Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

14. März 2007 | Kinder-Jugend-Zeitung

BDZV-Fachtag: Zielgruppe Kinder für Zeitungen immer wichtiger

Kinder werden als Zielgruppe für Zeitungen immer wichtiger, betonte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff beim zweiten Fachtag "Kinder und Zeitung" am 28. Februar 2007 in Berlin. Nachwuchsleser zu begeistern, heiße, sich selbst Zukunftschancen zu eröffnen. Die Bedeutung der Zielgruppe zeigte sich auch bei der zweiten BDZV-Chefredakteursbefragung, die Dr. Kerstin Goldbeck beim Fachtag vorstellte. 76 Prozent der Verlage werben mit speziellen Angeboten um Kinder. Rund 60 Prozent haben eine Kinderseite im Blatt, teilweise mit jahrzehntelanger Tradition. Immer mehr Verlage wagen zudem den Schritt ins Internet: Mittlerweile 6 Prozent integrieren eine eigene Kinder-Website im Online-Auftritt.

Engagement, das sich lohnt, wie Prof. Dr. Hippler, Geschäftsführer der BIK Marplan Intermedia GmbH und der BIK Marplan Field Facilities GmbH, veranschaulichte. Immer mehr Kinder wachsen in Haushalten mit Computer und Internetanschluss auf. Hippler warnte davor, veränderte Mediennutzung von Kindern überzubewerten. "So schlimm", wie teilweise dargestellt, sei es um die Kinder nicht bestellt. Sie interessierten sich weitgehend für die gleichen Themen wie Generationen vor ihnen. Auch seien die Bedenken gegenüber dem Konsum von TV-Inhalten und Computerspielen übertrieben. Kinder durchlebten in ihrer Entwicklung verschiedene Phasen, das gelte auch für die Mediennutzung. Zum Lesen kämen viele Kinder wenn schon nicht über die Zeitung, so doch über Comics und noch immer über Bücher.

Abgesehen davon müssten Kinder nicht unbedingt lesen können, um Spaß an der Zeitung zu haben, erklärten Petra Haß von der "Frankfurter Rundschau" und Anke Pidun vom Dortmunder media consulting team. Beim Kindergartenprojekt "FRIKI" der "Frankfurter Rundschau", habe vor allem Maskottchen "FRIKI" - ein Känguru-Mädchen - Kinder begeistert. Sie sängen "FRIKI"-Lieder und suchten in der Zeitung nach dem "FRIKI"-Logo, mit dem Artikel zum Kindergartenprojekt gekennzeichnet würden. Redaktionell sei "FRIKI" unter anderem mit einer ganzen Artikelserie begleitet worden. Nach anfänglicher Skepsis hätten die Lokalredaktionen sehr viel Spaß am Projekt entwickelt, das voraussichtlich weitergeführt wird. Positiver Nebeneffekt: Rund 20 Vollabos wurden direkt über "FRIKI" eingeworben.

Freuen kann sich auch Volker Stennei, Chefredakteur und Verlagsleiter des "Hellweger Anzeigers". Seine "Kinderzeitung" ist ein voller Erfolg. Unter dem Titel erscheint täglich eine ganze Kinderseite, unter anderem mit lokalen Nachrichten, Sportberichten und Comics. Stennei ist gut vernetzt: Er hat dafür gesorgt, dass die Seite jeden Tag in Grundschulen am Schwarzen Brett aushängt. Lehrer werden am Vortag per Newsletter über Themen informiert. Das Engagement mache sich auch im Vertrieb bemerkbar. Lediglich ein Senior habe sich nach dem Start der "Kinderzeitung" über den "Kinderkram" beschwert, der prominent auf der letzten Seite des ersten Buches platziert ist. Ansonsten habe sich die tägliche Kinderseite zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickelt, erläuterte Stennei.

Viel Resonanz erhält auch Projektredakteurin Denise von der Ahé, die für die "Braunschweiger Zeitung" Aktionen für Kinder und Jugendliche entwickelt. Beim Fachtag "Kinder und Zeitung" sorgte vor allem der Film über die Kinder-Pressekonferenz für Erheiterung, bei der der Braunschweiger Oberbürgermeister von Kinder-Reportern ins Kreuzverhör genommen wurde. Daneben zeigte von der Ahé, wie man Kinder erfolgreich einbinden kann: Beispielsweise stimmten junge Leser per SMS über das Maskottchen zum Schulprojekt "Schulz" ab - obwohl dabei kein "kuschliger Löwe" herauskam, der sich womöglich besser für Marketingaktionen geeignet hätte, spreche die Resonanz für den Erfolg. Auch redaktionell ist die "Braunschweiger Zeitung" fortschrittlich und veröffentlicht täglich eine Extraspalte mit Kindernachrichten.

Genau wie der "Südkurier", bei dem täglich die Rubrik "Voll krass!" erscheint, meist am unteren Rand der "Leute"-Seite. Begleitet wird "Voll krass!" vom Maskottchen "Kalles Kuh", das mittlerweile sogar eine eigene Hörbuch-Edition vorweisen kann, wie Redakteurin Anja Wischer berichtete. Die Texte dazu wanderten auch ins Internet, wo der "Südkurier" ein Weblog für Kinder eingerichtet hat.

Einen Einblick in die Planungen zum neuen multimedialen dpa-Nachrichten-Dienst für Kinder, der im April startet, gewährte Leiterin Petra Kaminsky. Zielgruppe sind die Sechs- bis Zehnjährigen. Der Dienst soll Nachrichten, Erklärstücke und Stichwörter in kindgerechter Sprache, Bilder und Grafiken, Animationselemente und Podcasts sowie ein umfangreiches Internetangebot enthalten, bei dem Kinder jede Menge lernen können.

Aus dem Pisa-Musterland Finnland berichtete die Leiterin des Zeitung-in-der-Schule-Programms beim Finnischen Verlegerverband, Pirjo-Riitta Puro. Dort hätte eine Nachfolgestudie zum Pisa-Test klar ergeben, dass Kinder, die Zeitung lesen, deutlich bessere Schulleistungen erbrächten. Puro informierte auch über die "Zeitungswoche", die im Februar zum 13. Mal in Finnland stattfand. Organisiert vom finnischen Verlegerverband werden alle Schulen des Landes eine Woche lang kostenlos mit Zeitungen beliefert, insgesamt über eine Million Exemplare. Highlight ihres Vortrags war das Online-Modell eines Zeitungsverlags im Comic-Design, bei dem Kinder in jeder virtuellen Abteilung kleine Aufgaben lösen können und Informationen über das Blattmachen erhalten. Haben sie alle Abteilungen - bevölkert von Mäusemitarbeitern - durchwandert und erfolgreich alle Fragen absolviert, wird ihnen ein Junior-Journalisten-Diplom verliehen und es steht der Weg frei, ein eigenes Zeitungsexemplar zu gestalten und als DIN-A-Version auszudrucken (http://www.edu.fi/oppimateriaalit/juniorijournalisti/).

Nicht nur Zeitungsleute kamen zu Wort, auch Vertreter von Radio und Zeitschriften stellten Projekte vor. Munter geht es offenbar in der "Kakadu"-Redaktion des Deutschlandradios Kultur zu. Moderatoren gehen häufig live mit Kindern auf Sendung, beispielsweise bei Ratespielen, bei denen Kinder anrufen können - eine echte Herausforderung, insbesondere, so Redaktionsleiterin Claudia König-Suckel, da Kinder heutzutage nicht mehr über ein verlässliches Basiswissen verfügten. Seit Kurzem bietet die "Kakadu"- Redaktion ihren Hörern auch auf sie zugeschnittene Nachrichten an. Kinder ließen sich letztlich für alle Themen begeistern, wenn sie gut aufbereitet seien, ob Weltnachrichten oder auch klassische Musik.

Das sieht Kirsten Bertrand, Chefredakteurin von "GEOlino" genauso. Die Abo-Auflage der Monatszeitschrift liege bei etwa 200.000 Exemplaren. Rund 60.000 Exemplare würden zusätzlich im Einzelverkauf abgesetzt. Über fehlende Anzeigenkunden könne sie sich daher nicht (mehr) beklagen, so Bertrand. Für die Zielgruppenansprache sei es besonders wichtig, sich nicht anzubiedern. Jugendsprache gebe es bei "GEOlino" nicht, denn auch junge Leser wollten ernst genommen werden. Bei der Berichterstattung könne "GEOlino" teilweise auf Ressourcen des großen Bruders "GEO" zurückgreifen. Umgekehrt profitiere jedoch auch "GEO" von "GEOlino", wenn Kinder später auf das Mutterheft umstiegen. Auch wanderten die Resultate eines Fotowettbewerbs ins Erwachsenen-Heft, bei dem Kinder auf Fotos am Boden liegend ihre Wunschberufe darstellten. Das Raunen, das an dieser Stelle durch die Reihen ging, lässt darauf schließen, dass auch die ein oder andere Tageszeitung diese Aktion gern aufgreifen wird.

Internet: Lesen Sie auch den Bericht zum Fachtag auf der BDZV-Homepage: http://www.bdzv.de/bdzv_intern+M5d104cde0bd.html.

Der Reader zum Fachtag "Kinder und Zeitung" kann über die ZV GmbH bezogen werden: http://www.zv-online.de/inhalt/bookshop_kinderundzeitung.htm.

Die Ergebnisse der BDZV-Chefredakteursbefragung "Junge Leser" sind im Internet abrufbar: http://www.bdzv.de/junge_leser_umfrage.html.

zurück