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26. September 2008 | Allgemeines

Das Internet verändert die übrigen Medien

Lektüre entscheidend für Zugang zu Informationen

„Die vergangenen 20 Jahre waren eine Phase gravierender Veränderungen in der Medienlandschaft“, stellte die Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Professor Renate Köcher, in ihrem Impulsreferat „Zeitenwende in der Mediennutzung“ fest. Heute gebe es beispielsweise eine Fülle flächendeckend empfangbarer Fernsehkanäle (63) und Zeitschriften (883). Diese Vielfalt untergrabe die Bindungen an Titel oder Sender. Das habe besonders Auswirkungen auf die Tagespresse, die auf „festen Zeitreservaten im Tageslauf“ aufbaue. Zwar verfügten die Menschen heute über mehr Zeit für Mediennutzung als früher, gleichzeitig kämen die einzelnen Medienangebote jedoch auf weniger Reichweite. Diese Situation begünstige Parallelnutzungen – etwa die Lektüre neben dem Fernsehen – und sorge für einen veränderten Wettbewerb der Medien untereinander.

Ob Jugendliche und junge Leute Zeitung lesen, hängt nicht vom Grad ihrer Bildung ab, machte Köcher weiter deutlich. 18 Prozent der 14- bis 29-Jährigen seien „printabstinent“. Sie läsen also weder Zeitungen noch Zeitschriften und seien „unterdurchschnittlich informationsorientiert“. An­ders als anfangs gedacht, habe die Durchsetzung des Internets nicht zu einer verbreiterten, sondern zu einer „sporadischen Nutzung aller Medien“ geführt. Gerade bei jungen Leuten gebe es ein abnehmendes Bedürfnis, auf dem Laufenden zu sein. Das Interessenspektrum sei verengt. Der Siegeszug des Internets führe zu einer „verstärk­ten Selektion“ und zu einer „wachsenden Unge­duld“ in der Mediennutzung.“

Anhand verschiedener Untersuchungsbefunde erläuterte Köcher, dass „ein Nichteinstieg in Print bei Jugendlichen auch einen Nichteinstieg in In­formationen“ bedeutet. Die Lektüre von Ge­drucktem werde „zunehmend ein Unterschei­dungsmerkmal für Personen, die sich gesell­schaftlich interessieren und engagieren“ und sol­chen die das nicht tun. Bezogen auf die Zeitung führte Köcher aus, dass sich Jugendliche und junge Leute unterdurchschnittlich für typische Zeitungsinhalte wie Wissenschaft und Forschung, Politik, Wirtschaftsthemen oder Kunst und Kultur interessierten. Ausgeprägtes Interesse hätten sie dagegen an modernen Telekommunikationsge­räten, Computernutzung, alkoholischen Geträn­ken, Kosmetik oder Mode. Die jungen Leute interessierten sich also sehr für ihren eigenen Lebensbereich, nicht jedoch für gesellschaftliche Themen. Dies sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, das die Medien allein nicht lösen könn­ten. Gleichwohl sei sie überzeugt, versicherte Köcher, dass die frühzeitige Lektüre von Tages­zeitungen hier ein Gegengewicht bilden könne. Sie empfehle deshalb jedem Kultusminister, die Lektüre der Tageszeitung ab der zweiten Klasse täglich im Schulunterricht zu verankern. Es sei bemerkenswert, wie aufgeschlossen die Politiker auf diesem Vorschlag reagierten.

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