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31. Juli 1997 | Allgemeines

BV Druck: Wirtschaftliche Talfahrt gestoppt

Druckindustrie erwartet für 1997 steigende Investitionen

Die wirtschaftliche Talfahrt der deutschen Druckindustrie, die Mitte 1992 im Zug der wirtschaftlichen Rezession in Deutschland begann, sei Mitte 1996 gestoppt worden. Wie der Vizepräsident des Bundesverbandes Druck, Manfred Adrian, anläßlich der Vorlage des Jahresberichts am 22. Juli 1997 in Frankfurt mitteilte, hätten in der zweiten Jahreshälfte Nachfrage, Produktionstätigkeit und Kapazitätsauslastung im Zuge der konjunkturellen Belebung der Wirtschaft leicht zugenommen. Allerdings konnten die Einbußen der Vormonate nicht wettgemacht werden, so daß das Niveau des Vorjahres im Jahresdurchschnitt 1996 unterschritten worden sei.

Die deutsche Druckindustrie erzielte 1996 mit 2.019 Betrieben mit 20 oder mehr Beschäftigten einen Umsatz von 31,7 Milliarden Mark. Das sind 1,5 Prozent weniger als 1995. Insgesamt umfaßt die Branche fast 14.000 Betriebe; 85 Prozent haben weniger als 20 Beschäftigte. Die Branche ist im hohen Maße von der Werbung abhängig. Wie der Verband mitteilte, entfielen 64 Prozent des Produktionswertes der Druckerzeugnisse auf die Produktion von Werbeträgern und Werbemitteln. Dabei habe die Druckindustrie 1996 von dem "relativ günstigen Werbeklima in Deutschland profitieren" können. Der Produktionsrückgang und die "nach wie vor als unbefriedigend empfundene Ertragslage" habe die Unternehmen zur Fortsetzung ihres Kurses der Kostensenkung und Rationalisierung veranlaßt. Dazu gehöre auch die weitere Verringerung des Beschäftigtenstandes: Im Juni 1996 waren in den Betrieben der Druckindustrie, die mindestens einen sozialversicherungspflichten Arbeitnehmer beschäftigen, 225.300 Arbeitnehmer tätig (-1,3 Prozent).

Obwohl der Branchenumsatz im ersten Quartal des Jahres 1997 um 5,6 Prozent unter dem des Vorjahres lag, zeigte sich der Verband mit dem Ergebnis nicht unzufrieden: Die Kapazitätsauslastung sei im Frühjahr höher als vor Jahresfrist gewesen, die Geschäftslage werde weniger negativ als im Vorjahr eingeschätzt. Bei anhaltender konjunktureller Besserung in Deutschland erwartet der Verband, daß sich auch der Aufwärtstrend in der Druckindustrie fortsetzen werde. Dafür sprächen ebenfalls die steigenden Investitionen. Die westdeutsche Druckindustrie will 1997 ihre Ausgaben für Bauten und Ausrüstungsgüter um acht Prozent aufstocken, nachdem in den vergangenen vier Jahren die Investitionen kontinuierlich gekürzt worden waren. Auch für Ostdeutschland werden Investitionszuwächse in 1997 erwartet.

Zur Zukunft der Branche betonte Vizepräsident Manfred Adrian, daß diese nicht nur im traditionellen Printbereich, sondern auch im Multimedia-Sektor liege. "Die Druckindustrie ist eine Medienbranche, und viele moderne Druckereien sind heute Multimedia-Unternehmen", sagte Adrian. "Traditionell sind wir stark in der Aufbereitung, der Gestaltung und der Umsetzung von Texten, Grafiken und Bildern." Während am Ende des Umsetzungsprozesses früher ein Druckprodukt gestanden habe, komme heute aus den Betrieben der Druckindustrie jedoch eine ganze Palette von Erzeugnissen und Dienstleistungen auf den Markt. Der Begriff "Druckindustrie" müsse "weiter ausgelegt werden als noch vor wenigen Jahren".

Zur Entwicklung der Ausbildungsverträge in der Druckindustrie erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Walter Hesse, daß die Branche nach jahrelang rückläufigen Zahlen "ein leichtes Plus" zu verzeichnen habe. Zum 30. Dezember 1996 seien sieben Prozent mehr Neuverträge abgeschlossen worden (1995: +2,7 Prozent). Vor allem in der Druckweiterverarbeitung mache sich mittlerweile der Facharbeitermangel bemerkbar. Bei den Gesamtausbildungsverhältnissen der Berufe rund um den Druck sei allerdings noch ein Rückgang von -1,7 Prozent (1995:-13,5 Prozent) zu verzeichnen gewesen.

Hesse berichtete weiter, daß der Verband verärgert über die Organisationen des deutschen Handwerks sei, die "derzeit gerade handstreichartig" versuchten, sich die Berufe "Drucker" und "Druckvorlagenhersteller" anzueignen, die die Industrie aus ihren industriellen Fertigungsverfahren heraus weiterentwickelt habe. Beide Berufe stünden dann unter dem sogenannten "Meistervorbehalt": Nur wer eine Handwerksmeisterprüfung vorweisen kann, darf ein Unternehmen aus diesem Bereich führen. Damit müßten Hunderte von Betrieben schließen, wenn die Inhaber nicht im nachhinein der Meisterprüfung ablegten, warnte Hesse. Tausende von Arbeitsplätzen wären in Gefahr, neue würden verhindert.

Während der Parlamentsferien beschäftigt sich im Bundestag eine Arbeitsgruppe damit, die sogenannte "Anlage A" zur Handwerksordnung zu ändern, in der festgelegt ist, welche Berufe dem Handwerk zuzuordnen sind. Es dürfe nicht sein, kritisierte der BV Druck, daß "Politiker moderne Berufe im Kommunikationssektor fordern - und dann per Abstimmung im Bundestag diese Berufe handwerklichen Zugangsbeschränkungen unterwerfen".

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