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07. April 2010 | Namen und Nachrichten

Die lokalen Stärken entdecken

„Go Local Study-Tour“ von WAN-IFRA, dpa-infocom und BDZV führte in vier Länder

„Fünf Prozent aller Bürgerreporter schreiben einmal pro Woche. Zehn Prozent veröffentlichen einmal im Monat einen Artikel“, fasste Nicolas Fromm, Verlagsleiter „Gießener Zeitung“ (Mediengruppe Madsack, Hannover), seine Erfahrungen mit 3.400 Bürgerreportern der vergangenen eineinhalb Jahre zusammen. Dabei freute er sich über die, wie er es nannte, „hohe Bereitschaft eigene Artikel beizusteuern“. Das eigene Geltungsbedürfnis und die Chance, in der Zeitung abgedruckt zu werden, seien Hauptgründe, dass aus Lesern Schreiber werden, erläuterte Fromm den Teilnehmern der „Go Local Study Tour“ von WAN-IFRA.

go Local Tour 2010Die durch den BDZV und dpa-infocom unter­stützte Reise führte die Teilnehmer aber nicht nur zur ersten deutschen Mitmachzeitung, wie die „Gießener Zeitung“ sich selbst tituliert, sondern auch zu Verlagshäusern in Koblenz („Rhein-Zeitung“), Österreich, der Schweiz und Tschechien. So stellte die Zeitung „Nase Adresa“ aus Prag ihr Konzept der Nachrichten-Cafés vor. Anstatt die Redaktion auf Außenrecherche zu schicken, treffen die Reporter von „Unsere Adresse“ (so die deutsche Übersetzung von „Nase Adresa“) ihre Gesprächspartner im verlagseigenen News-Café. Im integrierten, Newsroom kommen die Zeitungsmacher dabei sowohl mit potenziellen Informanten als auch mit Lesern, Politikern oder an Zeitunginteressierten ins Gespräch. Selbster­nanntes Ziel von „Nase Adresa“ ist es, die am besten informierte und am besten informierende hyperlokale Wochenzeitung in mittelgroßen Städten mit bis zu 30.000 Einwohnern zu sein. Dafür wurden seit Projektstart im Jahr 2009 vier News-Cafés in den Haupteinkaufsstra­ßen Tschechiens eröffnet; bis Ende 2011 sollen noch 44 folgen. Die Konzentration auf das Hy­perlokale hat aber seinen Preis: Nationales und Internationales findet bei „Nase Adresa“ gar nicht statt. „Wenn der tschechische Präsident ermordet wird, wird das mit keiner Zeile erwähnt. Man kann zwei Sachen nur mittelmäßig machen“, erläuterte Roman Gallo, Direktor von PPF Media Strategies, dem Mutterhaus der Zeitung.

 

Vorarlberger Medienhaus: Konkurrenz aus dem eigenen Haus

 

Hyperlokalität ist auch die Maxime des Vorarlber­ger Medienhauses und seines Verlegers, Eugen Russ, der 35 Zeitungen, sechs Internet-Portale und zwei Radiosender in Österreich, Deutsch­land, Ungarn, Rumänien und der Ukraine betreibt. Im Printbe­reich ist das Medienhaus Marktführer in Vorarl­berg, um diese Position weiter stabil zu halten, geht Russ mit den eigenen Medien in „vollsten Wettbewerb bei Preisen und Ideen. Wir glauben nicht an die Verknüpfung und Crossmedia“, führt er aus. Der zukünftige Erfolg werde nicht von der Abhängigkeit zu Print, sondern von ei­nem überproportional starken Online-Wachstum und optimiertem Kostenmanagement in Print erreicht. Für das Jahr 2012 peilt das Medienhaus einen Online-Umsatzanteil von 30 Prozent an. Man wolle sich nicht gegenseitig schützen und dabei Gefahr laufen, den Markt zu verlieren. On­line diene deshalb nicht zur Absicherung der Print-Umsätze, sondern soll der Wettbewerber der Zei­tung sein und diese bewusst angreifen. Dadurch sollen Eindringlinge abgewehrt wer­den. „Von außen werden wir großen Druck von branchenfremden Mitbewerbern bekommen“, ist sich Russ sicher. Das Internet werde massiv den lokalen Markt mitbestimmen. Google nehme schon heute 50 Prozent der Online-Umsätze weg und Facebook biete mittlerweile Werbemöglich­keiten bis auf Postleitzahlenebene. Seit Ende der 1990er-Jahre kommt deshalb die härteste Kon­kurrenz für die gedruckte Zeitung aus dem glei­chen Medienhaus und heißt „Vorarlberg Online“ (VOL). Das lokale Portal ist heute das eigentliche Flaggschiff der Russ-Gruppe. Für jede der 96 Gemeinden Vorarlbergs wurde eine eigene Website eingerichtet. Diese werden sowohl von Redakteu­ren als auch von Bürgerreportern gefüllt. Ziel sei es, Nachrichten aus jeder Straße Vorarlbergs zu bringen.

 

Total lokal bei der „Jungfrau Zeitung“

 

Total lokal wird auch bei der „Jungfrau Zeitung“ in der Schweiz gedacht. „Ich bin überzeugt, dass alle Zeitungstitel zwi­schen national und lokal verschwinden werden“, meinte der Verleger Urs Gossweiler. Die Leser würden sich entweder für ihre Umge­bung oder für die ganze Welt interessieren. Da alle Nachrichten lokal seien, gebe es bei der zweimal die Woche erscheinenden „Jungfrau Zeitung“ kein spezielles Ressort für Lokales. Da­rüber hinaus wird jeder Artikel in der Printaus­gabe mit einer Nummer versehen. Dadurch funk­tioniert die gedruckte Zeitung wie ein Programm­heft fürs Web.

 

„Mojane“ eigenverantwortlich auf Tour

 

Neben den ausländischen Lokalprojekten stan­den auch die Aktivitäten der „Rhein-Zeitung“ (Koblenz) und das Mitmachportal myheimat.de auf der Reiseroute der „Go Local Study Tour“. Täglich auf Tour bei der „Rhein Zeitung“ ist Katrin Steinert als sogenannte mobile Journalistin (Mojane). Die „Mojane“ hat keinen festen Standort, kann sich frei bewegen und entscheiden, für welche Kanäle sie Inhalte liefert. Ähnlich wie ihre Reporterkolle­gen aus den Lokalredaktionen liefert Steinert ihre Inhalte medienneutral als Rohtext mit Bildern ab. Das Redigieren, Layouten und Formatieren erle­digen die Blattmacher in der Redaktion. Sie ver­teilen auch den Content in die unterschiedlichen Kanäle. „Reporter sind davon befreit, einzelne Seiten zu machen, sie sollen nur ihre Themen und Gesprächspartner im Blick haben“, erläuterte ein Verlagsmitarbeiter. Hingegen keine Trennung gebe es beim Thema Social-Me­dia-Marketing, dafür sei die ganze Redaktion ver­antwortlich. Egal ob eigene Blogs, Facebook, Wer-kennt-wen oder Twitter, die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke werden bei der „Rhein-Zeitung“ umfangreich genutzt. Und das Engage­ment scheint sich auszuzahlen, 14.000 Follower kann die Zeitung im Micro-Blogging-Dienst Twitter vorweisen.

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