Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

19. Dezember 2008 | Digitales

Die digitale Zukunft der Zeitung

Feldversuch für E-Paper gestartet

Um für die digitale Zukunft der Zeitung gerüstet zu sein, arbeiten die Deutsche Telekom Laboratories, das Forschungs- und Entwicklungsinstitut der Deutschen Telekom, dpa-infocom und der „Bonner General-Anzeiger“ derzeit gemeinsam an der tragbaren elektronischen Zeitung „News4me“. Die Bonner Regionalzeitung liefert hierzu die Inhalte, dpa-infocom steuert Flash-Anwendungen, Infografiken und weitere technische Dienstleistungen bei.

news4me„Wir wollen dem Leser eine individuelle Artikelauswahl aus verschiedenen abonnierten Zeitungen auf einem mobilen Gerät mit großem Bildschirm liefern“, erläutert Telekom-Techniker David Kapitani das Forschungsziel im Interview mit pressetext. Das Angebot soll weniger als statisches E-Paper, sondern eher wie eine Tageszeitungswebsite gestaltet sein, deren Inhalte laufend aktualisiert werden. Die technische Plattform erlaube es, Inhalte und Layout kontinuierlich anzupassen, denn News4me lerne jedes Mal dazu, wenn der Benutzer seine Artikel lese. Dabei sollen Änderungen in den Präferenzen laufend registriert und das Artikel-Angebot für die nächste Ausgabe angepasst werden. Damit entfalle das Durchblättern der Zeitung auf der Suche nach interessanten Themen.

Zunächst soll im Rahmen von Feldversuchen herausgefunden werden, unter welchen Voraussetzungen sich auch auf Handy, iPhone und Co. "Lesegenuss" einstellen kann. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass kleine elektronische Endgeräte bisher zur schnellen und einfachen Informationsbeschaffung gern genutzt werden, das Lesen längerer Texte aber eher die Ausnahme ist. Für einen ersten Feldversuch wurden von Mitte November 2008 30 Testteilnehmer in der Region Bonn mit iPhones ausgestattet, auf denen drei Wochen lang ein speziell für diese Untersuchung entwickeltes Nachrichtenangebot getestet wurde. Die Teilnehmer nahmen an Einführungs- und Abschlussbefragungen teil und führten ein „Online-Tagebuch“ zur Nutzung des Geräts. Die Pilotphase soll die Voraussetzung dafür schaffen, dass in der Hauptphase im Jahr 2009 weitere Zeitungsverlage gewonnen werden können für einen zweiten, größer angelegter Feldversuch. „Wir wollen eine Lösung für die Zeitungsbranche entwickeln, an der sich alle deutschen Verlage beteiligen können“, sagt dpa-infocom-Geschäftsführer Meinolf Ellers.

Read & Go-Projekt in Frankreich

In Frankreich hat die France Telecom schon einen ähnlichen Feldversuch gestartet, an dem sich sieben Tageszeitungen beteiligen. Im Rahmen des sogenannten Read & Go- Projekts wurde an 120 Menschen elektronische Lesegeräte verteilt, die es ihnen ermöglichen, die Inhalte aus den Print-Ausgaben der Zeitungen in digitaler Form abzurufen. Der entsprechende Content wird dazu über das Wireless-Netzwerk der France Telecom heruntergeladen und soll für den Leser von seinem gedruckten Pendant kaum zu unterscheiden sein. Durch Read & Go wolle man in erster Linie das Potenzial der elektronischen Form einer Tageszeitung in der Praxis erproben, um konkrete Möglichkeiten der Umsetzung für die Zukunft entwickeln zu können, sagt Paul-Francois Fournier von der France Telecom. Im Fall eines erfolgreichen Projektabschlusses will France Telecom die digitale Erscheinungsform der Zeitung auch in anderen Märkten erproben lassen. Ein entsprechender Testlauf für Großbritannien, wo das Unternehmen mehrere mobile Netzwerke betreibt, sei bereits angedacht.

E-Reader von Amazon und Sony

Die France Telecom ist nicht das erste Unternehmen, das mit elektronischen Versionen von Tageszeitungen Tests durchführt. So kann man bereits seit über einem Jahr mit E-Reader Kindle Zeitungen in digitaler Form abonnieren. Dazu wird der Zeitungsinhalt über eine kostenlose Mobilfunkverbindung vom Internet auf den Reader übertragen. Anders als bei Computer- oder Handybildschirmen wird der Inhalt mit Hilfe eines E-Ink-Displays angezeigt. Diese „elektronische Tinte“ lässt sich auch bei Sonnenschein lesen und wirkt wie gedruckt. Auch ohne Strom bleiben Texte und Abbildungen viele Tage erhalten. Der Kindle startete im November 2007 in den USA. Auf insgesamt 27 Zeitungen aus der ganzen Welt können Nutzer über das Lesegerät zugreifen, darunter die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Amazons Konzept ähnelt dem von Apples Musik-iPod: Gerät und Inhalte kommen aus einer Hand. Die Inhalte können nur bei Amazon bestellt und auch nur auf einem Kindle gelesen werden. Sollte man sich eines Tages für ein anderes Gerät als den Kindle entscheiden, kann die gesammelte elektronische Bibliothek nicht mitgenommen werden. Amazon hat bisher 500.000 Lesegeräte in den USA verkauft. Der Preis beträgt umgerechnet 250 Euro. Unklar ist, wann das Gerät in Deutschland eingeführt wird.

Während der Nutzer bei Amazon an einen einzigen Dienst für Inhalte gebunden bleibt, bietet der Sony-Reader PRS-5005 eine offene Systemarchitektur an. Neben PDF- und MP3-Dateien kann das Gerät auch RSS-Feeds verarbeiten. Das Gerät beruht ebenso wie der Kindle auf der E-Ink-Technologie. Man kann elektronische Lesezeichen setzen, die Schriftgröße verändern – ein Vorteil gerade für ältere Menschen mit Leseschwächen. Nachteilig ist, dass Inhalte nicht drahtlos auf das Gerät übertragen werden können. Der Vertrieb erfolgt über US-amerikanische Buchläden wie Waterstone´s, Thalia oder Libri. Knapp 300 Dollar kostet das Gerät in den USA, das spätestens im Frühjahr 2009 auch in Deutschland erhältlich sein soll.

Während Leser in den USA bereits zwischen unterschiedlichen Geräten wählen können, ist hierzulande erst der E-Reader iLiad der niederländischen Firma iRex verfügbar. Das Gerät ist nicht an einen Händler gebunden, sondern läd und liest alle Dokumenttypen. Mit 390 Gramm ist es in etwa so schwer wie ein dickeres Buch und auch ungefähr so groß. Nachteilig ist auch hier, dass es keine drahtlose Verbindung zum Internet gibt. Der Preis von fast 500 Euro ist vergleichsweise hoch.

Elektronisches Papier aus Dresden

Der E-Reader von Plastic Logic soll erst im Frühjahr 2009 auf den Markt kommen. Das britische Unternehmen Plastic Logic fertigt derzeit in Dresden mit einem dreistelligen Millionenaufwand die dafür erforderlichen Kunststoffdisplays. Im Vergleich zu Konkurrenzprodukten seien die Displays größer und trotzdem flacher, sagte Richard Archuleta, Firmenchef von Plastic Logic. Die Innovation bestehe in der Verwendung biegsamer Plastikfolie statt Glas wie bei den herkömmlichen Bildschirmen. Das Display lässt sich durch einfache Berührung bedienen, kann drahtlos oder per Kabel jederzeit mit aktuellen Inhalten versorgt werden, und seine Größe lässt die Darstellung von Zeitungsseiten zu. Darüber hinaus ist das Gerät ausgesprochen robust. Mehr als eine Million Displays sollen jährlich aus Dresden kommen. Bis 2010 wird eine weltweiter Bedarf von mehr als 42 Millionen Stück erwartet.

Bislang sprechen jedoch vor allem zwei Faktoren dagegen, dass die neuen elektronischen Lesegeräte in absehbarer Zeit zu einer ernsthaften Konkurrenz der gedruckten Zeitungen werden. Das ist einerseits der hohe Anschaffungspreis und andererseits die Tatsache, dass die E-Reader vorwiegend für E-Books und Geschäftsdokumente konzipiert wurden. Zeitungen spielen bislang eine untergeordnete Rolle in den Geschäftsmodellen der Hersteller.

zurück