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21. August 2002 | Allgemeines

Berichtsverbot für Fotojournalisten ist „Akt der Zensur“

BDZV und DJV verurteilen das Vorgehen der Deutschen Fußball-Liga / Agenturen erzielen Kompromiss

Der BDZV hat das Vorgehen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), demzufolge Fotojournalisten künftig während der Bundesligaspiele keine aktuellen Bilder aus dem Stadion zur direkten Verwertung während des Spiels an die Redaktionen senden dürfen, scharf verurteilt.

Mittlerweile ist die Bildberichterstattung der besonders betroffenen deutschen Nachrichtenagenturen über die erste Fußballbundesliga für die laufende Spielzeit gesichert. Darauf haben sich die DFL und die Agenturen Associated Press, Reuters, ddp und Deutsche Presse-Agentur am 16. August 2002 verständigt. Nach dem erzielten Kompromiss behalten sich beide Seiten vor, die Rechtefrage, Kern der Auseinandersetzung, gerichtlich klären zu lassen. Der Kompromiss sichert die Bildberichterstattung nur für die laufende Bundesligasaison. Die Agenturen haben sich verpflichtet, in dieser Zeit Fußballfotos aus den Stadien während des Spieles mit einem Sperrfristvermerk zu versehen. Danach dürfen die Bilder im Internet und in Mobilfunkdiensten erst nach Abschluss des Spiels verbreitet werden.

 

„Dies ist ein Akt der Zensur“, hatte zuvor der BDZV am 13. August 2002 in Berlin erklärt. Der Verband forderte die Verantwortlichen in der DFL auf, das Übertragungsverbot für Live-Fotos sofort aufzuheben. Anderenfalls würden die redaktionelle Leistungsfähigkeit und vor allem die Möglichkeit zur aktuellen Berichterstattung der Zeitungen in ihren Online-Diensten enorm eingeschränkt. Dies sei ein massiver Eingriff in die freie Berichterstattung, der die Online-Angebote der Verlage schädige.

 

Auch sei überhaupt nicht vermittelbar, führte der BDZV weiter aus, dass Verlage künftig dazu gezwungen würden, mit Fotografen zusammenzuarbeiten, die der DFL aussuche. Der Bundesligafußball sei keine Privatparty der DFL, sondern eine Veranstaltung von höchstem öffentlichen Interesse. Die Fußballbundesliga finde auch nicht in irgendwelchen privaten Hinterhöfen statt, sondern in Stadien, die mit vielen Millionen an Steuermitteln gebaut worden seien und deren Sicherheit durch aus Steuermitteln finanzierte Beamte gewährleistet werde.

 

In einem Schreiben an die Verlage appellierte BDZV-Vizepräsident Karlheinz Röthemeier, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Presse-Agentur, es sollte allen bewusst sein, „dass es in dieser Auseinandersetzung nicht um ein Kräftemessen zwischen Agenturen und DFL geht“. Die Agenturen vertreten in diesem Streit die ureigenen Interessen der gesamten Zeitungsbranche – ganz im Sinn des Grundrechts auf eine uneingeschränkte Berichterstattung. Röthemeier rief die Verlage dazu auf, Solidarität mit den Nachrichtenagenturen zu zeigen.

 

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte im Vorfeld des Kompromisses das Vorgehen der DFL nachdrücklich kritisiert. Mit der neuen Vertragspraxis werde massiv in die Arbeit von Online- und Tageszeitungsredaktionen eingegriffen und die Pressefreiheit beschränkt. Eine zeitliche Blockierung von Fotos mindere den aktuellen Informationsgehalt der Nachrichten und erweise sich im täglichen Redaktionsalltag als unpraktikabel, rügte der DJV. Vor allem bei Abendspielen gefährde die DFL-Auflage eine ordnungsgemäße und umfassende Berichterstattung in den Tageszeitungen. Zudem sei eine Arbeit mit „Hoffotografen“ der DFL oder deren exklusiven Lizenznehmern den Redaktionen unzumutbar. Der Journalisten-Verband forderte, die Aussperrung von Fotojournalisten aus der Fußballbundesliga sofort zu beenden. „Der Anspruch der Öffentlichkeit auf Information wiegt höher als die Kommerzialisierungsinteressen der Fußballvereine.“

 

Die DFL will für die Bundesligavereine durchsetzen, dass die Agenturen während der Spielzeit keine Fotos aus dem Stadion und vom Spiel zur Publikation und Weiterverwertung im Internet senden. Die Fußballliga begründet dies damit, dass die Bildrechte für Online- und Mobilfunk bereits an Kirch Media verkauft worden seien. Deshalb sei das Münchner Unternehmen Ansprechpartner für die Agenturen. Die Nachrichtenagenturen Associated Press, Reuters, ddp und Deutsche Presse-Agentur (dpa) sehen darin eine massive Beschränkung der freien Berichterstattung sowie eine Benachteiligung ihrer Kunden. Den Fotografen der Agenturen war am 9., 10. und 11. August 2002 der Zutritt zu den Stadien verweigert worden, weil diese eine von der DFL verlangte Vereinbarung nicht unterschrieben hatten. Eine Reihe von Zeitungen hatte sich am darauffolgenden Montag mit den Forderungen der Agenturen solidarisch erklärt und an Stelle der üblichen Bundesligafotos die Leser mit grauen oder weißen Flächen auf das Vorgehen der DFL aufmerksam gemacht.

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