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12. September 2002 | Allgemeines

Bundespräsident Rau: Zeitungen sind zur Meinungsbildung unersetzbar

40 Jahre Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis / Festakt auf Schloss Bellevue

Die besondere Rolle der Zeitungen für die demokratisch verfasste Gesellschaft würdigte Bundespräsident Johannes Rau anlässlich der Verleihung des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis am 9. September 2002 vor 250 Festgästen im Schloss Bellevue.

„Gerade in diesen vom Wahlkampf geprägten Tagen zeigt sich die Stärke der Zeitung im Vergleich zu anderen Medien: Sie kann kompetent wie kein anderes Medium über verschiedene Parteiprogramme aufklären, Politiker nach Stärken und Schwächen analysieren. Die meisten Zeitungen nutzen diese Möglichkeiten. Sie können so auch der Politikverdrossenheit entgegenwirken.“

 

Regionale Zeitungen und regionale Rundfunksender in Deutschland seien für viele Menschen die wichtigsten Informationsquellen, führte der Bundespräsident weiter aus. Sie seien zur Meinungsbildung unersetzbar – und deshalb sei ihre Präsenz mit eigenen Korrespondenten in Berlin besonders wichtig. Rau mahnte die Anwesenden mit einem Zitat des von den Nazis verfolgten und 1943 in Berlin gestorbenen jüdischen Chefredakteurs Theodor Wolff, „dass eine große politische Zeitung eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit hat, nicht nur im Dienste des Unternehmens, sondern auch im Dienste allgemeiner Interessen und nicht ausschließlich nach den Grundsätzen irgend eines kaufmännischen Unternehmens geführt werden sollte“.

 

Diesen Gedanken griff der Vorsitzende des Kuratoriums für den Theodor-Wolff-Preis und ehemalige Präsident des BDZV, Rolf Terheyden, auf. Er hob hervor, dass dass die Zeitungen mehr denn je gefordert seien, ihre Stärken auszuspielen und auszubauen. Auch unter erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen müsse weiterhin in die Qualität der redaktionellen Leistung investiert werden. Terheyden wörtlich: „Qualität macht Sieger! Das gilt nicht nur für Schönwetterzeiten. Das muss erst recht in schweren wirtschaftlichen Zeiten das Leitmotiv sein.“

 

Es sei ein Lernprozess, konstatierte Terheyden, auch unter erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen in die Qualität der redaktionellen Leistung zu investieren. Jede Zeitung müsse fortwährend an ihrem Profil arbeiten. Dabei müssten vor allem Redaktion und Verlag gemeinsam dafür sorgen, sie gegenüber anderen Medien unverwechselbar zu machen. Terheyden erinnerte in diesem Zusammenhang an den Soziologen Max Weber, der die Überzeugung vertrat, dass eine wirklich gute journalistische Leistung mindestens soviel „Geist“ beanspruchte wie eine Gelehrtenleistung. Gleichzeitig sei die Verantwortung des Journalisten eine weit größere. (Die Rede von Rolf Terheyden ist abrufbar unter www.bdzv.de.)

 

Für Rolf Terheyden war es der letzte Auftritt als Vorsitzender des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis. Die Geschicke des Preises hätten bei ihm stets in guten Händen gelegen, würdigte BDZV-Präsident Helmut Heinen. Es sei beruhigend zu wissen, dass Terheyden dem Kuratorium noch weiter angehören wolle und man auch künftig auf seinen Rat und Ermutigung rechnen dürfe.

 

Anlässlich der Festveranstaltung im Schloss Bellevue waren neben Gästen aus Verlagen, Politik und Kultur auch rund 140 Träger des Theodor-Wolff-Preises der vergangenen Jahre zugegen, darunter zum Beispiel der frühere ZDF-Chefredakteur Reinhard Appel; Günther von Lojewski, langjähriger Intendant des SFB; Herbert Riehl-Heyse, einer der herausragenden Autoren von Zeitungsreportagen, oder „GEO“-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede.

 

Wer liest, wer schreibt, was bleibt?

 

Um den Erfolg journalistischer Arbeit ging es in der von Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Berliner „Tagesspiegels“, geleiteten Podiumsdiskussion zum Thema „Wer liest, wer schreibt, was bleibt?“. Durchaus nicht einig waren sich die Teilnehmer bei der Frage, was eigentlich einen guten Journalisten ausmacht. So forderte Klaus Bresser, langjähriger Chefredakteur des ZDF und nun bei N-TV, eine gesunde Distanz der Berichtenden ein. Cordula von Wysocki dagegen, stellvertretende Chefredakteurin der „Kölnischen Rundschau“, hielt auch „Leidenschaft“ für wichtig, um die Leser mit dem, was man schreibt, zu berühren. Hellmuth Karasek, Publizist und Herausgeber des Berliner „Tagesspiegels“ wiederum wünschte sich hin und wieder auch die Aufgabe der Distanz und verwies auf das Vorbild Emile Zolas, der für seinen Artikel „J’accuse!“ ins Gefängnis gegangen sei. Gleichzeitig machte Karasek aber auch deutlich, dass „die Journalisten neben dem Bundesverfassungsgericht ein wichtiges Kollektiv unseres Gemeinwesens“ seien und damit große Verantwortung trügen.

 

Hermann Beckfeld, Chefredakteur der „Ruhr Nachrichten“ in Dortmund, stellte fest, dass ein guter Journalist „auch ein Teamspieler“ sein müsse. Cordt Schnibben, Ressortleiter und Reporter für das Hamburger Magazin „Der Spiegel“, nutzte die Gelegenheit zur Ehrenrettung der Reportage und wetterte: „Ich halte nichts von dem Gejammer, dass die Reportage stirbt. Die Reportage guckt genauer hin als jede Kamera, sie befriedigt Hintergrundinteressen und unterhält die Leser.“ Gute Sprache allein reiche heute allerdings zum Schreiben einer Reportage nicht mehr aus, es müssten neue Themen entdeckt werden. Wichtiges Ingredienz für den guten Journalisten aus Schnibbens Sicht ist folglich auch die Neugier.

 

Alles schön und gut, wandte darauf Beckfeld ein, bei der augenblicklich schwierigen wirtschaftlichen Situation sei es gleichwohl schwer, eine längere Reportage in einer typischen regionalen Zeitung unterzubringen. Es fehlten sowohl der Platz als auch die Zeit für herausragende Stücke in der täglichen Arbeit. Das bestätigte auch Cordula von Wysocki, die verlangte, dass sich regionale Zeitungen noch schärfer profilieren müssten. Und dies vor allem im Lokalen. „Der Heldenplatz des Journalisten ist im Lokalen“, sekundierte Hellmuth Karasek. Ein frecher Leitartikel gegen US-Präsident Bush koste nichts. Doch die Unabhängigkeit des Journalisten vor Ort, gegenüber den lokalen Größen, sei der Prüfstein.

 

Die Preisträger

 

Fünf Journalisten wurden mit dem Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis gewürdigt. Der mit 6.000 Euro dotierte Preis in der Kategorie „Leitartikel/Kommentar/ Essay“ geht an Regine Sylvester, „Berliner Zeitung“. Die ebenfalls mit 6.000 Euro dotierten Preise in der Sparte „Allgemeines“ erhalten Wolfgang Büscher („Die Welt“, Berlin) und Irena Brežná („Freitag“, Berlin). In der Kategorie „Lokales“ werden Peter Schwarz (Zeitungsverlag Waiblingen) und Lothar Häring („Schwäbische Zeitung“, Leutkirch) ausgezeichnet.

 

Der renommierteste deutsche Journalistenpreis ist nach dem ehemaligen Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff, benannt und wird seit 1962 jährlich vom BDZV verliehen. An der Ausschreibung hatten sich 376 Journalistinnen und Journalisten beteiligt.

 

Der unabhängigen Jury zum Theodor-Wolff-Preis gehören an: Gernot Facius (Autor „Die Welt“, Berlin); Dr. Helmut Herles (Chefkorrespondent „General-Anzeiger“, Bonn); Herbert Kolbe (Chefredakteur „Emder Zeitung“); Ralf Lehmann (Chefredakteur a.D., Hattingen); Stephan Richter (Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg); Herbert Riehl-Heyse (leitender Redakteur „Süddeutsche Zeitung“, München); Dr. Klaus Rost (Chefredakteur „Märkische Allgemeine“, Potsdam); Jost Springensguth (Chefredakteur „Kölnische Rundschau“) sowie Dr. Uwe Vorkötter (Chefredakteur „Berliner Zeitung“)

 

Die Rede von Rolf Terheyden im Wortlaut

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