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20. Juni 2016 | Digitales

Distributed Content: „Wir legen uns mit Großmächten ins Bett”

Der Kongress Zeitung Digital 2016 hat es erneut bestätigt: Technologiekonzerne wie Facebook, Twitter und Google haben ein großes Interesse an den Inhalten deutscher Zeitungen. Distributed Content war eines der Top-Themen der zweitägigen Konferenz in Berlin. Ein Blog-Beitrag von Simone Flückiger (WAN-IFRA).

DSC_0102.JPGVergangenes Jahr im Frühling lancierte Facebook Instant Articles für Mobiltelefone. Die Funktion soll Ladezeiten von Artikeln verkürzen und das Leseerlebnis für User verbessern. „Wir wollten das Hauptproblem, dass wir bei Nachrichten festgestellt hatten, adressieren: Geschwindigkeit.“ sagte Will Cathcart, Vize-Präsident für Produkt-Management bei Facebook, auf der Konferenz.

Medienunternehmen sollen durch Instant Articles ihre Reichweite vergrößern, da Facebook gerade von jüngeren Zielgruppen als eine der Hauptquellen für Nachrichten genutzt wird. Probleme bestehen jedoch darin, dass Leser, die Artikel in diesem Format konsumieren, auf dem Sozialen Netzwerk verbleiben und nicht wie bei einem gewöhnlichen Weblink auf die Homepage der Unternehmen weitergeleitet werden. Medienhäuser laufen so Gefahr, mehr und mehr die Kontrolle über die Distribution ihrer Inhalte zu verlieren.

Freund und Feind zugleich

Obwohl Instant Articles einer zu starken Bindung deutscher Pressehäuser an Facebook Vorschub leisten könnten, steht die Branche der Plattform relativ offen gegenüber.

DSC_0106.JPGIm Gespräch mit Cathcart zeigte sich Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt begeistert von den Vorteilen, die sie für Konsumenten mit sich bringen; Bild.de begann bereits vor einem Jahr mit Instant Articles zu experimentieren. Cathcart nannte zudem Zahlen, die sich auch für Verlagshäuser vielversprechend anhören. So würden Instant Articles eher angeklickt und öfter geteilt als andere Medieninhalte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Leser einen Artikel schließen, bevor er vollständig geladen ist, sei bei Instant Articles um 70 Prozent geringer. Reichelt wies aber auch auf die Notwendigkeit besserer Monetarisierungsmöglichkeiten hin. Facebook hat kürzlich die Richtlinien für Branded Content angepasst, sodass nun auch gesponserte Artikel im Instant-Articles-Format veröffentlicht werden können. Zudem soll der Call-To-Action-Button dabei helfen, Abonnentenzahlen zu erhöhen.

DSC_0118.JPGAuch Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Medien der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), sieht die Zusammenarbeit mit Playern wie Facebook als notwendig an. Die Plattformen seien enorm wichtig, da man über sie neue Zielgruppen erreichen könne. Da nicht mitzuwirken, stehe außer Frage. Bei mehr als einer Milliarde aktiver User, von denen rund 50 Prozent Facebook nur auf dem Smartphone nutzen, kommt diese Aussage wenig überraschend. Dennoch führte Müller von Blumencron auch einige Bedenken an. „Was mir grundsätzlich nicht behagt: Wir legen uns mit Großmächten ins Bett, die wir nicht steuern und nicht beeinflussen können.“

DSC_0131.JPGDie ehemalige Chefredakteurin von Buzzfeed Deutschland, Juliane Leopold, äußerte sich noch kritischer. „Facebook tut alles dafür, Leute in den eigenen Wänden zu halten und das ist ein fundamentales Problem. Dieses Problem geht nicht weg durch Instant Articles, im Gegenteil.“ Sie bezog sich auf einen Digiday Artikel, der besagte, dass der Referral Traffic, den sich Verlagshäuser durch Instant Articles versprochen hatten, in den ersten Monaten um etwa 20 Prozent gesunken sei. „Die Verlage haben Inhalte bereitgestellt und am Ende nur dafür gesorgt, dass die Leute noch weniger Zeit auf der App der Zeitung verbringen.“  Viele Medienhäuser erhofften sich auch zu viel von der neuen Funktion. Es sei aber wichtig, zu bedenken, dass Instant Articles nicht „die Heilsbringer der Verlage“ sein werden. Dennoch räumte sie ein, dass Verleger mit Instant Articles experimentieren sollten. Es gelte aber, nicht blind zu vertrauen, sondern sich über sein eigenes Geschäftsmodell im Klaren zu sein und abzuwägen, ob es Sinn ergebe, auf Facebook zu sein.

Laut Cathcart nutzen bereits 30 deutsche Medienhäuser Instant Articles. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit zwischen deutschen Medienunternehmen und Facebook weiterentwickelt und ob an Cathcarts Aussage über Instant Articles „wenn es für Verleger nicht funktioniert, es für uns auch nicht funktioniert“ etwas dran ist.

Quelle: Text: Simone Flückiger, WAN-IFRA; Fotos: Jutta Lütkecosmann, BDZV

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