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02. Oktober 2014 | Allgemeines

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Jubiläumskongress in Berlin: Zeitungen haben bei der Einordnung von Themen besondere Stärke

Der Zeitungskongress 2014 - Zitate, Videos, Bilder, Links und Infos

Themen: Online

Erhellende Impulse aus der deutschen Start-up-Szene, zukunftsweisende Eindrücke aus der Schweiz und den USA, ein stimmungsvoller Abend der Zeitungsmacher, ein eindrucksvoller Blick zurück: Der Zeitungskongress 2014 am 29. und 30. September in Berlin bot den rund 550 Gästen zahlreiche Highlights.

Wenn Leser im Netz die Qualität der gedruckten Zeitung vorfinden, werden sie auch bereit sein, dafür zu bezahlen, so die Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Festrede zum 60. BDZV-Verbandsjubiläum. Die Einordnung der Zeitungsredaktionen sei „bei der unendlichen Flut von Informationen noch wichtiger“ als bisher.

BDZV-Präsident Helmut Heinen hatte den Zeitungskongress mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft der Zeitung eröffnet (hier kommen Sie zur Rede) – und gleichzeitig mit Kritik am gesetzlichen Mindestlohn.

Angela Merkel wies die Kritik in ihrer anschließenden Rede entschieden zurück. Neben guten Wünschen für Verband und Branche versicherte die Bundeskanzlerin aber, sich für den Schutz des geistigen Eigentums und für Chancengleichheit bei Suchmaschinen einzusetzen.

Ein mitreißendes Plädoyer für digitalen Journalismus hielt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE. „Unmittelbarer Dialog mit dem Leser macht digitalen Journalismus konkurrenzlos intelligent“, gab Döpfner seinen Kollegen mit auf den Weg.

Ein Paradebeispiel für Qualitätsjournalismus im Netz: Die US-Website „Politico“ von Mitbegründer und Chefredakteur John F. Harris. Harris bot in Berlin einen Einblick in die Erfolgsgeschichte der Website, deren Abonnement nach seinen Angaben inzwischen 10.000 Dollar im Monat kostet: „Wir machen nicht alles, aber wenn, dann machen wir es richtig.“ Döpfner und Harris arbeiten künftig zusammen: Springer und „Politico“ hatten kürzlich angekündigt, ein gemeinsames europäisches Projekt in Brüssel zu starten.

Im Politiker-Panel, moderiert von Joachim Dorfs, Chefredakteur der „Stuttgarter Zeitung", sprachen Katja Kipping, Bundesvorsitzende Die Linke, Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender, Thomas Oppermann, Vorsitzender der SDP-Bundestagsfraktion, und Manfred Weber (CSU), Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, über ihre persönliche Beziehung zu Tageszeitungen. Für Kipping gehört die Zeitungslektüre zum Alltag. Laut Oppermann können Blogger niemals Zeitung ersetzen. Oppermann: „Ohne Zeitung keine Demokratie!“ Lindner forderte, das Geschäftsmodell der Zeitung dürfe nicht durch Politik erschwert werden. EVP-Fraktionschef Weber sekundierte: Er habe „Null-Verständnis" für das „zurückhaltende Verhalten der EU Kommission im Fall Google“.

Pietro Supino, Verleger von Tamedia (unter anderem „Tages-Anzeiger“, Zürich) erzählte in der Keynote am zweiten Kongresstag die Erfolgsgeschichte seines Verlags. „Bei neuen digitalen Geschäftsmodellen muss man lernen, mit Ungewissheiten zu leben", sagte Supino.

Auch das anschließende Start-up-Panel begeisterte und sorgte für eine Tweet-Flut: Ulrich Gathmann, Geschäftsführer der Nordwest Medien in Oldenburg, Verena Pausder, Co-Gründerin von Fox&Sheep, und Florian Heinemann, Gründer und Geschäftsführer von Project A Ventures, zeigten auf, wie Verlage mit Start-ups kooperieren können und sollten. Gathmann rät den Verlagen, Erfahrungen zu sammeln, Synergieeffekte zu schaffen und ein nachhaltiges Portfolio aufzubauen. Man brauche ein solides Unternehmen, um mit Start-ups erfolgreich kooperieren zu können. Und: „Gründer sind meist nicht verlagskonform. Das muss man aushalten können!“ Verena Pausder gab einen Einblick in die Arbeit ihres erfolgreichen Unternehmens – und Tipps für einen aussichtsreichen Wandel. Bevor man etwas Neues angehe, müsse man dafür Platz schaffen. Etwa durch einen „Stop-doing-Tag": auf Projekte verzichten und anschließend schauen, ob man diese wirklich vermisse. Erfolgreich seien Verlage laut Gathmann und Heinemann dann, wenn es gelungen ist, neben dem eigentlichen Kerngeschäft digitale Kompetenz aufzubauen. Tagesmoderator Werner Lauff gab für weitere Inspirationen den Tipp, den neuen BDZV-Report „Zeitungsverlage und Start-ups“ zu lesen. Lauff: „Der Report ist spannend wie ein Krimi.“

Native Advertising – wenn aus Werbung Content wird“: Nicolas L. Fromm, Geschäftsleitung Digitale Medien medienholding:nord, Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Medien der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und Thomas Vogt, Geschäftsführender Gesellschafter NativeAds GmbH, sprachen am zweiten Kongresstag über Native Ads – und hatten sehr unterschiedliche Sichtweisen. Laut Blumencron heißt die einzige Überlebenschance für Zeitungen im Netz: Glaubwürdigkeit. Er plädiert deshalb für eine saubere Trennung von eigenem und vom Kunden erstellten redaktionellen Content: „Wenn wir uns an Regeln halten, habe ich mit Native Advertising kein Problem." Laut Fromm und Vogt geht es bei Native Ads um gute Geschichten, bei denen der Absender stets erkennbar sei.

Verleger Dirk Ippen (unter anderem „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“, „Münchner Merkur“) betonte in seinem Impuls das Alleinstellungsmerkmal der deutschen Zeitungsbranche: „Nicht Google hat 1500 Redaktionen in Deutschland, das haben nur wir.“ In einem anschließenden Gespräch, moderiert von Astrid Frohloff, sprach Ippen mit den Verlegern Matthias Ditzen-Blanke („Nordsee-Zeitung“), Philipp Krause („Goslarsche Zeitung“) und Hans-Christian Haarmann über die Stärken des Lokaljournalismus.

Ein Höhepunkt des Kongresses: Der Vortrag eines Mannes, der die Geschichte der Branche verkörpert, wie kaum ein anderer: Alfred Neven DuMont, Aufsichtsratsvorsitzender der Mediengruppe M. DuMont Schauberg. Eindrucksvoll erzählte der BDZV-Ehrenpräsident Zeitungsgeschichte, auch kommentierte er aktuelle Entwicklungen. Für Neven DuMont sind die größten Rivalen der Verlage längst nicht mehr andere Verlagshäuser, sondern der öffentlich-rechtliche Rundfunk, Google oder Facebook. Das Kartellrecht sei deshalb veraltet. „Das Kartellrecht ist eine reine Lehre, aber die reine Lehre von gestern.“ Zum Abschluss gab er noch eigene Gedanken zur Zukunft mit auf den Weg: profunde Hintergrundstorys, vertiefende Reportagen, Zusammenhänge aufstellen - „das können nur wir.“

Das Kongress-Video, Bildergalerien, Vorträge und Reden sowie eine Einstimmung auf den Zeitungskongress 2015 in Regensburg finden sich hier.

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