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05. November 2007 | Digitales

Bewegte Bilder auf Zeitungswebsites boomen

Verlage erweitern ihre Online-Präsenz mit Web-TV-Angeboten

Themen: Bewegtbild, Online

Immer mehr Zeitungsverlage bieten im Internet Videoclips an. Sie sehen darin eine neue Chance, ihre Reichweiten zu erhöhen und neue Werbeerlöse zu generieren. Innerhalb weniger Monate ist die Zahl der Zeitungsverlage, die in bewegten Bildern über regionale und lokale Geschehnisse berichten, deutlich angestiegen. Laut einer Untersuchung im Studiengang Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt vom Mai 2007 bieten von 109 untersuchten Zeitungswebsites bereits 52 Verlage Videoclips an.

Treiber der Entwicklung ist die wachsende Zahl der schnellen Internetverbindungen. Mittlerweile surft die Hälfte der Deutschen mit Highspeed und zu günstigen Flatrates. Auch die Hard- und Softwarekosten für die Produktion von Bewegtbildern sind im Vergleich zu früher auch für kleinere Medienhäuser finanzierbar geworden.

Zugelieferte Videoclips

Die ersten Schritte im Bewegtbild-Medium haben die Verlage in den vergangenen zwei Jahren in Kooperation mit Content-Providern wie Zoom.in gemacht. Die niederländische Agentur unterhält in einer Reihe von europäischen Ländern Videonachrichtendienste. Täglich werden rund 150 überregionale Filme aus Bereichen wie Inland, Ausland, Börse, Sport, Film, Kultur und Unterhaltung angeboten. Sie lassen sich ohne großen Aufwand in die eigene Website integrieren. Zoom.in arbeitet in Deutschland mit der Nachrichtenagentur Associated Press zusammen.Bild FlyerDas Angebot, das hierzulande knapp 30 Zeitungsredaktionen übernehmen, ist für diese kostenlos. Zoom.in definiert sich als Medienpartner und nutzt die Internet-Seiten der Verlage als Abspielplattform. Finanziert wird das Angebot über integrierte Werbung in den Videoclips, wovon aber nur Zoom.in profitiert. Daneben dominiert Reuters die Videoangebote der Nachrichtenseiten. Bei Reuters dürfen die Videos bearbeitet werden, um beispielsweise Werbeclips zu integrieren. Die Nachrichtenagentur will lediglich als Urheber der Videos kenntlich gemacht werden. Einen eigenen Videodienst startete in diesem Jahr die französische Agentur AFP. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) plant für das kommende Jahr ein Bewegtbild-Angebot. Anfang 2008 will auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in den Markt einsteigen. Neu sind zudem Kooperationen mit TV-Sendern. So bezieht RP Online seit Anfang Oktober Nachrichtenvideos von RTL. Fünf sendefertige Videos zu den Top-Nachrichtenthemen liefert der Privatsender pro Tag an den Düsseldorfer Verlag.

Eigenproduzierte Videos mit Lokalbezug

Um das eigene Profil zu stärken und sich von anderen Angeboten zu unterscheiden, stellen immer mehr Verlage eigenproduzierte Bewegtbilder aus der Region ins Netz. Schon heute zeigen 23 von 109 untersuchten Zeitungswebsites zumeist lokale Videos, wie die Darmstädter Studie belegt. Und diese lokalen Videoclips sind deutlich beliebter als überregionale Nachrichtenvideos. Sie werden bis zu dreimal häufiger aufgerufen als nationale Clips. Es wird aber nicht nur die Gesamtreichweite durch die zusätzlichen Klicks auf das Video-Angebot gesteigert. Auch das übrige Online-Angebot profitiert vom Traffic-Gewinn und wird stärker angeklickt, hat Heiko Gregor, Leiter Elektronische Medien beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag und Geschäftsführer der Nordclick GmbH festgestellt.

Es haben sich bisher zwei unterschiedliche Formate herausgebildet: Einerseits finden sich auf den Verlagssites Videoclips, die einen Nachrichtenartikel begleiten, meist ohne festes Sendeformat. Daneben bauen immer mehr Verlage ein serielles Format mit eigenem Markencharakter auf. Wiederkehrende Inhalte, bekannte Gesichter und ein klar definierter Handlungsrahmen sind die wichtigsten Kennzeichen dieser Darstellungsform. Bei lokalen oder regionalen Verlagen findet dieses Format seinen Ausdruck in klassisch präsentierten Nachrichtensendungen, wie sie auch vom Fernsehen bekannt sind.

„Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Vorreiter

Vorreiter unter den deutschen Tageszeitungen bei den seriellen Videoformaten ist der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (KSTA). Im Juni 2006 wurden die ersten Videos produziert. Seit Oktober 2006 wird mit einem Team von rund zehn freien Journalisten jeden Tag eine Nachrichtensendung produziert. Nach Angaben von Online-Ressortleiter Jürgen Oehler hat der Kölner-Stadt-Anzeiger 40.000 Euro in die Technik mitsamt der Einrichtung eines kleinen TV-Studios investiert. Kernstück des unter der Adresse www.ksta.tv erscheinenden Angebots ist die werktäglich um 16 Uhr aktualisierte Sendung Rheinblick. „Damit erwischen wir gerade noch die Bürozeit“, erklärt Oehler. Mit seinen selbst entwickelten Formaten gibt sich KSTA.tv ein eigenes Profil. Volontär Christoph Hoffmann präsentiert einmal pro Woche in dem Format „Chris on Tour“ Geschichten aus dem Alltag und versucht sich etwa als Wasserski-Anfänger oder macht Reportagen über exotische Berufe in der Domstadt wie etwa einen Dom-Turmwächter oder eine Delphin-Therapeutin. Seit Anfang des Jahres werden beim Kölner Stadt-Anzeiger das Internet-Fernsehen ksta-tv und die gedruckte Zeitung von einem gemeinsamen Redaktionsteam gesteuert. Vom Newsdesk aus lenken Nachrichtenredakteure die einlaufenden Informationen in die verschiedenen Kanäle. Wichtige Themen werden gemeinsam mit der Print-Redaktion abgestimmt, produziert und querverlinkt. Damit intensiviere der Verlag seine Strategie, „das Internet als gleichwertigen Informationsweg zu nutzen“, heißt in einer Pressemitteilung.suedkurier.tv

Das Südkurier Medienhaus (Konstanz) startete sein Web-TV-Angebot auf www.suedkurier.tv im August 2007. Die Inhalte der lokalen Nachrichten stammen aus dem Verbreitungsgebiet und werden aus den 16 Lokalredaktionen sowie der Zentralredaktion der Tageszeitung zugeliefert. Im eigenen Studio produziert suedkurier.tv vier Formate: aktuelle Nachrichten, Kino-Magazin, Umfragen und Veranstaltungs-Tipps zum Wochenende.ksta tv

Bisher setzte die Website der „Hessisch/Niedersächsischen Allgemeine“ (HNA) auf überregionale Videos der Agentur Zoom.in. Seit Mitte Februar greift die Online-Redaktion selbst zum DV-Camcorder und produziert dreimal täglich die „Breaking News“ aus der Region (www.hna.de/multimedia.html). Learning-by-doing ist die Devise der Online-Redakteure, die alle bislang noch keine professionelle Ausbildung in der Videoproduktion absolviert haben.

Das „Handelsblatt“ schickt seine Printredakteure mit UMTS-fähigen Handys los, damit sie von überall und jederzeit Beiträge für den Mobile-Video-Blog senden können. Darüber hinaus bietet die Wirtschaftszeitung mit dem „Elektrischen Reporter“ (www.elektrischer-reporter.de) ein visuell ungewöhnliches Format: Der freie Journalist Mario Sixtus veröffentlicht ein Interview pro Woche mit Webgurus über die Entwicklung des Internets – dies im Stil alter schwarzweiß gedrehter Science-Fiction-Filme.

Das Videoangebot auf „Zeit online“ (www.zeit.de/video) ist in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen. Am Anfang standen vereinzelte Videoreportagen über Integration und Demografie in Deutschland. Diese Formate wurden durch Video-Reportagen über Spießer, Sparer, Linke oder die Fußball-WM 2006 in der Provinz ergänzt. Neben Auszügen über Zeitgeschichtliches und Kurzfilmen präsentiert Zeit online wiederkehrende Formate. Besonders populär: die Videokolumne des Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein und „Dr. Max erklärt die Welt“, eine Art „Sendung mit der Maus für Erwachsene“. Das inhaltlich sehr breit angelegte Programm wurde in diesem Jahr für den Grimme Online Award im Bereich „Wissen und Bildung“ nominiert. Bis zu 300.000 Nutzer monatlich schauen sich die bewegten Bilder auf Zeit online an.

Bei Axel Springer kümmert sich seit Anfang des Jahres die neugegründete Verlagstochter Axel Springer Digital TV (ASDTV) um Bewegtbild-Angebote. Videos sollen vor allem für das Internet produziert und vermarktet werden. Zudem gebe es Überlegungen, eigene digitale TV-Kanäle zu entwickeln.

Nutzer zeigen private Videos

Die Mediennutzung vor allem der jüngeren Generationen hat sich gewandelt. Die Jugend tummelt sich auf Internetseiten wie YouTube, flickr oder MySpace. Nutzer sind immer mehr bereit, auch selber Videos zu erstellen und sie anderen Usern zu zeigen. Diesen Trend nutzen auch immer mehr Zeitungsverlage. In Kooperation mit der „Hamburger Morgenpost“ wird in Hamburg das interaktive Video-Stadtportal TVenty (www.tventy.de) betrieben. TVenty ging im November 2006 als Beta-Version online. Zu fünf verschiedenen Themenbereichen (Essen & Trinken, Party & Musik, Shopping & Style, Freizeit & Kultur, Just4Fun) können Videobeiträge eingereicht werden, die redaktionell betreut, getaggt und kommentiert werden können. Erst im Februar gestartet, präsentiert sich das von der Verlagsgruppe Holtzbrinck betriebene Portal Watchberlin.de vom ersten November an in komplett neuer Optik und mit überarbeiteter Technik. Bei Watchberlin.de (www.watchberlin.de) soll ein Mix aus neuen Web-TV-Formaten und von Usern erstellten Videos die Stadt Berlin und ihre Menschen aus einer neuen Perspektive zeigen. Die Videos werden teilweise auch bei tagesspiegel.de (www.tagesspiegel.de) und zeit.de eingebunden. Die Technik stammt vom IPTV-Dienstleister TV1.de. In diesem Jahr wurde das Angebot für den Grimme-Online-Award nominiert. Im Herbst will auch Bild.T-Online ein um alle Varianten des Web 2.0 runderneuertes Online-Portal starten. Auch Leserreporter dürfen dann ihre selbst gedrehten Videos hochladen.

Videos auf Online-Marktpätzen

Die neuen audiovisuellen Möglichkeiten werden auch immer mehr von Rubrikenportalen genutzt. Bereits seit Februar 2007 stellt das Immobilienportal immowelt.de einen unterstützenden Video-Clip-Service zur Verfügung. Die zum Verkauf angebotenen Objekte werden in einminütigen Videoclips präsentiert. Die benötigten Informationen und Daten des angebotenen Objekts sind mit einer professionellen Stimme gesprochen und mit stimmungsvoller Hintergrundmusik unterlegt.

Seit Juni 2007 wertet auch die Jobbörse stellenanzeigen.de ihr Angebot mit Videos auf. Arbeitgeber haben die Möglichkeit, Videos in ihre Online-Stellenanzeigen einzubinden. Die Clips vermitteln den Bewerbern auf diese Weise einen direkten Eindruck vom künftigen Arbeitsplatz. Eine auf audiovisuelle Kommunikation spezialisierte Agentur erstellt dabei die Videos nach individuellen Bedürfnissen der Kunden. Die Filme können an einem Drehtag im Unternehmen produziert, aus bestehendem Bildmaterial erstellt oder in Eigenproduktion entstanden sein.

Im Juli 2007 startete der regionale Onlinemarktplatz kalaydo.de mit einer Videofunktion in der Rubrik „Marktplatz“. Anzeigen können zusätzlich mit einem Filmclip mit bis zu 20 Megabyte geschaltet werden. Die Videofunktion ist kostenlos nutzbar. Bei entsprechender Auflösung lassen sich Spots von bis zu zehn Minuten Länge realisieren.

Auch das schleswig-holsteinische Anzeigenportal Nordclick.de (www.nordclick.de) bietet seinen Nutzern seit Oktober die Präsentation ihrer Produkte und Dienstleistungen in selbst gedrehten Videofilmen an. "Die Videoanzeigen eignen sich besonders gut für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen", erläutert Geschäftsführer Heiko Gregor. Tipps und Anregungen für den Videodreh liefert Nordclicks neuer Mitarbeiter "Manni Marktschreier". In seinen Videofilmen macht er vor, wie man ein Produkt über eine Videoanzeige präsentieren kann.

Seit Januar 2006 kooperiert die „Süddeutsche Zeitung“ mit JobTV24.de (www.jobtv24.de), einem europäischen Videoportal für Job und Karriere. Gemeinsam werden crossmediale Stellenmarktangebote für die Anzeigenkunden entwickelt. JobTV24 arbeitet auch mit anderen Tageszeitungen zusammen, unter anderem, „Zeit online“, „Rheinischer Merkur“ oder „Der Tagesspiegel“. Mitte August wurde eine Kooperation mit StudiVZ geschlossen.

Vermarktung von Bewegtbildern

Die lokalen Nachrichtenfilme sollen nicht nur Nutzer anziehen, sondern auch Werbekunden. Vermarkter sind optimistisch, dass das gelingt, denn Web-TV bietet viele Vorteile: Durch die Integration klickbarer Elemente kann der Nutzer direkt und sofort mit dem werbetreibenden Unternehmen in Kontakt treten, es entsteht eine messbare Interaktion. Messdaten wie Kontakthäufigkeit, Betrachtungsdauer, Ausstiegsraten und Klickaktivität können innerhalb eines Spots viel genauer als im Fernsehen erhoben werden. Auch die Werbemöglichkeiten sind vielseitig: Den News-Beiträgen können Werbespots vorangestellt (Pre-Rolls) oder angehängt (Post-Rolls) werden. In-Stream-Spots, wie sie das „Handelsblatt“ im Netz anbietet, sowie Split-Screen- und Sponsoring-Modelle sind ebenso denkbar (Zu Bewegtbild-Werbeformaten siehe Rubrik „Stichwort“). Lokale und regionale Kunden besitzen häufig kein eigenes Videomaterial. Entweder wird der Videoclip dann von der hauseigenen Video-Redaktion erstellt oder man hilft sich mit Werbeeinblendungen im Umfeld der Videos. Derzeit arbeitet der nationale Online-Vermarkter OMS gemeinsam mit der dpa-infocom an einem neuen Vermarktungsmodell für bewegte Bilder. Durch unterschiedliche Systeme und Video-Player können Nachrichten-Clips bundesweit bisher nicht optimal vermarktet werden. Die OMS arbeitet deshalb an der Entwicklung eines standardisierten Video-Players.

Eine weitere Möglichkeit der Erlösgenerierung mittels Online-Videoclips bietet Google künftig in den USA und womöglich bald in Deutschland an. Innerhalb seines Adsense-Networks will der Suchmaschinenkonzern thematisch passende Videos von der Plattform YouTube einbinden. Eine Zeitungssite, die sich beispielsweise mit dem Thema „Wandern“ beschäftigt, kann Wandervideos von YouTube auf der Site veröffentlichen. Allerdings stehen nicht alle Youtube-Videos zur Verfügung, sondern nur die von rund 100 ausgewählten Publishern. Die Clips will Google mit Pre- oder Postroll Ads versehen und die Werbeeinnahmen mit den Produzenten teilen.

Fehlende Branchenstandards

Ein Nachteil besteht momentan darin, dass es noch keine einheitlichen Branchenstandards bezüglich verlässlicher Zahlen für Web-Videos gibt. Zwar können die Vermarkter ihren Werbekunden die Abrufe der einzelnen Videos mitteilen, analog zu Page Impressions. Neutrale und vergleichende Übersichten zu zeitbezogenen Kennzahlen gibt es bisher jedoch nicht. Für Abhilfe will die Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung sorgen. Im ersten Quartal 2008 können erste Daten ermittelt werden. Erstmals wird damit der Faktor Zeit beziehungsweise die Nutzungsdauer in Daten einfließen.

Multimediale Ausbildung

In der Praxis wird noch viel experimentiert, was man den selbstproduzierten Videos häufig ansieht; verwackelte Bilder, ein schlechter Ton oder zu wenig spannende Geschichten. Umso wichtiger ist es, dass sich die Verlage rechtzeitig nach neuen Ausbildungswegen umsehen, um den wachsenden Nutzer-Anforderungen gerecht zu werden. Die Journalistenausbildung hat sich bereits auf diese geänderten Anforderungen eingestellt. Die Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage e.V. (ABZV) bietet im kommenden Jahr zahlreiche Seminare im Bereich Internet-TV, Videojournalismus und Videografie an www.abzv.de/Weiterbildung/Multimedia/Multimedia.php. Einzelne Verlage kooperieren mit Hochschulen. „RP Online“ startete beispielsweise ein gemeinsames Projekt mit der FH Düsseldorf zum Thema Video-Journalismus.

Beim „Axel Springer Verlag“ wurde im vergangenen Jahr die Journalistenausbildung komplett umgestellt. Die Redakteure sollen beispielsweise in der Lage sein, direkt aus den Pressekonferenzen heraus erste Meldungen für das Online-Angebot zu produzieren und auch Videos zu drehen. Die Henri-Nannen-Schule in Hamburg hat ein Multimediazentrum installiert, in dem Journalistenschüler den Umgang mit Bild- und Tonmaterial lernen. Und auch die Holtzbrinck-Journalistenschule in Düsseldorf richtet die Ausbildung ihrer Schützlinge bereits stärker auf multimediale Aspekte und Online-Fähigkeiten aus.

BDZV: Web-TV ist kein Rundfunk

Die rasant wachsende Verbreitung bewegter Bilder im Netz hat jetzt auch die Landesmedienanstalten alarmiert. Sie sind für die Vergabe von Rundfunklizenzen an private Anbieter zuständig. Geht es nach den Landesmedienanstalten, braucht künftig jeder Verlag eine Sendelizenz, der auf seiner Website lineare Video-Inhalte anbietet. Eine Ausnahme soll es geben: Wer mit seinem Web-TV-Angebot weniger als 500 Nutzer gleichzeitig erreicht, braucht keine Sendelizenz zu beantragen. Die Pläne der Landesmedienanstalten werden von den Zeitungen heftig kritisiert. „Wir werden IP-TV als von regulatorischen Auflagen völlig unbehindertes Geschäft aufbauen“, zeigt sich Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner von den Plänen bisher unbeeindruckt. Auch BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff, kritisiert die geplante Lizenzpflicht für Verlage. „Die Regulierung kommt aus einer Zeit, als Frequenzen und Übertragungswege knapp waren. Davon kann im Internet keine Rede sein.“ Da die Sendelizenz mit Kosten und zahlreichen Pflichten für die Anbieter verbunden ist, könne die Einführung von neuen Lizenzpflichten die Online-Strategien vieler Verlage gefährden.

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