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16. September 2009 | Allgemeines

Beziehungen statt Produkte – Anerkennung statt Aufmerksamkeit

Trendforscher Wippermann plädiert für soziale Netzwerke/ Podiumsdiskussion: Zeitungen haben keinen Anlass zu Defätismus

Die typische Familie von heute lebt real zu¬sammen, medial jedoch getrennt, meint der Hamburger Trendforscher Professor Peter Wippermann (Trendbuero Hamburg). Unsere Gesellschaft zerfällt in Gemeinschaften. Nach¬richten und Informationen werden nicht mehr durch ein gleichsam patriarchalisches System vom Empfänger über die Verteiler an die Kon¬sumenten verbreitet, sondern über Netzwerke.

Zeitungskongress2009 5908Für die Medien bedeutet dies, erläuterte Wippermann beim Zeitungskongress in Fulda, dass sie selbst Teil von Communitys werden oder eigene Communitys bilden müssten. Die Her­ausforderung heiße dabei nicht, sich gegen Google oder Wikipedia zu behaupten, die bereits seit elf beziehungsweise acht Jahren am Markt agierten, sondern mit Twitter, iPhone und Kindle intelligent zu kooperieren oder konkurrierende Angebote zu machen.

Bedenklich sei dabei, so der Trendforscher, dass laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur 70 Prozent aller angestellten Redakteure zwar glaubten, in Zukunft beruflich noch stärker unter Druck zu stehen als bisher. Zugleich er­warteten aber weniger als sieben Prozent, dass Micro-Blogging – wie Twitter – etwas mit ihrem Beruf zu tun habe. Künftig, warnte Wippermann, werde es jedoch weniger darum gehen, Produkte zu verkaufen, sondern „Beziehungen“. Gehandelt werde „Anerkennung“, nicht „Aufmerksamkeit“. Die Zeitung habe in diesem Beziehungs- und Empfehlungsgeschäft gute Chancen, denn das Vertrauen beispielsweise in Zeitungswerbung sei extrem hoch (63 Prozent) und werde nur noch durch Empfehlungen von Konsumenten getoppt (78 Prozent). Sein Ratschlag: „Das wichtigste ist, dass man Zeitungen einmal ohne Papier denkt.“

 

Podium Zeitenwende

Das allerdings sah Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, in der anschließenden Podiumsdiskussion „Zeiten­wende – Die Zukunft Deutschlands und die Me­dien“ doch anders. Neben Internetausgaben werde es noch viele Jahre gedruckte Blätter ge­ben. Denn „es ist einfach auch praktisch, mor­gens eine Zeitung in den Händen zu halten“. Selbstbewusst angesichts der neuen Konkurrenz zeigte sich auch Holger Steltzner, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es gebe keinen Grund zu Defätismus. Die Menschen brauchten in Zukunft mehr Orientierung als bis­her, und genau das leiste die Zeitung. Im Übri­gen, so Steltzner bildeten der Leser und seine Zeitung „immer schon ein soziales Netzwerk“.

Der US-Botschafter a.D. John C. Kornblum warnte vor großen politischen und strategischen Veränderungen nach der Bundestagswahl. An­ders als in den USA, wo die Bürger mit „Angriff“ auf Herausforderungen reagierten, suchten sie in Deutschland die „Stabilität“. Bestes Beispiel dafür sei Adenauers Bonmot: „Keine Experimente!“. Wichtig sei nicht die schnelle Information, son­dern nur die Frage, ob der Leser etwas damit anfangen könne. Kornblum glaubt, dass die Zei­tung sich mehr als „öffentlicher Dienst“ verstehen sollten, der „nicht so hohe Gewinne“ erzielen muss.

Kurz und knapp war die Antwort von Ökonom Michael Hüther auf die Frage, ob denn staatliche Subventionen für Zeitungen in Zukunft sinnvoll sein könnten: „Ich kann den ordnungspolitischen Bedarf dafür nicht sehen.“ Ähnlich präzise war Hüthers Ansage zu der Bemerkung von Modera­tor Hans Werner Kilz (Chefredakteur „Süddeut­sche Zeitung“, München), dass zwar niemand den Finanz- und Wirtschaftskollaps als Folge der Lehman-Brothers-Pleite vorhergesehen habe, ihn aber im Nachhinein jeder habe erklären können: „Der Ökonom macht zwar Prognosen, aber er ist kein Prophet“, konstatierte Hüther. Terminierung und Ausmaß einer solchen Krise könnten schlicht nicht vorhergesagt werden.

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