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28. März 2002 | Digitales

Das Ende der Kostenlos-Kultur?

Immer mehr Online-Anbieter führen Bezahl-Inhalte ein / Wer zahlt was für wie viel?

„Es war der größte Sündenfall, Inhalte im Internet kostenlos zu verbreiten“, so T-Online-Vorstand Thomas Holtrop. „Gratis-Journalismus ist kein Geschäftsmodell“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner. Und Markus Englert, Sprecher der Geschäftsführung von Kirch Intermedia, verkündet: „Die Zeit rein kostenfreier Angebote im Internet ist vorbei“. So oder so ähnlich propagieren seit knapp einem halben Jahr immer mehr Vertreter der Medienbranche die Einführung von bezahlten Inhalten im Internet. Und immer mehr Anbieter lassen den Worten auch Taten folgen.

Kernfrage bleibt dabei, wer wofür wie viel bezahlt. Eine klare Linie verfolgt T-Online-Chef Thomas Holtrop: „Man kann unmöglich bepreisen, was vorher kostenlos zur Verfügung stand.“ So sind bei T-Online nur neu entwickelte Angebote und Services kostenpflichtig. Abonnieren kann man beispielsweise die Finanzinformationsdienste „Platow-Finanzbrief“ für 17,90 Euro beziehungsweise die „Fuchsbriefe“ für 11,90 Euro im Monat. Im Entertainmentbereich lockt T-Online mit einem Onlinespiel der Comicfigur „Werner“. Für die Nutzer mit breitbandigen Internetzugängen werden Angebote aus den Bereichen Musik, Film und Sport entwickelt.

 

Sehr zufrieden ist man bei T-Online auch mit den gemeinsam mit der Zeitschrift „auto motor sport“ angebotenen Autotests. Rund 3.000 Berichte werden derzeit bei Preisen zwischen 1,50 Euro und zwei Euro pro Monat abgerufen. „Wenn der Nutzer erkennt, dass es sich um Content handelt, den man nirgendwo anders im Web kriegt, dann ist er auch bereit zu zahlen – sogar per Kreditkarte“, so Oliver Kerber, Chef vom Dienst bei auto.t-online.de. Ab April sollen auch Online-Kaufberatungen angeboten werden. Sehr gute Erfahrungen mit dem Verkauf von Testberichten über das Internet hat auch die Stiftung Warentest gemacht. „Unsere Erwartungen an das Online-Geschäft sind übererfüllt worden“, bestätigt der Leiter der Online-Redaktion der Stiftung Warentest, Andreas Gebauer. Allein im Januar wurden 28.000 Tests, Tabellen oder Artikel heruntergeladen. Dies ergab einen Umsatz von 45.000 Euro.

 

Auch viele Verlagshäuser sammeln erste Erfahrungen mit Bezahl-Inhalten. „Focus“ und „Spiegel“ bieten die Titelgeschichten ihrer Printausgaben für 50 Cent bereits am Samstag im Netz an. Unter der Überschrift „Fakten auf Abruf“ kann man bei Focus für 1,50 bis 2,25 Euro pro Abruf Anwaltslisten oder Zwangsversteigerungs-Datenbanken nutzen. Der „Stern“ hat im Zug seines Relaunches zu Jahresbeginn die Gruner + Jahr-Pressedatenbank zugänglich gemacht. Bei einem monatlichen Mindestumsatz von rund fünf Euro kostet ein Artikel 1,48 Euro. Schon seit über einem Jahr ist die „FAZ“ mit ihrem Archiv online. Und sie schreibt eigenen Angaben zufolge schwarze Zahlen. Über 10.000 Kunden haben sich als Premium-Abonnenten registrieren lassen. Bei einer Jahresgebühr von 15 Euro erhalten die Nutzer fünf Artikel pro Monat kostenlos. Weitere Artikel kosten – je nach Tageszeit – 0,75 Euro beziehungsweise 1,50 Euro. Auch der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Financial Times Deutschland“ bieten ihr Archiv online an. Beim „Spiegel“ ist dies in Planung.

 

Ob ein Online-Archiv für jeden Verlag rentabel sein kann, bleibt anzuwarten. Eine Umfrage unter amerikanischen Tageszeitungen am Anfang des Jahres ergab, dass 64 Prozent ihre Archiv-Inhalte online verkaufen. Davon erzielten 29 Prozent monatliche Einnahmen von bis zu 200 Dollar, 28 Prozent zwischen 200 und 500 Dollar, 17 Prozent zwischen 500 und 1.000 Dollar, 14 Prozent zwischen 1.000 und 2.500 Dollar, acht Prozent zwischen 2.500 und 5.000 Dollar sowie vier Prozent von über 5.000 Dollar. Der „Daily Oklahoman“ konnte in einem Jahr sogar über 100.000 Dollar mit dem Online-Archiv umsetzen. Wie alle Tageszeitungen mit Einnahmen von mehr als 2.500 Dollar hat auch der „Daily Oklahoman“ eine Auflage von über 200.000 Exemplaren.

 

Immer mehr Zeitungsverlage arbeiten an elek-tronischen Ausgaben der gedruckten Zeitung. Prominentestes Beispiel ist hier das e-paper der „Rhein-Zeitung“ in Koblenz. Als kostenloser Zusatzservice für Print-Abonnenten gestartet, wurde es zum 1. Februar kostenpflichtig. Bereits über 1.000 Kunden bezahlen einen Aufschlag von mindestens zwei Euro pro Monat auf den Abonnementpreis, um das e-paper nutzen zu können. Die Zeitung als PDF-Datei bietet die „Sächsische Zeitung“ in Dresden an. Print-Abonnenten bezahlen 2,50 Euro pro Monat zusätzlich, reine Online-Abonnenten 7,50 Euro. „Der Standard“ aus Österreich hat Ende Februar den Probebetrieb einer digitalen Ausgabe aufgenommen. Innerhalb eines Tages hatten sich bereits über 1.000 Nutzer registrieren lassen. Ab Mai soll ein reines Online-Abo 145 Euro pro Jahr kosten. Print-Abonnenten bezahlen einen Aufschlag von 22 Euro auf ihren Abo-Preis von rund 265 Euro.

 

Zehn Prozent vom Umsatz

 

Zwar werden viele Hoffnungen in Bezahl-Inhalte gesetzt, an Wunder glaubt aber niemand. Spiegel.net-Vorstand Thomas Göbler erwartet mittelfristig maximal zehn Prozent der Umsätze aus kostenpflichtigen Inhalten. Tomorrow-Focus-Vorstand Jörg Bueroße rechnet mittelfristig mit einem Anteil von 15 bis 20 Prozent. RTL New Media denkt über Bezahldienste nach, befürchtet jedoch, vor allem jugendliche Zielgruppen durch Gebühren zu verprellen. Zuversichtlich ist dagegen der Geschäftsführer von sueddeutsche.de, André Sonst. Bezahl-Inhalte würden sich durchsetzen, auch wenn das einige Zeit dauern könnte.

 

Wie der Nutzer aber letztlich reagieren wird, da ist sich auch die Marktforschung uneinig. Laut dem „Online Reichweiten-Monitor“ erwarten 89 Prozent Bezahl-Inhalte im Internet. Ob sie aber auch bezahlen würden, beantwortet die Untersuchung nicht. Laut dem Marktforschungsinstitut Ears & Eyes würden 45 Prozent der deutschen Internet-Nutzer für individuell aufbereitete, hochwertige Inhalte im Schnitt 20 Euro pro Monat bezahlen. Die Frankfurter Forscher von Speedfacts ermittelten dagegen, dass nur knapp acht Prozent für aktuelle Nachrichten Geld entrichten würden. Immerhin: Wenn für Web-Angebote bezahlt werden müsste, würden die Deutschen am ehesten für die der Tageszeitungen in die Tasche greifen. So das Ergebnis einer Emnid-Untersuchung, bei der die Angebote von Zeitungen mit Suchmaschinen, Autokonfiguratoren und Erotikangeboten verglichen wurden. Beliebtestes Abrechnungsmodell der Nutzer ist eine monatliche Pauschale bei unbegrenzter Nutzung des Angebots.

 

Quelle: e-Market, 22.3.2002; Horizont.net, 26.3.2002; Die Woche, 4.1.2002; Horizont, 24.1.2002 u. 31.1.2002; text intern, 8.2.2002; Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2001; iBusiness, 15.2.2002 u. 25.2.2002; epd medien, 2.2.2002; Die Welt, 11.2.2002

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