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22. Januar 2010 | Allgemeines

„Die Zukunft von Print liegt in Print“

2. Deutscher Medienkongress in Frankfurt: Die Branche soll aufhören, sich selbst schlecht zu reden

„Das Internet allein kann uns nicht retten, die Zukunft von Print liegt in Print“, das ist das Credo von Andreas Schoo, Geschäftsleitung Bauer Media Group (Hamburg). Beim Medienkongress der Fachzeitschrift „Horizont“ am 19. und 20. Januar 2010 in Frankfurt am Main entdeckte der Manager einen Trend zum „Magazin-Bashing“, der unnötig und schädlich sei. Wie überhaupt die zahlreichen Redner und Teilnehmer der verschiedenen Diskussionsrunden aus der Verlags- und Fernsehbranche regelmäßig dafür plädierten, bei der Berichterstattung über die Situation der Medien nicht masochistisch der Lust am Untergang die Zügel schießen zu lassen, sondern über Strategiewechsel, neue Geschäftsmodelle und erfolgreiche Aktivitäten zu berichten. Die gebe es nämlich

Medienkongress (2)So wies Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe (Essen), darauf hin, dass in der aktuellen konjunkturellen Delle wirtschaftlich erfolgreiche Firmen wie Lidl, Aldi oder Saturn „deshalb erfolgreich werben, weil sie in Print werben“. Das solle jeder Zeitungsverlag immer und immer wieder „laut verkünden“. Im Übrigen habe Print doch ein „supergeiles Geschäftsmodell“, weil 50 Prozent der Einnahmen vom Nutzer kommen, der seine Zeitung am Kiosk oder im Abonnement bezahle. „Das funktioniert im Internet nicht.“ Ob sich 2010 die Situation am Werbemarkt bereits wieder aufhellen werde, darauf wollte sich Nienhaus – wie die meisten Diskutanten beim Medienkongress – eher nicht versteifen. Ganz sicher zeige der Pfeil aber 2011 wieder nach oben.

 

Ove Saffe, Geschäftsführer Spiegel Verlag (Hamburg), erinnerte daran, dass er und andere Kollegen an gleicher Stelle zu Beginn des Jahres 2009 einen Abschwung von vier bis sechs Prozent im Werbegeschäft erwartet haben, „am Ende waren es 30 Prozent“. Daher gehe er „mit Prognosen in die eine oder andere Richtung nun vorsichtig um“. Aufmerksamkeit dürfte Saffes Angabe erregt haben, wonach der „Spiegel“ mit Spiegel online nicht nur seit einigen Jahren Geld verdiene, sondern die Einnahmen des Online-Dienstes derzeit im Verhältnis 1:4 zu den Einnahmen des gedruckten Titels stünden.

 

Ein Manko im Marketing machte Boris Schramm, Managing Director Group M, in der Werbung für Zeitungen und Zeitschriften aus. Print habe sich „in den vergangen Jahren nicht ‚sexy‘ verhalten. Ein Produktproblem gebe es nicht. Ähnlich sah das Volker Selle, Geschäftsführer Publicis (Frankfurt am Main). Print habe nicht mehr Probleme als alle übrigen Medien auch. Allerdings sollten die Agenturen sensibler mit Print umgehen. „Kreative dürfen nicht in Ohnmacht fallen, wenn sie Werbung für Zeitungen oder Zeitschriften machen sollen.“ Aus Sicht von Anders Sundt Jensen, Leiter Marketingkommunikation Daimler AG, beschäftigen sich Medien wie Agenturen zu wenig damit, dass „Produkte effizient verkauft werden müssen“. Jensen forderte ein „360-Grad-Marketing, ein 365-Tage-Marketing“.

 

Ein Ansatzpunkt, auch junge Agenturmitarbeiter für intelligente gedruckte Anzeigen zu gewinnen, könnte ein Umdenken bei der Anzeigenpreisgestaltung sein, meinte WAZ-Mediengruppen-Geschäftsführer Nienhaus. „Unsere Anzeigenpreislisten heute mit ihren Millimeter-Preisen, Spalten-Breiten, ein und zwei Zusatzfarben, wirken auf junge Agenturmitarbeiter vermutlich vorsintflutlich“, räumte er ein. „Wir brauchen kürzere, klarere, knappere Angebote“, und Kreative, die die inhaltlichen Stärken von Print auch zu nutzen verstünden.

 

Der langjährige Holtzbrinck-Manager und Verlagsberater Michael Grabner (Michael Grabner Media, Wien) gab im Interview mit „Horizont“-Chefredakteur Jürgen Scharrer zu Protokoll, er sei „erschrocken“, wie wenig Know-how Kollegen in Verlag und Redaktion oft auch heute noch in neuen Medien und neuen Techniken besäßen. Natürlich werde man „im Internet Geld verdienen können, aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau“. Im Übrigen sei die „mediale Zeit vorbei, wo wir in einer Glamourbranche gelebt haben. Aus der Kurve kommen die, die härter und engagierter arbeiten.“

 

Auf großes Interesse stieß der Vortrag des Medienplaners Jürgen Blomenkamp, Geschäftsführer von Group M Germany. Gemäß seiner Analyse haben die Medien stark an Ansehen verloren, ihre Autorität sei heute der „Anarchie“ gewichen. So habe 1995 die durchschnittliche Verweildauer in einer TV-Sendung noch rund 48 Prozent betragen, im Jahr 2009 seien es nunmehr 19 Prozent gewesen. Die durchschnittliche Seitennutzung eines hochwertigen Nachrichtenmagazins habe 1995 bei 89 Prozent gelegen, 14 Jahre später bei 64 Prozent. Die durchschnittliche Klickrate pro Banner im Internet habe 1995 vielleicht drei Prozent ausgemacht, heute seien es – wohlwollend geschätzt – 0,03 Prozent. Die Leser/Zuschauer/Nutzer seien von der „Loyalität“ zum „Vagabundieren“ übergegangen, von der „Masse“ zur „Minderheit“. Diese generell zu beobachtende Entwicklung bedeute für die Medienplanung ein echtes Problem, denn sie zeige einen Autoritätsverlust in der Werbung an. Dies sei „quantitativ weniger schlimm als qualitativ“. Die Einzelbotschaft verliere an Wert. Dem könnten Medien und Werbung nur durch entsprechende Vernetzung begegnen.

 

Männer des Jahres - Gewinner "Horizont Award"

 

 

Kai DiekmannAm Vorabend waren in Frankfurt am Main beim „Horizont Award“ die Männer des Jahres 2009 ausgezeichnet worden. Kai Diekmann, Chefredakteur der „Bild“ und Herausgeber der „Bild“-Familie, durfte sich über die Würdigung als Medienmann des Jahres freuen. Die Jury attestierte ihm „Innovationskraft“ und „Nonkonformität“. Als Marketingmann des Jahres wurde Martin Winterkorn geehrt, seit 2007 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Die Auszeichnung an die Agenturmänner des Jahres ging an die Heimat-Chefs Guido Heffels, Andreas Mengele, Matthias von Bechtolsheim und (den im Dezember 2009 gestorbenen) Jürgen Vossen.

 

Fotos: Horizont

Ort: Frankfurt

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