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29. Oktober 2010 | Allgemeines

Döpfner: „kostenlose Tagesschau-App ist die Zerstörung des Geschäftsmodells in der digitalen Zukunft“

Expertenrunde diskutiert über Medienwandel im Internetzeitalter

Politiker und Verleger sind sich einig: Zei-tungen sind auch im Internetzeitalter unver-zichtbar. Welche Produkte in dieser Ära er-folgsversprechend sind, welche Unterschiede sich zwischen dem deutschen und dem briti-schen Medienmarkt auftun und welchen Ein-fluss der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf die Entwicklungen der Zeitungen hat, das war Thema der ersten Diskussionsrunde, die Frank Plasberg moderierte.

Vor allem die Rolle von ARD und ZDF sorgte bei den Diskutanten für Gesprächsbedarf. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Sprin­ger AG (Berlin), bezeichnete die geplante Tages­schau-App der ARD für das iPhone als „die Zer­störung des Geschäftsmodells in der digitalen Zukunft“. Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, sprach von der Gefahr, dass mit kostenlosen Angeboten der gebührenfinanzierten Sender der freien Presse der Boden entzogen werde. Den Termin für die Markteinführung einer derartigen Anwendung für Smartphones nannte der ARD-Vorsitzende, Peter Boudgoust, (noch) nicht. Vielmehr sprach er von „einigen Monaten“, in denen man mit dieser App rechnen dürfe und bekräftigte, dass die ARD dieses Angebot zur Erfüllung ihres gesetzlichen Auf­trags brauche. „Eine publizistische Konkurrenz im Internet müssen Sie aushalten“, artikulierte Boudgoust in Richtung Diskutanten und Publi­kum. Wie eine derartige Konkurrenzsituation zu­künftig aussehen könnte, skizzierte im Anschluss Döpfner und forderte die ARD auf, auch für die Tagesschau-Applikation Geld zu verlangen, um den Wettbewerb nicht zu verzerren.

Denn vor allem für große Verlage bestehe bei einer Gratis-App die Gefahr, dass die gerade im Aufbau befindlichen kostenpflichtigen Angebote konterkariert würden. Mittlerweile haben mehr als 20 deutsche Zeitungsverlage eigenständige iPhone-Apps, von denen viele kostenpflichtig sind. Noch im Oktober, prognostizierte Schirrma­cher, werde auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (F.A.Z.) mit einem Angebot im iStore zu finden sein.

Damit erschließt sich auch die „F.A.Z.“ einen immer größer werdenden Markt. Bis 2013 soll es weltweit zwei Milliarden Smartphones geben, wusste Döpfner zu berich­ten - ein gigantischer Markt mit verlässlichen Abrechnungsmöglichkeiten, wie es der Springer­chef bezeichnete. Allerdings haben es die Ver­lage auf diesem Markt mit neuen globalen Riesen zu tun, wie Telekom-Unternehmen und Hard­wareherstellern. So wurde auch in dieser Runde kritisiert, dass Apple 30 Prozent der Einnahmen für die Verbreitung der Inhalte kassiere, auf den Kundendaten sitze und Inhalte scheinbar wahllos zensiere. Diese Restriktionen stellten einen nicht hinnehmbaren Eingriff in die Presse­freiheit dar, hatte der BDZV erst vor einigen Mo­naten auf der Jahrespressekonferenz bekräftigt.

Zum Abschluss konzentrierte sich die Diskussion auf die Frage, wie künftig journalistische Angebote in der Online- und Offlinewelt ausse­hen könnten? Die frühere Online-Chefin des Ber­liner „Tagesspiegels“ und heutige Beraterin des „Guardians“ (London), Mercedes Bunz, sagte dazu: „Wir machen Journalismus nicht für Ziel­gruppen, sondern für Gelegenheiten.“ Diesem Credo hätten sich die Zeitungen mehr denn je anzupassen. Dementsprechend müssen die An­gebote für das iPad auch deutlich andere sein als beispielsweise für das stationäre Internet oder die gedruckte Zeitung. Denn all drei Kanäle würden in vollständig unterschiedlichen Situationen ge­nutzt. Und noch eine Empfehlung sprach Brunz aus: „Wir sollten nicht versuchen, alle das Gleiche zu machen.“ Eine Ansicht, die auch Frank Schirrmacher teilte und beklagte, dass zu viele den großen Medienmar­ken wie Spiegel Online nacheiferten. Doch ge­rade für kleine Verlage sollte dies nicht das Ziel sein. Denn dem Innovationstempo, das derartige Global Player an den Tag legten, könnte die Mehrheit der regionalen Zeitungshäuser auf Dauer nicht folgen. Die Zukunft der lokalen und regionalen Zeitungshäuser liege im Lokalen, da­rin waren sich die Diskutanten einig – und das sowohl in der Printfassung als auch online und mobil.

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