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27. September 2011 | Allgemeines

„Die globalisierte, komplexe Welt schreit nach Übersetzern und Vermittlern“

Theodor-Wolff-Preis für sechs Journalisten / 250 Gäste bei Preisverleihung in Bonn

In Zeiten großer Unübersichtlichkeit steigt die Verantwortung der Medien. Das betonte Hermann Neusser, Vorsitzender des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis und Verleger des Bonner „General-Anzeigers“, anlässlich der Verleihung des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis am 6. September 2011 in Bonn. „Die globalisierte, komplexe Welt schreit nach Übersetzern und Vermittlern“, so Neusser wörtlich.

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Verwerfungen, die den Erfahrungshorizont der Bürger überstiegen, sei eine glaubwürdige Reflexionsinstanz wie die Zeitung gefragt. Damit steige aber auch der Anspruch an die Arbeit der Journalisten. Neusser fragte: „Wie deuten wir Phänomene wie den ‚arabischen Frühling‘? Wissen wir genug über die Bewegungen, die in den islamischen Ländern mo-mentan den Ton angeben? Gelingt es, über einen Massenmord wie den in Norwegen so zu informieren, dass die Diskretion den Opfern und deren Angehörigen gegenüber gewahrt bleibt, dass der Täter nicht heroisiert wird?“


Zugleich beschwor der Bonner Verleger in seiner Begrüßung der rund 250 Gäste aus Verlagen, Politik, Wirtschaft und Kultur den Zweifel als eine der höchsten journalistischen Tugenden. Auch angesichts der „Tyrannei der Aktualität“ seien gründliche Recherche und intensive Prüfung der Fakten, wie sie heute ausgezeichnet würden, Grundlage eines qualitätsvollen Journalismus.


Der Preisträger für das Lebenswerk, Klaus Harpprecht, zeigte sich bei der ebenso festlichen wie fröhlichen abendlichen Feier im Hotel Kameha überzeugt, dass „die gedruckte Zeitung, die anspruchsvolle Zeitschrift, das schön gebundene Buch“ auch „in diesen Zeiten der elektronischen Revolution überleben“ werden. Allerdings setze das voraus, „dass sich alle Beteiligten in einem neuen Geist der Solidarität“ zusammenfänden, um journalistische Arbeit auf eine bessere finanzielle Basis zu stellen. Das gelte im Übrigen auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das sperrangelweite Auseinanderklaffen der Einkommensschere sei „nicht immer durch Leistung und Talent“ gerechtfertigt.
Der Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis geht in diesem Jahr an sechs Journalisten: Den mit 6.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie „Kommentar/Glosse/Essay“ erhält Mely Kiyak für ihren Beitrag „Liebe Sakineh Ashtiani!“ („Berliner Zeitung“/“Frankfurter Rundschau“). Die mit je 6.000 Euro dotierten Auszeichnungen in der Sparte „Lokales“ bekommen Rena Lehmann für ihren Artikel „Ein Schnitzel und viele Verlierer“ („Rhein Zeitung“, Koblenz), sowie Jan Rübel für seinen Beitrag „Die Tänzer von Zehlendorf“ („Berliner Morgenpost“). Die ebenfalls mit je 6.000 Euro dotierten Würdigungen in der Kategorie „Allgemeines“ hat die Jury Uwe Ebbinghaus („Frankfurter Allgemeine Zeitung“) für seinen Artikel „Der Zugnomade“ sowie Kirsten Küppers mit ihrem Porträt „Das wieder gewonnene Gesicht“ („taz – die tageszeitung“, Berlin) zuerkannt. Der (undotierte) Preis für das Lebenswerk geht an den Journalisten, Autor und Verleger Klaus Harpprecht. An der Ausschreibung hatten sich 453 Journalisten beteiligt. Alle Preisträgertexte sowie die Artikel von der Shortlist und Fotos von der Preisverleihung finden sich unter www.theodor-wolff-preis.de


Der Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis ist die renommierteste Auszeichnung, die die Zeitungsbranche zu vergeben hat. Sie erinnert an den langjährigen Chefredakteur des legendären „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff (1868 – 1943). Wolff musste 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen, wurde dort verhaftet und der Gestapo ausgeliefert und starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin. „Er war die respektierte Instanz einer neuen politischen Zukunft voller Hoffnungen, bis ihn die Nationalsozialisten 1933 aus dem Blatt und dann ins Exil trieben“, resümiert Wolfgang Bretholz, langjähriger Mitarbeiter Wolffs. Der Historiker und Wolff-Biograph Bernd Sösemann beschreibt den Monsieur des deutschen Journalismus wie folgt: „Sein Kürzel T.W. stand für journalistische Qualität, geistige Unabhängigkeit und politische Seriosität.“


Der unabhängigen Jury zum Theodor-Wolff-Preis gehören an: Peter Stefan Herbst (Chefredakteur „Saarbrücker Zeitung“), Wilm Herlyn (Publizist, Essen), Bernd Hilder (Chefredakteur „Leipziger Volkszeitung“), Christoph Irion (Chefredakteur „Reutlinger General-Anzeiger“), Bernd Mathieu (Chefredakteur, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten), Bascha Mika (Publizistin, Berlin), Ulrich Reitz (Chefredakteur „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, Essen), Evelyn Roll (leitende Redakteurin „Süddeutsche Zeitung“, München), Franz Sommerfeld (Mitglied des Vorstands Mediengruppe M. DuMont Schauberg mit Zuständigkeit Redaktion, Köln).

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