Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

14. Oktober 2005 | Allgemeines

Auch Verdächtige müssen anonymisiert werden

Presserat rügt zwei Fotoveröffentlichungen

Der Deutsche Presserat hat (mit seiner Kammer 2 des Beschwerdeausschusses) am 27. September in Bonn zwei Boulevardzeitungen wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen und vorverurteilender Berichterstattung gerügt.

Die "Bild"-Zeitung erhielt eine öffentliche Rüge wegen einer Prozessberichterstattung mit der Überschrift "Kannibale grillte seine Cousine im Backofen". Diese Überschrift sei eine Tatsachenbehauptung, kritisierte das Selbstkontrollorgan. Da der mutmaßliche Täter noch nicht verurteilt sei, sei diese Vorverurteilung nicht akzeptabel. Die Kammer erkannte auf einen Verstoß gegen die Ziffer 13 des Pressekodex, wonach die Berichterstattung über schwebende Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren ( ) frei von Vorurteilen erfolgen" muss. Zudem sei ein Foto des vermeintlichen Täters veröffentlicht worden, auf dem dieser klar erkennbar sei. Hier erkannte der Presserat auf Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen (Ziffer 8 des Pressekodex).

Eine nicht-öffentliche Rüge, die aus Gründen des Opferschutzes nicht abgedruckt werden muss, ging an die "B.Z." in Berlin. Die Zeitung hatte "in identifizierender Weise über eine Frau berichtet", die ihr Kind so geschüttelt hatte, dass es ins Koma fiel. Das Gesicht der Frau sei auf dem Foto zwar mit einem Balken versehen worden, dennoch sei sie für einen bestimmten Personenkreis identifizierbar, kritisierte das Selbstkontrollorgan. Auch hier sah die Kammer einen schwerwiegenden Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex.

Insgesamt behandelte die Kammer 40 Beschwerden. Neben der öffentlichen und der nicht-öffentlichen Rüge wurden 14 Missbilligungen und sechs redaktionelle Hinweise ausgesprochen. 14 Beschwerden beurteilte die Kammer als unbegründet; eine Beschwerde habe sich als nicht aufklärbar erwiesen. In drei Fällen hatten sich mehrere Beschwerdeführer gegen dieselbe Veröffentlichung gewandt.

zurück