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08. November 2007 | Allgemeines

Auch Online-Nutzer wollen Qualitätsjournalismus!

Zeitungspanel von BDZV und VBZV bei den Medientagen München

Im Zeitalter des Mitmach-Webs schätzen Nutzer vor allem eines: Qualitätsjournalismus. Darin waren sich die Teilnehmer am von BDZV und Verband Bayerischer Zeitungsverleger veranstalteten Zeitungspanel „Community auf allen Kanälen – Was wollen die Nutzer von den Verlagen?“ völlig einig. Der sei allerdings für Zeitungen/Zeitschriften und ihre Online-Dienste gar nicht so leicht herzustellen.

So meinte Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der „Saarbrücker Zeitung“, dass Bezahlinhalte im Internet keine Chance hätten. Es werde in Zu­kunft immer schwieriger, das Geld zu verdienen, um hochqualifiziertes Personal und aufwändige Recherche zu finanzieren. Annik Rubens, Journa­listin und Erfinderin des preisgekrönten Podcasts „Schlaflos in München“, glaubt, dass der Online-Bereich in vielen Verlagen noch stiefmütterlich behandelt werde. „Da muss Geld hinein fließen, das soll nicht der Praktikant noch zusätzlich ma­chen.“ Das Web 2.0 erhöht sogar den Bedarf an Qualitätsjournalismus, konstatierte Jochen Weg­ner, Chefredakteur von focus.de. Journalistische Medien eigneten sich hervorragend als Kristalli­sationskeim für Communitys, solange sie ihren journalistischen Anspruch dafür nicht aufgeben. Ähnlich sah das Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de: Ein Userbeitrag sei nicht schon deshalb gut, weil er von einem User stamme. Im Übrigen hätten sich aber aus seiner Sicht auch die journalistischen Formen für Online-Publishing noch nicht ausgeprägt.

Wie also sollen Zeitungen und Zeitschriften in ihren Online-Diensten mit Leserreportern umge­hen? „Wir haben es versucht, es hat nicht ge­klappt“, beklagte Focus.de-Chefredakteur Jochen Wegner. Die Nutzer hätten diese Art der Beiträge nicht akzeptiert. Stattdessen habe die Redaktion den Dialog mit den Nutzern intensiviert. Laut Pe­ter Stefan Herbst, der mit der „Saarbrücker Zei­tung“ seinerzeit das Modell der Leserreporter als erster in Deutschland einführte, kommen 4.000 bis 5.000 Hinweise auf diesem Weg ins Haus. Darunter seien 500 bis 700 „gute Geschichten oder Fotos, die wir sonst nicht gehabt hätten“. Alles werde journalistisch überprüft, ein Honorar gebe es nicht. Es sei doch ein „Gebot der Fair­ness“, wandte dagegen Frank Thomsen ein, eine erbrachte Leistung auch zu honorieren. Schließ­lich erschienen damit im „Stern“ beispielsweise Fotos, die sonst nicht im Blatt gewesen wären.

Wenig Gedanken über ihr Publikum macht sich Annik Rubens: „Ich richte mich überhaupt nicht nach den Hörern, und es funktioniert“. Aus Nut­zersicht sei sie allerdings häufig genervt von un­genügenden Web-TV-Angeboten, die die Medien „mit der Angst vor YouTube im Nacken“ produ­zierten. „Da sitzt einer in der Redaktion und er­zählt, es gibt sonst nichts zu sehen. Das höre ich gern, aber das muss ich nicht sehen.“

„Zeitungen bewegen sich seitwärts“, hatte zuvor Eugen Russ, Verleger der sehr innovativen „Vor­arlberger Nach­richten“, konsta­tiert. Sein Haus rechne in Zukunft nur noch online mit Wachstum, nicht aber in den gedruckten Pro­dukten. Vor die­sem Hintergrund müsse das Kos­tenniveau ge­senkt werden und müssten neue Erlösquellen erschlossen werden. Das könnten Nischenpro­dukte (wie etwa ein „Hochzeitsmaga­zin“) ebenso sein wie eine bessere Ausschöpfung des Poten­zials. So seien von den 13.000 Firmen im Ver­breitungsgebiet der „Vorarlberger Nach­richten“ 5.000 aktive (Anzeigen)-Kunden - damit gelte es, 8.000 potenziell zusätzliche Kunden zu gewinnen und diesen interessante Angebote zu machen. Der Verlag arbeite dabei mit dem News­paper Next Konzept des US-amerikanischen Zeitungs­verlegerverbands NAA (das Konzept wird im Jahrbuch „Zeitungen 2007“ des BDZV aus­führlich vorgestellt, die Red.).

Russ hatte auch einige beeindruckende Daten parat. So erzielen die „Vorarlberger Nachrichten“ beispielsweise über alle Altersgruppen eine tägli­che Reichweite von 67 Prozent. Auch junge Leute würden erfolgreich angesprochen, etwa mit dem Gratisblatt „Wann und Wo“, das zweimal pro Wo­che erscheint. Hier liege die Reichweite bei 80 Prozent. Wöchentlich würden mit beiden Pro­dukten netto damit sogar 95 Prozent der 14- bis 19-Jährigen regelmäßig angesprochen. Beson­ders an diese Altersgruppe richtet sich auch eines der zahlreichen neuen Portale der Zeitungs­gruppe, „freunde.vol.at, das mit Funktionalitäten wie MySpace arbeitet. „Wir sind das „MySpace/ Facebook“ von Vorarlberg“, erklärte Russ selbst­bewusst. Sein Haus stecke einen Großteil der Ressourcen ins Netz. Denn wir glauben, dass 2011 rund 50 Prozent des Print-Anzeigenumsat­zes im Internet stattfinden. Radikale Konsequenz: „Viele gliedern Online aus – wir gliedern die Zei­tung aus“, berichtete der Vorarlberger Verleger. Das seien einfach andere Herstellungswege und Pro­duktionsmöglichkeiten, „Online bedient die Zei­tung“.

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