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05. November 2007 | Digitales

Copy and Paste zur Kunst erheben

Web 2.0-Kongress in Berlin

Web 2.0 goes corporate! Unter diesem Motto fand am 9. und 10. Oktober 2007 in Berlin die dritte Auflage des Web 2.0-Kongresses statt, der vom Kongress- und Seminaranbieter IIR Deutschland veranstaltet wurde. Über 120 Marketing- und IT-Verantwortliche interessierte vor allem die Frage, wie sie das Web 2.0 für sich nutzen können. Aber nicht nur für Markenartikler, auch für die Mediabranche wurden innovative Ideen, Geschäftsmodelle und Ansätze vorgestellt.

Web 2.0 finde bereits Eingang in alle Themenbereiche, ob Gesundheits-, Umwelt oder Frauen- und Familienthemen, jede Interessengruppe will ihre Community, ihr virtuelles Netzwerk, erklärte der Kongressvorsitzende Marc Drüner, Internetexperte und Berater, in seiner Eröffnungsrede. Was die Unternehmen bräuchten, seien branchenspezifische Ideen und Konzepte, wie sie Web 2.0-Tools für ihre konkreten Zielgruppen einsetzen könnten. Schon 30 Prozent der Internetnutzer gestalten Community-Seiten mit. Und die Zahl steigt täglich - nicht nur bei sehr jungen Leuten: "Die Hälfte der Nutzer der Community-Plattform Facebook ist über 35 Jahre alt", so Drüner.

Kleine nützliche Applikationen sind gefragt

Mashups schaffen Raum für unzählige Geschäftsmodelle. Verknüpft man beispielsweise Google Maps mit anderen Diensten, entstehen neue Lösungen wie Alkemis.com (www.alkemis.com). Durch Klick auf ein Symbol in der Karte öffnen sich Live-Bilder, die von Kameras vor Ort im Straßenverkehr aufgenommen werden. Das sind die Staunachrichten der neuen Generation. Mashup-Verknüpfungen dieser Art finden sich in zahlreichen Beispielen auf der Website programmableweb.com (www.programmableweb.com). Drüners Rat an die Unternehmen: "Schauen Sie bei anderen ab, erheben Sie das Copy and Paste zur Kunst - das ist das Beste, was Sie an Trendscouting machen können." Die Quellen zum Abgucken lägen zum größten Teil in den USA. Hier seien 80 Prozent der Themen bereits durch Web 2.0-Webseiten abgedeckt. Nicht nur das: US-amerikanische Seiten seien voll mit Widgets, also kleinen, meist spielerischen Programmen, die jeder Anwender kostenfrei über eine offene Schnittstelle nutzen kann. "Deutsche Firmen mit ihrer Angst vorm Wettbewerber gleichen Wasserburgen - abgeschirmt und getrennt durch einen Graben wollen sie nur ungern Ideen oder Programme mit anderen teilen", so seine Beobachtung. "Selbst, wenn das bedeutet, dass auch ihnen im Gegenzug keiner seine Anwendungen überlässt."

"Nicht die großen, eindrucksvollen Geschäftsanwendungen sind der Trend, sondern die kleinen, aber umso nützlicheren Applikationen. Leider ist Deutschland aber noch lange nicht so weit zu sagen: „Ich habe hier etwas entwickelt, macht ihr ruhig was damit.“

Der Reiz des Regionalen

"Kontakte im Internet und Kontakte in der realen Welt schließen einander nicht aus - im Gegenteil: Die Online-Aktivitäten steigern die Offline-Kommunikation. Wer im Netz Freundschaften schließt, will diese Leute auch mal bei einem Glas Bier treffen", erklärter der Online-Experte Drüner. Ein Indiz für diesen Offline-Trend sei auch die zunehmende Attraktivität lokal ausgerichteter Internetangebote. Der Reiz des Regionalen sei menschlich, so Drüner. "Überlegen Sie mal, wonach Sie bei Ihrem ersten Besuch bei Google Earth gesucht haben - sicher nicht nach dem Times Square, sondern nach Ihrem eigenen Häuschen."

Geschäftsmodelle im Web 2.0

Was ein gutes Businessmodell im Web 2.0 ausmacht, erläuterte Frank Engel, dessen Internetfirma Supreme NewMedia die Social Community-Site Town-Kings (www.townkings.de) ins Leben gerufen hat. Engel sieht die Internet-Zukunft in lokalen Seiten. Seiten, die anzeigen, wo ein Nutzer wohnt, welche Restaurants in seinem Umkreis er empfiehlt, und wer seine nächsten Freunde in der Nachbarschaft sind. Frank Engel hat eine Nische mit seiner Seite TownKings besetzt - ein Portal, das im Mash-up-Verfahren Tools wie Ebay, Skype, Paypal und Yahoo verknüpft, dabei aber immer einen lokalen Bezug zu einer Stadt herstellt.

Wichtig sei ein klar erkennbarer Nutzen, im besten Fall ein ganz neuer Ansatz, mit dem sich das Portal von anderen abgrenze. Wenn es dann noch einfach zu bedienen sei und von jedem Nutzer gleich verstanden werde, müsse nur noch das Erlösmodell stimmen. Aus allen Möglichkeiten - Engel nannte fünf: Werbung, Verkauf von Gütern, Abonnement, Lizenzvergaben und das Exit-Modell - sollten sich Unternehmen das Beste herausziehen und, wo möglich, miteinander verknüpfen.

"Wenn Sie noch ganz am Anfang sind, spielen Sie in einem Brainstorming Ihre ganze Wert-schöpfungskette einmal durch. Überlegen Sie, wo Sie Dinge kombinieren und dadurch etwas ganz Neues schaffen können. Und seien Sie schnell!“, so der Experte. Es sei wichtig, rasch die kritische Masse aufzubauen, die eine Community brauche, um zu existieren. Es sei besser, mit einer Seite an den Markt zu gehen, die erst zu 60 Prozent fertig sei, als zu viel Zeit darauf zu verwenden, sie zu perfektionieren und dabei von anderen überholt zu werden.

Handy 2.0 - Das Ende der SMS-Ära und die Geburt der 100-Sekunden-Tagesschau

Einen radikalen Umbruch sagte der Vodafone-Manager Burkhard Leimbrock der Telekommunikation voraus: Über 70 Prozent der Umsätze stünden in den nächsten Jahren zur Disposition, so Leimbrock. Mobilfunk-, Festnetz- wie auch Kabelanbieter täten gut daran, ihr gesamtes Geschäft auf neue Angebote umzustellen. Den Mobilfunk verändern würden vor allem die Techniken und Möglichkeiten des Web 2.0: "Die größten Wachstumspotenziale haben Communities und Social Networks."

Und einen neuen Treiber habe die Branche bitter nötig: "Die klassischen Sprachminuten-Geschäfte sind ausgereizt", so der Experte. Zuwachs sei nur durch neue Dienste und Services zu erreichen. Vor allem mobilfunkfremde Unternehmen, dazu zählt er Internetanbieter wie Google und Yahoo, aber auch Medienunternehmen würden einen großen Teil ihres Erfolgs künftig mit neuen Mehrwertdiensten im Mobilfunksektor erzielen und damit die ganze Branche vorantreiben. Die Kombination aus Mobilfunk-, Festnetz und Kabelangeboten schaffe ebenfalls neue Dienstleistungen, neue Daten- und Mehrwerstdienste: "In konvergenten Diensten liegt das große Wachstumspotenzial für neue Services."

Vodafone gehört zu den ersten Mobilfunkanbietern, die mit Partnern Formate für das Mobiltelefon entwickeln. Neuester Clou ist die Tagesschau, die über eine Schnittstelle auf das Handy herunter geladen und dort angeschaut werden kann. Aus dem Material der traditionell 15 Minuten dauernden Nachrichtensendung schneidet der Sender einzig für diesen Zweck eine 100-Sekunden-Version zusammen und stellt sie Vodafone zur Verfügung.

Auch Multimedia ist auf dem Vormarsch: "Das Handy wandelt sich vom Alltagsbegleiter zum Multimediacenter. Mobile Music wird dem MP3-Player den Rang ablaufen, und mobile E-Mails setzen sich langfristig gegen SMS durch", so die Prognose von Burkhard Leimbrock.

Second Life war gestern - Comeback des First Life

Das Internet in 3D-Optik zu erfahren, sei das nächste große Ding, waren sich viele Experten auf dem Kongress einig. "Derzeit existieren zwei Internetwelten, die sich bald vermischen werden", so die Beobachtung von Gerrit Peter Wahle. Wahle leitet ForceSunrise, eine Tochtergesellschaft der Internetunternehmens Metaversum, die sich auf Webseiten im 3D-Modus spezialisiert hat. Da seien zum einen die Internetportale in zweidimensionaler Optik, die vor allem die reale Welt abbildeten und Möglichkeiten zur Selbstdarstellung gäben. Hier träfen sich die Nutzer zwar in Social Communitys, kommunizierten aber vorrangig zeitversetzt miteinander. Daneben gebe es die dreidimensionalen Onlinewelten, darunter den Wegbereiter Second Life, die von der Echtzeit-Präsenz der Avatare lebten und den Nutzern Unterhaltung und nicht selten die Flucht aus der Wirklichkeit böten. Wahles Vision ist eine Weiterentwicklung beider Formate, eine 3D-Welt, in der sich Nutzer kein zweites Ich schaffen, sondern sich und ihr wirkliches Leben darstellen. "Die Verknüpfung von realen Erlebnissen und virtueller Existenz ist das Erfolgskonzept der Zukunft", so Wahle. "Die Zeit des Second Life ist vorbei - das First Life hat wieder Konjunktur."

Twinity: Das eigene Wohnzimmer im Internet

Das Leben der Internetnutzer verbessern, anstatt ihnen dabei zu helfen, vor der Wirklichkeit zu fliehen - so lautet auch das Mission Statement der Firma Metaversum, die Anfang 2008 eine virtuelle Welt mit dem Namen "Twinity" an den Start bringen will. Firmenchef Mirko Caspar sagte dazu auf dem Web 2.0-Kongress: "Über 400 Millionen Menschen sind weltweit in sozialen Netzwerken registriert, und nach Umfragen kann sich die Hälfte davon vorstellen, sich künftig noch aktiver in solchen Communitys zu beteiligen." Einen Zulauf, den Caspar für sich und sein Produkt nutzen will, aber nicht ohne einen Zusatznutzen zu bieten. „Der Mehrwert soll in der Mischung aus dreidimensionalen Bildern und lokalem Bezug liegen. Die Nutzer sollen sich auf Twinity mit ihren Freunden zum Online-Shopping oder zum gemeinsamen Fußballgucken treffen - und zwar in bekannten Welten. Twinity bilde die wirkliche Welt ab: Real existierende Kneipen in Berliner Szenevierteln oder große bekannte Museen inklusive ihrer Kunstsammlungen werde es hier ebenso geben wie private Wohnräume der Internetnutzer. Dass diese dazu ihren Avatar gemäß ihrem eigenen Erscheinungsbild kreieren und per Mausklick ihre Wohnung so realitätsnah wie möglich nachbilden können, ist Teil des Konzepts.

Der nächste Web 2.0-Kongress findet am 16. und 17. April 2008 in Wiesbaden statt. Das Programm ist ab Januar 2008 auf www.web2.0-kongress.de abrufbar.

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