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08. April 2010 | Allgemeines

„Die öffentlich-rechtlichen Medien sollten sich auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen“

BDZV-Präsident Helmut Heinen im Interview mit „Stuttgarter Zeitung“

Im Gespräch mit der "Stuttgarter Zeitung" erläuterte BDZV-Präsident Helmut Heinen Ende März 2010, warum es in 40 Jahren noch gedruckte Zeitungen geben wird und wie die Verleger auf die Internet-Expansionspläne von ARD und ZDF reagieren werden.

Heinen FuldaHerr Heinen, wird es im Jahr 2050 noch gedruckte Zeitungen geben?

Heinen: "Ich glaube schon. Aber es wird bis dahin schon ganz erhebliche Umwälzungen geben in der Medienwelt, auch was das Nutzungsverhalten angeht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Auflage der gedruckten Zeitungen insgesamt sehr viel geringer als heute sein werde. Die Inhalte werden bis dahin zum großen Teil auf anderen Wegen zu den Nutzern kommen. Die fundamentalen Dienstleistungen, welche Zeitungen bieten, nämlich Informationen aufzubereiten, zu erklären, Orientierung zu bieten, diese Dienstleistung wird auch im Jahr 2050 nicht überholt sein."

 

 

Die konjunkturelle Krise überlagert eine Strukturkrise: wegbrechende Anzeigenmärkte, schrumpfende Auflagen - wie können die Zeitungsverlage sich denn dem entgegenstemmen?

Heinen: "Das ist eine große Herausforderung. Immobilien- und Autoinserate sind zu großen Teilen ins Internet abgewandert. Gleichzeitig verspüren die Zeitungen seit langer Zeit eine Auflagenerosion. Die begann noch vor dem Aufkommen des Internets. Das Minus bewegt sich bei mindestens 1,5 Prozent im Jahr. Auf lange Sicht stellt sich die Frage, ob Zeitungen nicht letztlich zu einem Elitenprodukt werden: nicht mehr Medium fürs Volk, sondern für eine an differenzierter und tiefgründiger Information interessierte Schicht. Das wäre übrigens eine wirtschaftlich sehr interessante Zielgruppe. Ob der Trend tatsächlich in diese Richtung geht, wird sich nicht in den nächsten fünf Jahren entscheiden. Aktuell stehen wir vor einer ganz anderen Frage: Lassen die Zeitungen eine Unterschicht von 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung zurück, die dem Niveau an Information, das in Zeitungen geboten wird, nicht mehr folgen können. Das Stichwort heißt: Zweidrittelgesellschaft."

 

Während die Zeitungen in der Krise stecken, machen ihnen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten mit dem Geld der Gebührenzahler im Internet Konkurrenz.

Heinen: "Ich halte das für eine ganz fatale Entwicklung. Die öffentlich-rechtlichen Medien sollten sich auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen und sich auf sinnvolle Aktionsfelder konzentrieren, wo sie die privatwirtschaftlich organisierte Medienwirtschaft ergänzen. Nur das würde diese öffentlich-rechtliche Organisationsform rechtfertigen, die Finanzierung durch zwangsweise erhobene Gebühren. Das duale System kann durchaus funktionieren. Im Internet kann natürlich Rundfunk stattfinden. Aber eine Art öffentlich-rechtliche Zeitung, die über das Internet verbreitet wird - das kann nicht sein. Das Gleiche gilt für den Bereich der Telemedien. Da wird das duale System pervertiert."

Das Interview führte Armin Käfer

Das vollständige Interview findet sich unter: stuttgarter-zeitung.de

Ort: Berlin

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