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27. Oktober 1999 | Allgemeines

Diskutiert werden Meinungen und keine Inhalte

Demoskopin Köcher zur Berichterstattung über die Regierungspolitik

Umfrage-Ergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach zur jetzigen Regierungspartei vor und nach der Wahl bildeten den Ausgangspunkt des Vortrags von Intitutsleiterin Renate Köcher.

Die Medienforscherin analysierte beim Zeitungskongress, wie es zu der derzeitigen Unmutshaltung in der Bevölkerung über die doch gewählte und folglich gewünschte Partei und den Regierungswechsel gekommen ist.

Hauptsächlich sei die Enttäuschung der Wähler darauf zurückzuführen, meinte Köcher, dass die SPD aus der Opposition heraus die Defizite der Regierungskoalition herausgearbeitet und dementsprechend eigene Vorhaben entwickelt habe, die in der Öffentlichkeit überzeugend kommuniziert wurden. Insbesondere im Wahlkampf habe die SPD "hervorragende Kommunikationsarbeit geleistet". In der Bevölkerung sei folglich an den Regierungswechsel eine außerordentlich hohe Erwartungshaltung geknüpft worden. Da diese extrem hochgeschraubten Erwartungen aber weder mit Blick auf die Zeitvorgaben noch auf die anspruchsvollen Inhalte erfüllt wurden, sei die Kluft zwischen dem erweckten Anspruch und der Realisation besonders tief ausgefallen. Verstärkt werde dieser Effekt zudem durch häufige Korrekturen der Zielsetzung, die ständig Gegenstand der öffentlichen Diskussion seien.

Als Gradmesser für das Maß der Enttäuschung definierte die Allensbacher Forscherin die (negative) Differenz zwischen Erwartung und tatsächlicher Realisation. Vor diesem Hintergrund verkehre sich, was die intensive Kommunikation der SPD vor der Wahl ursprünglich positiv bewirkt habe, nun ins Gegenteil. Der Bürger erhalte keine sachlichen Informationen mehr über Inhalte der geplanten Reformen und ihre Auswirkungen, da diese in den Medien nicht mehr ausführlich dargestellt und diskutiert würden. Vielmehr beschäftigten sich Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen inzwischen mit der Kritik an den Vorhaben, mit Meinungen und Gegenmeinungen dazu. Diskutiert werde also, stellte Köcher fest, die "Erwiderung auf die Erwiderung einer Erwiderung", der ein normaler Mensch nicht mehr folgen könne - so dass beispielsweise der eigentliche Inhalt der Steuerreform in den Hintergrund getreten und für die Betroffenen nicht mehr nachzuvollziehen sei.

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