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12. Februar 2003 | Allgemeines

Boomzeiten für „E-Paper“

Neuer Vertriebsweg für das Printprodukt / 80 Teilnehmer diskutieren Konzepte beim BDZV-Fachtag

Noch vor wenigen Jahren hätte die Idee für Kopfschütteln gesorgt: ein Abbild der gedruckten Zeitung im Internet? Heute erobert diese Vertriebsmöglichkeit für die wie gedruckt auf Computerbildschirmen erscheinende Zeitung mit Riesenschritten die Köpfe der Verlagsmanager in aller Welt. Mehr als 100 Zeitungen haben inzwischen entsprechende Angebote für ihre Leser installiert. Über 20 Anbieter von „E-Paper“-Systemen gibt es auf dem Markt – gerade einmal drei waren es vor 2001. Fünf Anbieter konnten ihre Lösungen beim BDZV-Fachtag in Düsseldorf vorstellen. Die Beantwortung rechtlicher Fragen und die Stellung der IVW zur Zählung dieser Ausgaben rundeten das Programm ab.

Für die Verlage ist die Einführung von E-Paper in erster Linie eine strategische Entscheidung. „E-Paper kann als Stand-alone-Lösung ein neuer Vertriebsweg für die gedruckte Zeitung sein. Es kann aber auch, in den digitalen Workflow integriert, die Basis für eine Fülle von Online-Mehrwertdiensten bilden, die das gesamte Angebotsspektrum des Verlags für Leser, Firmen- und Anzeigenkunden berührt“, erläuterte Katja Riefler, Autorin der soeben erschienenen Studie „E-Paper 2003“, die den Fachtag moderierte. Bereits von Verlagen praktizierte Mehrwertdienste gebe es beispielsweise bei Archivvermarktung, Presseausschnittdiensten, im elektronischen Billing und Belegversand sowie bei Zusatzservices für Anzeigenkunden.

 

„Rhein-Zeitung“: 2.300 zahlende E-Paper-Kunden

 

Exakt ein Jahr Erfahrung mit E-Paper als kostenpflichtigem Dienst hat die „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz. 2.300 Abonnenten konnten seit dem 1. Februar 2002 von dem elektronischen Zusatzangebot zum Printabonnement überzeugt werden – durchschnittlich 2.000 Visits pro Tag zeugen von einer intensiven tatsächlichen Nutzung. Für Joachim Türk, Geschäftsführer der RZ Online GmbH, sind das Archiv, die flexible Zugriffsmöglichkeit über das Internet und die Personalisierungsmöglichkeiten die Trumpfkarten. Nur ein Prozent der User entscheide sich für den gleichfalls angebotenen Download. Für Türk gehört die E-Paper-Zukunft Online-Mehrwertdiensten: „35 Prozent der Befragten (Nutzerumfrage November 2002, Anm. d.Verf.) wollen Zusatzservices zu gedruckten Anzeigen.“ Mit einem neuen Auto-Angebot trägt die „Rhein-Zeitung“ diesem Bedürfnis jetzt Rechnung. Für Firmenkunden wird ein Clipping-Dienst angeboten.

 

Auf umfassende Services für Leser und Anzeigenkunden setzt auch das Stuttgarter Medien System Haus (MSH). Bereichsleiter Martin Zielonka stellte „MSH-WEB: digiPaper“ vor, das noch im ersten Quartal bei den Pilotkunden „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ online gehen wird. Hervorstechendstes Merkmal dieses vollautomatisch erstellten Produkts sind umfangreiche Suchmöglichkeiten in Text und Anzeigen.

 

Printauflage stabilisieren

 

Für Thomas Schultz-Homberg, Leiter Multimedia beim Dresdner Magazin Verlag und verantwortlich für die E-Paper-Lösung der „Sächsischen Zeitung“, steht im Kontrast dazu der neue Vertriebsweg für das etablierte Produkt im Vordergrund. User können sich die Zeitung als E-Paper auf den eigenen Rechner laden und offline lesen. Mit dem Marketing für das Produkt (Kampagne: „Die Zeitung aus der Leitung. Schneller als die Druckerei erlaubt“) wurde jetzt gerade erst im Januar begonnen.

 

Stark am Printprodukt orientiert ist auch die Lösung der US-amerikanischen Firma „Newsstand“, die Josef Heinle präsentierte. Umfassender Schutz der Rechte des Verlags steht hier im Vordergrund. Der User muss sich die Zeitung auf den eigenen Rechner laden. Er benötigt eine spezielle Software zum Anzeigen der Daten. Der Verlag kann bestimmen, ob das E-Paper gedruckt werden darf und wie lange es auf dem Rechner des Kunden sichtbar bleibt. Ab April 2003 soll es dann auch eine online lesbare Variante geben.

 

Die Chemnitzer evolver media GmbH stellte mit PAPERSTICK eine Hardware-E-Paper-Lösung vor. Die tägliche Ausgabe lädt sich der User auf ein feuerzeuggroßes Endgerät, das an verschiedene Computer angeschlossen werden kann. Kopieren und Weitergeben der Daten ist nicht möglich.

 

Archiv-Angebote: Vorsicht bei Unterlassungsverpflichtungen

 

Ricarda Veigel vom BDZV betrachtete die rechtliche Seite der E-Paper-Angebote in Bezug auf Urheber-, Presse- und Wettbewerbsrecht. Solange ein solches E-Paper das exakte Abbild der gedruckten Zeitung sei, gebe es urheberrechtlich wenig Probleme; zur Absicherung könne man in Vertragsklauseln auf die zusätzliche Erscheinungsform hinweisen. Bei Unterlassungserklärungen sei in Bezug auf elektronische Archive Vorsicht geboten. Veigel: „Sie müssen sicher stellen, dass der beanstandete Artikel auf keinem Weg mehr erhältlich ist, auch nicht auf Anfrage.“ Es sollte ein festes innerbetriebliches Procedere geben, nach dem bei Unterlassungsverpflichtungen alle betroffenen Abteilungen im Haus nachweislich informiert werden, empfahl die Expertin.

 

Wettbewerbsrechtlich seien Anzeigen für E-Paper als Eigenwerbung zu betrachten, für die die entsprechenden Regelungen gälten. Wichtig sei angesichts der im Internet praktizierten Abmahnpraxis die korrekte Anwendung der seit Januar 2003 geltenden neuen Preisangabenverordnung. Neben dem Endpreis sei anzugeben, dass der Preis „die Umsatzsteuer und sonstige Preisbestandteile enthalte“, Zustellkosten müssten gegebenenfalls gesondert ausgewiesen werden.

 

Hans-Günther Rüsch, Leiter Auflagenprüfung der IVW, erläuterte abschließend die Anforderungen der IVW an eine Zählung von E-Paper-Angeboten seit Januar 2003 als gesondert ausgewiesene zusätzliche Printauflage. Unverzichtbar sei die Identität des Werbeträgers, die Download-Möglichkeit und die bezahlte Zugangsberechtigung. Interessierte Verlage, deren Printobjekte von der IVW gezählt würden, könnten formlos einen Antrag auf Erfassung stellen. Rüsch warnte allerdings vor einer zu starken Tendenz zu Online-Mehrwertdiensten. Damit würde die Identität zwischen Print- und Online-Ausgabe als Voraussetzung für die Ausweisung als verkaufte Auflage gefährdet.

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