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02. Oktober 2006 | Allgemeines

Der Markt ändert sich – die Zeitungen auch

Streitgespräch über Verleger-Ethos, Fremdfinanzierung und Pressevielfalt in Deutschland

Was macht einen Verleger aus? „Ich stehe für Solingen, lebe für Solingen, ich bin der Solinger Verleger – aber ich hoffe, dass ich auch Manager bin“, antwortet etwa Bernhard Boll, Verleger des „Solinger Tageblatts“, im Streitgespräch über „Die Zeitungsmacher – vom publizistischem Anspruch und der Marktwirklichkeit“. Ähnlich sieht es Dr. Dirk Ippen, Herausgeber und Geschäftsführer des „Münchner Merkurs“. Er lasse sich gerne Verleger nennen. Über viele Jahre seien die Verleger sehr verwöhnt worden, nicht zuletzt, weil sie häufig am Ort zu den größten Steuerzahlern zählten. Allerdings funktioniere das alte Geschäftsmodell, bei dem Inhalte an Leser und Leser an Werbekunden verkauft würden, heute nicht mehr so wie früher. Dies bringe auch Veränderungen für den Beruf mit.

Ein Schuss Idealismus klingt in der Beschrei­bung von Klaus Schrotthofer, Chefredakteur der „Westfälischen Rundschau“ in Dortmund, mit, wenn er sagt, dass Verleger in erster Linie einer sei, „der auch ökonomisch „Unvernüftiges tut, weil er von der Einzigartigkeit seines Produkts über­zeugt ist“. Einspruch!, heißt es da von Johannes von Bismarck, Director Veronis Suhler Stevenson (London). Ökonomisch Unvernüftiges dürfe ein Verleger auf keinen Fall tun, schon gar nicht den Lesern etwas präsentieren, was sie vielleicht nicht wollten. Zeitungen müssten sich „ am mündigen Leser orientieren“. Auch könne er kein Problem darin entdecken, wenn sich die Zahl der publizie­renden Einheiten auf weniger und größere Ver­lage reduziere, so wie es bei den Verlagsketten in den USA der Fall sei.

Keine Einigkeit konnte die von Hans-Jürgen Ja­kobs, Ressortleiter Medien bei der „Süddeut­schen Zeitung“, München, moderierte Runde auch in der Frage erzielen, ob das Interesse von Finanzinvestoren am deutschen Zeitungsmarkt und der Kauf von „Berliner Zeitung“, „Kurier“ und Hamburger „Morgenpost“ durch Veronis Suhler Stevenson nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sei. So argumentierte von Bismarck, dass Fremdkapital deutlich günstiger als Eigen­kapital sei. Es gehe an der ökonomischen und gesellschaftlichen Realität vorbei, dass Zeitungen als Liebhaberobjekte geführt würden. Dirk Ippen hingegen stellte fest, dass er zwar noch keine Nachteile im VSS-Engagement bei den deut­schen Verlagen erkennen könne, doch sei ihm nicht ersichtlich, warum es von Vorteil sein solle, wenn er mit fremden Geld arbeite und dies inves­tiere. „Warum soll das jetzt plötzlich gut sein, wenn es bisher nie nötig war?“ Sehr differenziert auch Bernhard Bolls Antwort: Private Equity werde in Deutschland vom Kartellamt begünstigt, kritisierte er. Andererseits: „Wenn andere bereit sind, Geld in deutsche Verlage zu investieren, gibt mir das Mut.“ Die Lösung seines Hauses sei immer die der Kooperation gewesen, jüngstes Beispiel das von den Verlagen der Rheinschiene getragene Anzeigenportal im Internet kalaydo.de.

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