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15. Dezember 2006 | Digitales

„Der Markt ist da, die Wettbewerber auch“

Fachtag „Local Search“ mit 132 Teilnehmern / BDZV und Ifra mit Studie zum Thema „Suche“

Suche im Internet ist ein wachstumsstarker Anzeigenmarkt. Noch sind die deutschen Zeitun-gen in ihren lokalen Internetmärkten die Nummer 1. Doch die Zeit läuft, und die Wettbewerber sind bereits präsent. Zeitungen müssen dem lokalen Suchmarkt mehr Aufmerksamkeit wid-men. „Eine eigene lokale Suchlösung ist ein ‚Muss’ und kein ‚Nice to Have’“, betonte Dr. Ri-chard Rebmann, Vizepräsident des BDZV und Verleger des Schwarzwälder Boten in Oberndorf, beim gemeinsamen „Fachtag Local Search“ von BDZV und Ifra am 6. Dezember in Köln. Über 130 Teilnehmer informierten sich bei der von BDZV-Multimediareferent Holger Kansky mode-rierten Tagung über die Chancen in diesem neuen Geschäftsfeld. Präferiert wurde von Teil-nehmern wie Referenten der Aufbau einer Kooperationslösung, für die bereits erste Ideen vor-gestellt wurden. BDZV und Ifra werden in Kürze eine gemeinsame Studie zum Thema „Suche“ und mögliche Optionen für Verlage vorstellen.

Der lokale Suchmarkt wächst weltweit mit hoher Geschwindigkeit. In den USA wird für das Jahr 2007 ein Umsatz von 1,8 Milliarden US Dollar erwartet – das Gesamtvolumen für lokale Internetanzeigen soll bei 7,7 Milliarden liegen. Für den Anzeigenkunden ist sowohl das leistungsabhängige Bezahlmodell wie auch die Platzierung der Anzeigen im Kontext der Suche interessant. Die Nutzer können über die lokale Suche gezielt relevante Informationen finden. Schon heute haben rund 25 Prozent aller Suchanfragen einen lokalen Hintergrund.

Die lokale Suche kann den lokalen Anzeigenmarkt umkrempeln. Langfristig werden sich nach Einschätzung von Jochen Dieckow, zuständig für Business und New Media Research bei der ifra in Darmstadt, im Internet lokale Konsumentenportale bilden, bei denen die jetzt noch zwischen den verschiedenen Printprodukten aufgeteilten Anzeigenmärkte für Rubriken, gestaltete Anzeigen, Coupons und Gelbe Seiten verschmelzen.

 

Lokale Suche in Deutschland - Verbundlösung schon 2007?

Genau in diese Richtung zielen in Deutschland bereits Initiativen von Branchenbuchanbietern und Suchmaschinen. Ifra-Senator und Geschäftsführer des MW-Verlags in Berlin, Dr. Frank Meik, stellte die Chancen und Risiken näher vor und die Dringlichkeit schnellen Handelns heraus: „Sollte in spätestens drei Jahren die Online-Werbung in Deutschland bei über einer Milliarde Euro liegen, droht den Zeitungsverlagen ein weiterer Einnahmeverlust von zehn Prozent ihrer heutigen Werbeerlöse“. Eine Kooperationslösung der Verlage biete maximale Sicherheit bezüglich der technischen Dienstleistung, geringstmöglichen Ressourceneinsatz der Verlage und gute Refinanzierungsaussichten. „Der Markt ist da, die Wettbewerber auch“, erklärte Meik, „Noch sind die Eintrittszenarien nicht zu hoch.“

 

Freckert.de im Saarland: regionale Mini-Lösung

Bei der Saarbrücker Zeitung ist mit freckert.de bereits eine mit minimalem Aufwand realisierte lokale Suchlösung in Betrieb. „Die Saarlandsuchmaschine“ wurde als Absicherung gegen Google platziert und läuft als Pilotanwendung auch für die anderen Regionalzeitungen des Holtzbrinck-Konzerns. Die Redaktion hat dazu Spezialsuchen für die top-100-unternehmen des landes, die Saar-Behörden und andere Bereiche recherchiert, die sich nun gezielt durchsuchen lassen. „Kontextabhängige Werbung funktioniert“, berichtete Chistian Lauer, Leitung Multimedia Service. Auch wenn die Erwartungen der User an die allgemeine Suche noch nicht erfüllt werden könnten, da hier nicht saarlandspezifische Seiten gefunden würden, habe sich das Konzept bewährt: „Wir haben äußerst positive Reaktionen im Markt und bekommen sogar Fanpost“, sagte Lauer. „Nach nur zwei Wochen waren wir bereits auf über 30 externen privaten Websites integriert“.

 

Kontextbasierte Werbung - Eigenlösung sinnvoll

Auch Sven Heller, Leiter Sales und Marketing bei BerlinOnline.de, setzt auf kontextabhängige lokal verkaufte Werbung. „Bei der Kooperation mit nationalen Anbietern sind Einfluss, Mitbestimmung und Transparenz eingeschränkt“, warnte er. Ein direkter Wettbewerb sei jedoch nicht sinnvoll. Deshalb gebe es bei BerlinOnline eine Mischung aus eigenen Angeboten, die über ein eigenes technisches System realisiert würden, und Treffern von Yahoo, die eingeblendet würden, wenn es nicht genügend eigene verkaufte Suchtreffer gebe.

Auf BerlinOnline gebe es mittlerweile 1 Million Suchanfragen pro Monat. Insgesamt erreicht das Portal rund 1,86 Millionen User und erzielt mit ihnen 37 Millionen PageImpressions und 6 Millionen Visits. Anzeigenkunden können ihre Suchwortkampagnen direkt online buchen.

 

Immer enger verzahnt: Content und Community

Meinof Ellers, Geschäftsführer der dpa-infocom GmbH in Hamburg, präsentierte die Neuerungen, die bei der dpa in Bezug auf die regionale Zuordnung von Nachrichten und Bildern in 2007 eingeführt werden. Die dpa ist zudem ein assoziierter Partner bei einem BMFT-Projekt („D-LOMS“), das sich mit der Darstellung von Inhalten und Karten auf Mobiltelefonen beschäftigt.

Mit dem im Frühjahr 2006 gestarteten „Qype“ präsentierte Mark Pohlmann einen interaktiven, von Internetnutzern generierte Stadtführer. Nach 6 Monaten haben die Nutzer rund 25.000 Beiträge in 1500 Orten geschrieben. Auch Kalaydo, das regionale Rubrikanzeigenportal der Zeitungen im Rheinland, will künftig die Nutzer stärker einbinden: „Die Community wird deutlich ausgebaut. Wir setzen in nächster Zeit auf Bewertungen, Relevanz und Glaubwürdigkeit“, erläuterte Geschäftsführer Joachim Vranken.

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