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08. November 2007 | Allgemeines

Breit gestreut, rund um die Uhr, lokal kompetent - Zeitungen müssen ihre Angebote im Internet weiter optimieren

Medientage München: Expertendiskussion beim Printgipfel

Sind die deutschen Zeitungsverleger mutig und sind ihre Produkte innovativ? Vor allem, wenn es um die Herausforderungen des Internets und der fortschreitenden Digitalisierung geht? Sie sind sogar hochinnovativ, versicherte Bodo Hombach, Geschäftsführer der Mediengruppe WAZ (Essen) beim Printgipfel anlässlich der Medientage München am 8. November 2007. "Wir experimentieren doch mit Formen, Inhalten, Größe, dem Preis wie nie in unserer Geschichte." Klar sind die Verleger mutig, bestätigte auch BDZV-Präsident Helmut Heinen, das traditionelle konservative Bild treffe nicht zu. Allerdings bewegten sich die Verlage heute auf Schauplätzen, wo es viel größere, internationale Player gebe. Und da stelle sich durchaus die Frage, "ob unsere Betriebsgrößen noch stimmen". Bei näherer Betrachtung habe sich die Struktur des deutschen Zeitungsmarktes seit Mitte der 70er Jahre nicht wesentlich verändert.

Printgipfel

Medientage Muenchen
7. bis 9. November 2007
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[Printgipfel Medientage Muenchen 7. bis 9. November 2007 ------------------------------------------------ [Ganz so harmonisch wollte Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", die Situation bei der von BDZV und Verband Bayeri­scher Zeitungsverleger gemeinsam veranstalte­ten Runde unter dem Motto "Ideen, Innovationen, Investitionen" dann doch nicht sehen. Die Zeitun­gen hätten endlos darüber debattiert, ob im Inter­net ihre Inhalte kannibalisiert würden; ob ihre Anzeigenmärkte kannibalisiert würden. "Jetzt ist es zehn Jahre später, wir stehen im Grunde im­mer noch am Anfang und fragen: Was sollen wir tun?" Ein Beispiel? "Spiegel online ist heute das führende Informationsmedium für tagesaktuelle Nachrichten. Warum nicht der Online-Dienst einer Zeitung? Den Zug haben wir Zeitungen erst ein­mal verpasst", bedauerte Vorkötter.

Printgipfel

Medientage Muenchen
7. bis 9. November 2007
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[Printgipfel Medientage Muenchen 7. bis 9. November 2007 ------------------------------------------------ [Das müsse aber nicht das letzte Wort sein, wi­dersprach Christoph Keese, Chefredakteur der "Welt am Sonntag" (Berlin) und Welt online. Seine Überlegung: Online ist ein "Büro-Medium", die stärkste halbe Nutzungsstunde ist die mittags um 12.30 Uhr. Für diese Zeit machten aber die auf den späten Redaktionsschluss fixierten klas­sischen Zeitungen (und ihre Online-Dienste) keine Angebote. Wie sei also zu erreichen, dass die Zeitung etwas anbietet, "ohne dass der Re­dakteur doppelt so viel schreiben muss bei schlimmstenfalls halber Qualität"? Keeses Über­zeugung nach werden Zeitungen nur dann im Internet erfolgreich sein, wenn sie ein breit ge­streutes Angebot machen. "Es gibt nichts im Internet, was nicht gelesen wird. Jedes Angebot schafft neue Nachfrage!"

Bei der Verknüpfung von Angebot und Nach­frage behilflich sein will Terry von Bibra, Ge­schäftsführer von Yahoo! Deutschland und Vice President Yahoo! International. "Wir sehen uns als Partner der Verlage, nicht als Konkurrenten." Kerngeschäft eines Verlages sei es, Inhalte zu schaffen, egal auf welchem Distributionsweg. "Aber im Internet könnten wir mit unserer Exper­tise behilflich sein und unsere Assets zum gegen­seitigen Nutzen vermischen." Etwa mit Targeting und integrierter Suche, damit die Nutzer das, was sie suchen, auch wirklich einfach finden können. Selbst eine Kooperation wie in den USA, wo mehr als 40 teils große Verlagshäuser mit Yahoo! zu­sammenarbeiten, sei denkbar, wenn auch "nicht in den nächsten Monaten".

 

Hoher Gebrauchswert

Printgipfel

Medientage Muenchen
7. bis 9. November 2007
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[Printgipfel Medientage Muenchen 7. bis 9. November 2007 ------------------------------------------------ [Die Zukunft der Zeitung liegt in ihrem hohen Gebrauchswert und hier insbesondere in ihrer lokalen und regionalen Kompetenz, zeigte sich Bodo Hombach überzeugt, egal ob gedruckt, online oder mobil. Für den Vertrieb gedruckter Zeitungen hatte der WAZ-Manager noch ein spe­zielles Rezept: Zeitungen seien ein sehr emotio­nales Produkt. Wehe, das abonnierte Blatt liege morgens einmal nicht im Briefkasten. Wenn eine entsprechende Beschwerde in Essen einlaufe, habe er deshalb die Devise ausgegeben: "Sagt am Telefon als erstes: Um Gottes willen!"

Gegen Ende stellte Moderator Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de, noch einmal das Konfliktthema Mindestlohn für Postzusteller zur Diskussion. Bodo Hombach bezeichnete den Vorstoß der Deutschen Post, die jüngst einen entsprechenden Tarifvertrag mit ver.di geschlos­sen hat, als reine „Abwehrschlacht gegen private Konkurrenten“. So sollten noch vor dem Fall des Postmonopols zur Jahreswende die Kosten für die privaten Wettbewerber in die Höhe getrieben werden. Auch BDZV-Präsident Heinen hielt die Mindestlohn-Pläne für ein „Eigentor der Politik“. Wenn einer der bereits am Markt aktiven privaten Postdienstleister scheitere, gingen „schlicht bis zu 20.000 Arbeitsplätze verloren“.

Zuvor hatte der erste Vorsitzende des Ver­bands Bayerischer Zeitungsverleger und Ge­schäftsführer der „Augsburger Allgemeinen“, Andreas Scherer, an die Politik appelliert, alles zu unterlassen, was der Entwicklung der Presse schadet, und alles zu fördern, was dem Erhalt der Qualität eines vielfältigen redaktionellen Angebots zuträglich ist. „Wir begrüßen es daher ausdrück­lich, dass die bayerische Staatsregierung den Verlagen in der anstehenden Novellierung des BayMG im Bereich der analogen Technik eine stärkere Beteiligung an Hörfunk und Fernsehen erlaubt“, sagte Scherer in seiner Einführung zum Printgipfel. Der Verbandsvorsitzende forderte, den Zugang zu Rundfunk und Fernsehen zu er­leichtern, denn eine Reglementierung, bei der Zeitungsverlage wegen der Gefahr von Doppel­monopolen und Knappheit der Frequenzen nur eingeschränkt im Rundfunkbereich tätig sein dürften, sei heute nicht mehr zeitgemäß. „Die Verlage brauchen alle Möglichkeiten des Inter­nets, deshalb muss auch Abhängigkeit von Platt­formbetreibern vermieden werden. Hochwertige Inhalte müssen überall verbreitet werden dürfen“, mahnte Scherer weiter an. (vollständige Rede)

„Wir wollen Wettbewerbsgleichheit schaffen, damit sich Zeitungsverlage zu multimedialen Verlagshäusern entwickeln und crossmedial tätig werden können“, versprach Staatsminister Eber­hard Sinner, Leiter der Bayerischen Staatskanz­lei, in seiner Begrüßungsrede. Diese Vorgabe werde auch in die Novellierung des Bayerischen Mediengesetzes einfließen. Ferner sagte der Minister, dass die Zeitungen mit ihrer Kernkom­petenz auch im digitalen Zeitalter einen enormen Vorteil hätten: „Die Redewendung, etwas schwarz auf weiß haben, ist nicht veraltet“, versicherte Sinner.

 

Fotos: Völkner

Medientage München - Fotogalerie

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