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30. Juni 2003 | Allgemeines

dpa-Geschäftsmodell auf dem Prüfstand

Agentur kann sich „in der Krise knapp behaupten“/Karlheinz Röthemeier als Aufsichtsratsvorsitzender bestätigt

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) steht vor einer Zäsur: „Wir stellen unser Geschäftsmodell auf den Prüfstand“, sagte Walter Richtberg, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung, am 26. Juni 2003 anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Hamburg.

Nachdem Geschäftsführung und Chefredaktion bereits Vorarbeiten geleistet hätten, werde man zusammen mit den Aufsichtsgremien über eine Reform der Agentur diskutieren. Bis zum Ende dieses oder zum Beginn des nächsten Jahres solle eine außerordentliche Gesellschafterversammlung entscheiden. Er sei „zuversichtlich, dass es zu positiven Ergebnissen kommen“ werde, sagte Richtberg.

 

Mit den geplanten Veränderungen reagiert die Nachrichtenagentur auf die andauernde Medienkrise und die schlechteren Wirtschaftsperspektiven. Für 2003 rechnet Richtberg mit einem ausgeglichenen Betriebsergebnis. „Wir werden auch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben“, sagte er. Zwar lägen die Umsätze für die ersten Monate leicht unter Plan, doch seien auch die Kosten entsprechend niedriger. Richtberg verwies in diesem Zusammenhang auf die bis Ende November 2004 vereinbarte Nullrunde. Die – wie auch bei den Tageszeitungen – beschlossene Tariferhöhung von 2,1 Prozent werde so lange ausgesetzt. Im Gegenzug werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

 

Für die Zukunft prognostiziert der Geschäftsführer allerdings dunklere Wolken. Bis auf den Bildermarkt seien alle Märkte am Boden, der Druck auf die dpa als Zulieferer nehme zu. Mit ihren hohen Marktanteilen habe die Agentur nicht die Möglichkeit, durch Preissenkungen neue Kundenkreise zu gewinnen. Auch der Spielraum für weitere Kostensenkungen sei nach erheblichen Sparanstrengungen begrenzt. „Wir können höchstens die Verluste begrenzen“, resümierte Richtberg. Große Erwartungen setzt die Agentur in den Neustart der European Pressphoto Agency (epa). Nach der Trennung von der französischen Agentur AFP hätten sich die in der epa zusammengeschlossenen Agenturen „neu aufgestellt“: Innerhalb von nur vier Monaten sei es gelungen, ein weltweites Fotografennetz aufzubauen, das mittlerweile ein umfangreiches Angebot aus Europa und der ganzen Welt liefere. Diese seien Investitionen in die Zukunft.

 

Künftig wird die dpa ihren Kunden auch Fertigseiten anbieten. Richtberg kündigte in diesem Zusammenhang „Wetter- und Ratgeberseiten“ an, dagegen werde die Agentur „nicht in Bereichen tätig, die die publizistische Ausrichtung oder die journalistische Kompetenz der Zeitungen berührten“. Mantelseiten seien ebenso wenig geplant wie die Produktion von fertigen Regionalseiten.

 

Dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn versicherte, dass die Agentur trotz schwieriger Bedingungen ihre journalistische Leistungsfähigkeit „voll aufrecht erhalten“ werde. So seien die Landesbüros nach einer Strukturreform schlanker, effizienter und kostengünstiger geworden. Der Irak-Krieg habe gezeigt, wie wichtig eine unabhängige und gut aufgestellte Agentur für die deutschen Medien sei. Allein in Bagdad habe die dpa zwei Korrespondenten und einen Fotografen als „embedded correspondents“ im Einsatz gehabt. Dadurch sei es möglich gewesen, die Nachrichten der Krieg führenden Parteien „besser zu objektivieren und einzuordnen“.

 

Alle Töchter mit Gewinn

 

Im abgelaufenen Jahr 2002 haben, wie die dpa berichtet, Muttergesellschaft und alle Töchter mit Gewinn gearbeitet. Der Umsatz der Muttergesellschaft Deutsche Presse-Agentur GmbH reduzierte sich leicht um 0,4 Prozent auf 106,2 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis ging von 5,6 Millionen Euro auf 2,9 Millionen Euro zurück. Der Jahresüberschuss fiel aufgrund steuerlicher Sondereinflüsse von 2,8 Millionen Euro auf 2,2 Millionen Euro. Weiterhin schwierig sei die Entwicklung im Kerngeschäft, führte Richtberg weiter aus. Die Erträge aus Wortdiensten gingen um 1,7 Prozent zurück. Dies sei auf die erneut schwindende Auflage der Tageszeitungen zurückzuführen. Auch im Ausland und im Nicht-Medienbereicht sei das Geschäft leicht rückläufig gewesen. Zulegen konnte dagegen der Bildbereich (+6,1 Prozent). Erstmals seien bei der Zweitverwertung von Bildern höhere Umsätze erzielt worden als mit dem aktuellen Bilderdienst. Schwarze Zahlen gab es auch bei den Tochtergesellschaften gms Global Media Services GmbH, dpa/gms-Themendienst, news aktuell GmbH und dpa-Infocom GmbH sowie der zb Fotoagentur Zentralbild GmbH. Der Außenumsatz der dpa-Gruppe nahm um 0,7 Prozent auf 122,4 Millionen Euro zu. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 1.200 (2001: 1194) nahezu konstant. Bei der Mutter sank die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter zum Jahresende 2002 auf 892 (2001: 905).

 

Anlässlich der Gesellschafterversammlung wurde einen Tag zuvor in Hamburg der Aufsichtsrat bestätigt. Die turnusmäßig nach drei Amtsjahren ausscheidenden Mitglieder Dr. Hermann Balle (Straubing), Joachim Lampe (Hamburg), Karlheinz Röthemeier (Mainz) und Thomas Schmitt (Fulda) wurden wieder in das Gremium berufen. Der Aufsichtsrat der Deutschen Presse-Agentur erneuerte in seiner konstituierenden Sitzung das Mandat seines Vorsitzenden Karlheinz Röthemeier.

 

Internet: www.dpa.de

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