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29. Oktober 2010 | Allgemeines

Claudia Mast: Zeitung als Medium der Entschleunigung

Stärken liegen in der Einordnung und Bewertung

In der beschleunigten Nachrichtenwelt müssen Zeitungen nach Ansicht der Kommu-nikationswissenschaftlerin Professor Claudia Mast auf ihre Gründlichkeit und Verlässlich¬keit setzen. „Die Zeitungen werden den Wett¬lauf um die Geschwindigkeit nicht gewinnen können. Sie sollten sich ganz bewusst als verlässliche Medien der Entschleunigung po-sitionieren“, sagte Mast zum Auftakt des erstmals durchgeführten Forums Chefredak-teure.

Dabei sei es wichtig, nahe an den Bedürfnissen der Leser zu bleiben: „Wenn Leser immer mehr zahlen müssen für Journalismus, dann müssen sie fühlen, dass sie ernst genommen werden.“ Eine wichtige Veränderung auf dem Medienmarkt sei die Masse der verfügbaren Information. „Heute ist der Leser nicht mehr hungrig nach Nachrichten, sondern er wird überflutet.“ Zeitun­gen müssten daher zu einer kritischen Instanz angesichts der Beliebigkeit im Netz werden, Ori­entierung bieten, Informationen bündeln und sich mit ihren Lesern vernetzen. Sie müssen das Le­bensgefühl der Menschen ansprechen, ihre tägli­chen (lokalen) Fragen im Alltag beantworten, ihnen Orientierung in der besorgniserregenden Wirtschafts- und Finanzkrise geben und sie jeden Tag aufs Neue mit unerwartetem Lesestoff über­raschen.

Um diese Aufgaben optimal zu erfüllen, müss­ten sich die Redaktionen entscheiden, ob sie eher Anhänger des „modernen“ Tageszeitungs­konzepts, mit Newsroom, der Einbindung von externen Experten und der Schwerpunktlegung auf Erklärung sein wollten. Oder eher dem klassi­schem Konzept folgten, und sich als Nachrichtenvermittler verstehen. Nach ihren Erkenntnissen tendierten vor allem die kleinen Zeitungsverlage noch immer eher zum Letztge­nannten und fokussierten weniger stark den Maga­zinjournalismus.

Mit dieser Positionierung gehe auch eine unter­schiedliche Schwerpunktsetzung in den einzel­nen Verlagshäusern einher. Dies habe sich vor allem bei der Berichterstattung über die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen beiden Jahre deutlich gezeigt, so Mast, die die Berichterstattung über diese einschneidende Krise zum Schwerpunkt ihrer zum dritten Mal durchgeführten Chefredakteursbefragung ge­macht hat. Zwar geben die Redaktionschefs alles in allem der journalistischen Begleitung dieser beiden Krisenjahre die Note gut, 70 Prozent sa­gen, die Berichte und Hintergrundgeschichten hätten die öffentliche Diskussion bereichert und auch eigene Themen auf die Agenda gebracht. Doch schon geringer fällt ihre Zustim­mung zu den publizistischen Leistungen aus, die die Redaktionen erbracht haben. Selbstkritisch erkennen die Befragten, dass die Medien zu spät über das (mögliche) Entstehen der Krise berichtet haben und auch seitdem eher den Entwicklungen hinterher seien, als sie offensiv publizistisch zu be­gleiten und zu bewerten. Außerdem halten sie die Publikumsorientierung der Berichterstattung für durchaus verbesserungswürdig. Mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) meint sogar, dass die Wirtschaftsberichterstattung die Bedürf­nisse der Leser vernachlässigt habe. Mehr zur dritten Chefredakteursbefragung lesen Sie im aktuellen BDZV-Jahrbuch „Zeitungen 2010/11“.

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