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29. Oktober 2010 | Allgemeines

Die digitale Revolution und die Zeitung

Verlage gehen neue Ära offensiv an / Mehr als 500 Gäste beim

Optimistisch, zukunftsorientiert und visionär, so präsentierte sich die Zeitungsbranche beim diesjährigen BDZV-Zeitungskongress. Die Verlage setzen mehr denn je auf Qualität und die Kraft des Mediums – print, online und mobil. Nur noch wenig zu spüren war von Krisenstimmung, und dafür gebe es auch gute Gründe, betonte BDZV-Präsident Helmut Heinen zur Eröffnung der Tagung am 20. Sep-tember 2010 vor mehr als 500 Gästen aus Verlagen, Wirtschaft, Kultur und Politik in Essen: „20 Millionen Menschen geben täglich freiwillig Geld eine Zeitung – „ihre“ Zeitung aus“, und Heinen ergänzte: „Keine Haus-haltsabgabe, keine Rundfunkgebühr ist dafür verantwortlich, sondern allein der freie Wille und Wunsch der Leser.“

Deutliche Worte fand Heinen jedoch nicht nur zur wirtschaftlichen, sondern auch zur politischen Lage der Zeitungen. So sei die Novellierung der Pressefusionsregelungen überfällig, der Erhalt des reduzierten Mehrwertsteuersatz unverzichtbar und die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage zwingend notwendig. „Wer von den inhaltlichen Leistungen der Verlage profitiert, der muss sie auch an seinem Geschäft beteili­gen. Das entspricht einem ökonomischen Grund­prinzip. Und dieses Prinzip darf auch im Internet­zeitalter nicht einfach ausgehebelt werden“, be­tonte Heinen.

Auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, kam in seinem Grußwort zu diesem Schluss: „Wir müssen für mehr Fairness im Internet sorgen und dazu gehört ein Leistungsschutzrecht“. Darüber hinaus bekräftigte er die Absicht der Bundesregierung, Journalisten vor Übergriffen der Polizei und Staatsanwaltschaft besser schützen zu wollen. Dazu gehöre, dass Beschlagnahmen von Redak­tionsmaterial nur unter sehr strengen Auflagen erfolgen dürften und sich Journalisten zukünftig nicht mehr des Geheimnisverrats strafbar mach­ten, wenn sie geheime Unterlagen veröffentlich­ten.

Um die Frage, welchen Einfluss das Internet auf Menschen und auf die Medien hat, ging es in der ersten Diskussionsrunde des diesjährigen Zeitungskongresses. Dabei unterstrich Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Sprin­ger AG, dass Angebote fürs Netz und mobile Endgeräte essenzielle Bestandteile im Portfolio der Verlage werden müssen. Von daher forderte Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfur­ter Allgemeinen Zeitung“, die öffentlich-rechtli­chen Rundfunkanstalten auf, nicht mit Milliarden an Gebührengeldern den privatwirtschaftlich or­ganisierten Wettbewerb im Internet zu untermi­nieren.

Chefredakteure küren Bürger des Jahres

Den inhaltlichen Abschluss des ersten Kon­gresstages bildete die Jurysitzung Bürgerpreis der deutschen Zeitungen, dessen erster Preisträ­ger der Düsseldorf Cellist Thomas Beckmann ist. Mit dem Preis (Preisgeld 20.000 Euro) würdigt die Jury, die nur aus Chefredakteuren der BDZV-Mitgliedszeitungen bestand, den mehr als ein Jahrzehnt währenden Einsatz des Künstlers für Obdachlose. Auslöser für das Engagement des Musikers war der Kältetod zweier obdachloser Frauen in der Düsseldorfer Altstadt. 1993 grün­dete Thomas Beckmann die Aktion „Schlafsack für Obdachlose“. 1996 folgte „Gemeinsam gegen Kälte“ mit mehr als 100 Projektgruppen bundes­weit.

Auch am zweiten Kongresstag standen die Chef­redakteure noch einmal im Fokus. Ist auch mit weniger Ressourcen mehr redaktionelle Qualität möglich? So lautete das Thema des erstmals durchgeführten Forums Chefredakteure. Die Antwort von Rolf Seelheim, Chefredakteur „Nordwest-Zeitung (Oldenburg): „Nicht jede Seite muss selbst erstellt werden.“ Verlagskooperationen oder Modelle wie die kürz­lich gegründete Redaktionsgemeinschaft der Mediengruppe M. DuMont Schauberg würden ressourcensparendes Arbeiten ermöglichen. Ei­nen Teil dazu will auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) beitragen, deren Chefredakteur Wolfgang Büchner für seine Agentur das Credo in Anspruch nimmt: „Wir müssen mit unseren Angeboten in den Redaktionen Zeit freischaufeln, damit dort investigative Geschichten entstehen können.“

Jugend und Kooperationen

Welche Bedeutung hat die Zeitung im Leben und der Freizeitbeschäftigung von Jugendlichen? Welche Zeitungsangebote sind für diese Genera­tion attraktiv? Und was müssen die Verlagshäu­ser unternehmen, dass noch mehr Jugendliche wieder zur Zeitung greifen? Diese Fragen stan­den im Mittelpunkt des Forums Märkte. Rüdiger Schulz und Oliver Bruttel vom Institut für Demo­skopie Allensbach stellten vor, welche Antworten internationale Studien auf diese Problematiken haben. Ihre Antwort: „Zeitungen sind keineswegs out, aber die Verlage müssen sich anstrengen, um langfristig junge Leser zu binden.“ Eine Forderung, die durch die Initiative „Junge Leser“ (Jule), die BDZV-Vizepräsident Hans Georg Schnücker vorstellte, mit Leben gefüllt werden soll. Im Rahmen dieser Initiative werden Zei­tungshäuser ihr Know-how über jugendaffine Angebote und Zielgruppenspezifika auf einer virtuellen Plattform teilen und sich in Konferenzen austauschen. Kurz nach Projektstart hatten sich bereits 30 Verlage für Jule angemeldet.

Gut möglich, dass einige der Jugendprojekte auch als Kooperationen zwischen den Verlagen laufen werden. Dies ließe sich zumindest aus den Ausführungen von Alexander Kahlmann, Partner bei der Unternehmensbera­tung Schickler, schlussfolgern. Immerhin erwar­ten 70 Prozent der deutschen Verlagsentschei­der, dass es zukünftig deutlich mehr Gemein­schaftsaktivitäten zwischen den Verlagen geben wird. Kostendruck und Markterschließung sind Triebfedern für diese potenzielle Zu­sammenarbeit. Vor allem die Bereiche Logistik, Redaktion und Druck würden sich nach der Schickler-Analyse besonders für Kooperationen eignen. Langfristig seien Kostenersparnisse von bis zu 30 Prozent möglich, so Kahlmann.

Der Zeitungskongress 2011 wird am 19. und 20. September in Berlin stattfinden.

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