der der gedruckten Zeitung. Immerhin 15 Prozent der Abonnenten griffen täglich auf ihr e-paper zu, vier Prozent sogar mehrfach täglich, 32 Prozent mehrfach die Woche, 22 Prozent mehrfach im Monat. Der überwiegende Teil der Abonnenten habe sich entschieden, online die gleiche Lokalausgabe wie in Print zu nutzen und dafür zwei Euro im Monat zu bezahlen. Knapp 20 Prozent der Nutzer beziehen eine weitere Ausgabe zum Preis von fünf Euro monatlich. Bis Ende 2002 sollen ein Prozent der Print-Abonnenten für e-paper gewonnen werden.

e-paper: Neuer Zustellweg oder doch ganz eigene Plattform?

Für Türk könnte sich e-paper zu einer ganz eigenen Plattform, zu einer neuen Form von Online-Dienst entwickeln. Die Zeitung werde mitsamt ihrer Optik zu einer Website mit eigener Wertigkeit, die auch mit neuen Ausgabegeräten genutzt werden könne. Zu dem erweiterten Angebot könnten aktualisierte Nachrichten und Serviceelemente wie Wetterbericht und Börsenratgeber zählen, ebenso Bildergalerien, Filme, Töne, sowie das Zeitungsarchiv. All diese Elemente sollten sich nach Auffassung von Türk "hinter" dem Erscheinungsbild der Printausgabe befinden.

Konzipiert ist e-paper als Online-Produkt. Laut Türk sind bei der Zustellung jedoch alle Varianten möglich: Print on Demand (auf A3 oder A4) etwa oder der Download einzelner Zeitungsausgaben zur Offline-Nutzung. Nachteil dieser Lösungen sei jedoch in jedem Fall die lange Downloadzeit, die nicht selten die tatsächliche Zeit übersteige, die Leser mit dem Lesen der gedruckten Ausgabe normalerweise verbringen. Zudem gehe der Komfort der externen Links verloren und zur Nutzung sei fremde Software nötig. Wichtigstes Argument jedoch für Türk: "Uns geht der Kunde verloren, namentlich sein Profil und seine Nutzungsdaten."

"Der Standard" auf dem Bildschirm - kein Ersatz für den Online-Dienst

Am 21. Februar 2002 startete "Der Standard" in Zusammenarbeit mit der US-Firma Olive Software "derstandardDigital" - eine Online-Ausgabe der Printversion der Zeitung im Testbetrieb. Philipp Walz, Herstellungsleiter bei "Der Standard", berichtete über den Fortgang des Projekts, das bewusst als Ergänzungsangebot ins Internet gebracht worden sei, keinesfalls als Ersatz für den außerordentlich erfolgreichen Online-Dienst "standard.at", der aus der Zeitungsproduktion ausgegliedert sei und monatlich rund 17,5 Millionen PageImpressions und fünf Millionen Visits erziele. Nur ein geringer Teil der Seitenabrufe (800.000 PageImpressions) entfalle auf Zeitungsinhalte.

Die Bildschirmausgabe des gedruckten "Standards" ist ein Experiment, mit dem die Chancen eines solchen Angebots zunächst getestet werden sollen. In Wien konnten laut Walz mit insgesamt drei Zeitungsanzeigen 2.230 Testleser gewonnen werden, von denen allerdings ein großer Teil nach dem ersten Kontakt mit dem Produkt das Interesse verlor: "Gemeinsam mit der Zugriffsstatistik spricht die Höhe des Rücklaufs aus unserer Fragebogenaktion dafür, dass mit dem Angebot in der Testphase ein Kern von rund 400 ernsthaft interessierten Personen angesprochen werden konnte, während sich rund 1.800 nach der ersten Konfrontation mit dem Produkt völlig desinteressiert davon abgewendet haben und nicht einmal nach schriftlicher Aufforderung dazu bereit waren, ihr Urteil im Zug einer Befragung abzugeben."

Die Ergebnisse der Nutzerbefragung und die Auswertung der Zugriffsstatistik ergeben dennoch hilfreiche Hinweise. So gehören der Zugriff auf frühere Ausgaben (61 Prozent), die Suchfunktion (58 Prozent) und die Möglichkeit, einzelne Artikel auszudrucken, zu den meistgenutzten Features. Darüber hinaus erzielten die beiden erstgenannten Punkte bei den Anwendern überdurchschnittlich gute Bewertungen.

Rund 64 Prozent der Testnutzer können sich vorstellen, für "derstandardDigital" nach Ablauf der Testphase zu bezahlen. Nach ihrem bevorzugten Modell befragt, entschied sich der überwiegende Teil für eine Zuzahlung von 25 Euro im Jahr zusätzlich zum Print-Abonnement. Die Variante des Solo-Zugangs zum Preis von 145 Euro im Jahr erschien einzig und allein für Auslandsösterreicher von Interesse zu sein.

Walz' Fazit in Bezug auf die Vermarktungsmöglichkeiten: "Fest steht, dass wir es hier mit einem Nischenprodukt zu tun haben. Übertriebene Hoffnungen sind sicherlich fehl am Platz. Sollten wir es in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren schaffen, 2.500 bis 3.000 Abonnenten diesen Service entweder zusätzlich oder anstelle des bestehenden Abos verkaufen zu können, wären unsere Erwartungen erfüllt." Um Umsätze erzielen zu können, empfiehlt Walz allerdings dringend, den bislang kostenlosen Archivzugang über "standard.at" zu schließen, ebenso den Zugang zu den tagesaktuellen Zeitungsinhalten. Und drittens müsse ein Marketing-Mix gefunden werden, der den im Test bewährten Zusatznutzen zum Print-Abo in den Vordergrund stelle.

"E-Ink": Hochauflösende flexible Flachbildschirme in schwarz-weiss

"Elektronisches Papier" spukt schon so lange durch die Köpfe, dass seine Realisierbarkeit fast ins Fabelreich verwiesen wurde. In Berlin hatten die Teilnehmer Gelegenheit, ultraflache blinkende Schwarz-Weiss-Displays mit wechselnden Botschaften selbst in Augenschein zu nehmen. Detlef Wiederhöft von MCom Visual Data GmbH, der Produkte der US-Firma "E-Ink" in Deutschland vertreibt, präsentierte den Stand der Technik. "Ink in motion" nennt sich die Produktreihe, die derzeit in niedriger bis mittlerer Auflösung in Größen von 2,57 cm * 10,69 cm bis 56,12 cm * 22,7 cm standardmäßig lieferbar sind. Haupteigenschaften: flexibel, aus allen Richtungen ohne Hintergrundbeleuchtung gut lesbar, hoher Kontrast und ausgesprochen geringer Stromverbrauch. Die Displays kommen bis zu zwölf Monate mit her-kömmlichen 1,5 Mignon Batterien aus. E-Ink und andere Firmen arbeiten an hoch auf-lösenden Displays. Nach Einschätzung Wieder-höfts könnten die neuen Bildschirme in vier bis acht Jahren auf breiter Basis verfügbar sein.

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