Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

28. März 2011 | Digitales

Apple schränkt Verlage und Leser ein

BDZV kritisiert Aboregelungen für iPad-Inhalte

Das iPad gilt als Hoffnungsträger der Medienbranche. In den Zeitungshäusern wird intensiv an Inhalten, Designs und Vermarktungsmodellen für iPad-Apps gearbeitet. Über 30 Verlage haben bereits Zeitungs- Apps gestartet; andere Häuser stehen kurz vor dem Start. Inmitten dieser Experimentierphase kündigte Apple ein neues Abo-Modell für Apps an. Nach Einschätzung von BDZV und VDZ bringen diese Regelungen sowohl für die Verlage als auch für die Leser „erhebliche Einschränkungen“. Nachbesserungen seien dringend erforderlich.

Worum geht es? Bei dem Vertrieb von Zeitungs-Apps auf dem iPad ist es im Interesse der Verlage, dass sie Abonnements abschließen können und die Kundenbeziehung behalten. Im iTunes-Store war es bislang jedoch nicht möglich, Abos von Zeitungs-Apps abzuschließen. Deswegen hatten die Verlage im Einvernehmen mit Apple die Möglichkeit genutzt, Zeitungs-Apps oder App-Abonnements in Kombination mit dem Printobjekt außerhalb von Apples App-Store zu verkaufen. Der Verlag behält auf diese Weise die Kundendaten von (Print-)Abonnenten sowie von Neuabonnenten und kann Abonnements wie im Printgeschäft abschließen und beispielsweise zukünftig gegenüber der IVW nachweisen. Gleichzeitig wurde dabei die 30-Prozent-Provision von Apple umgangen.

4312533405 f713719773 m neuNeues Abo-Modell: Im Zuge der Einführung eines neuen Abo-Modells für Zeitungs-Apps hinterließ Apple Ende Januar 2011 zunächst bei belgischen und niederländischen Verlagen, wenig später auch bei deutschen Zeitschriften- und Zeitungsunternehmen, die Botschaft, dass es ab 1. Juli 2011 nicht mehr toleriert werde, wenn die Verlage ohne jede Beschränkung – am iTunes Store vorbei – Apps im Abonnement anbieten. Am 15. Februar 2011 kündigte Apple dann auch offiziell auf seiner Website die Möglichkeit an, künftig Abonnements für Zeitungs- Apps beziehungsweise Zeitschriften-Apps im iTunes Store von Apple abzuschließen. Bisher waren dort nur Einzelverkäufe möglich. Das Angebot basiert auf dem Abrechnungssystem für digitale Abonnements, das Apple kürzlich bei der Vorstellung von Rupert Murdochs iPad-Zeitung „The Daily“ präsentierte. Mit der Einführung des Abo-Modells ergeben sich für die Geschäftsmodelle der Verlage gravierende Änderungen.

Abo-Laufzeiten: Verlage können selbst festlegen, welche Arten von Abonnements sie ihren Kunden anbieten (etwa wöchentlich, monatlich oder jährlich). Das Abo verlängert sich automatisch, bis der Kunde es in seinem iTunes-Konto ändert. Anders als aber im Printgeschäft läuft das Abo automatisch aus, wenn der Verlag den Abo-Preis bei einem bestehenden Kunden erhöht. Apple übernimmt nicht nur alle Zahlungsvorgänge, sondern behält auch 30 Prozent des Umsatzes ein.

Zusätzlicher Verkauf über iTunes: Auch nach der Ankündigung von Apple haben Verlage die Möglichkeit, ihren Kunden ein Abonnement außerhalb der iPad-App anzubieten. Wenn ein Verlag seine App über die eigene Website verkauft, dann bleibt der gesamte Umsatz beim Verlag. Allerdings müssen Verlage in diesem Fall die Bestellmöglichkeit zusätzlich auch innerhalb der App zu den gleichen Konditionen oder günstiger bereitstellen. Verlage gehen jedoch davon aus, dass App-Nutzer eine Bestellung direkt in der Anwendung gegenüber dem Umweg etwa auf der Website des Anbieters klar bevorzugen werden. Denn wenn der Nutzer über die Website des Verlags die App bezieht, muss sich der Kunde innerhalb der App noch einmal anmelden, dem Verlag also seine Login-Daten gesondert mitteilen. Bei über den App Store vertriebenen Abos entfällt dieser Schritt.

Externe Verlinkung: Verlage dürfen künftig in ihren Apps nicht mehr auf externe Webseiten verlinken, auf denen Abos angeboten werden. Dadurch will Apple verhindern, dass App-Betreiber, den über Abos erzielten Umsatz an Apple vorbeischleusen.

Kundendaten: Apple will Nutzern des App-Stores künftig ermöglichen, dem Verlag per Opt-In ihren Namen, ihre E-Mail-Adresse und ihre Postleitzahl bei der Anmeldung zu übermitteln. Diese Daten sind für die Verlage jedoch in der Regel nicht ausreichend. Auch ist davon auszugehen, dass wohl nur ein geringer Anteil der Nutzer aktiv seine Daten dem Verlag zur Verfügung stellen wird.

Kritische Stellungnahmen: In kritischen Stellungnahmen unter anderem vom europäischen Verlegerverband ENPA, VDZ und BDZV wurde Apples Geschäftspraxis kritisiert. Die überarbeiteten Geschäftsbedingungen enthielten gegenüber den bisher geltenden erhebliche Verschlechterungen für die Verlage. So sei es beispielsweise nicht möglich, dass die Verlage ihren Kunden attraktive Bundle-Angebote machen könnten (Print + App). Apples neue Geschäftsbedingungen führten de facto dazu, dass der Verlag im Abo-Bereich keine Kundenbeziehungen aufbauen könne. Die Verbände sind sich einig, dass alles unternommen werden muss, damit Apple seine Geschäftspolitik ändert. Zum einen sei es kein Umgang unter Geschäftspartnern, die Regeln der Zusammenarbeit ohne jede Vorwarnung einseitig zu ändern. Zum zweiten wurde angemahnt, dass Apple die Kundenbeziehung für sich allein beansprucht. Gefordert wird die „volle Wahlfreiheit und Gleichberechtigung“, die „freie Entscheidung der Verleger über die Ausgestaltung der Angebote auch innerhalb von Apps“ sowie die „Unterbreitung von Angeboten in den von Verlagen programmierten Apps, die der Verlag direkt an die Kunden richtet“. Hierzu sollen unter anderem Spitzengespräche zwischen Verlagen und Apple geführt werden. Zudem werden auch politische Optionen geprüft.

Alternativen zu Apple: Laut Apple-Chef Steve Jobs beherrscht Apple den Tablet-Markt derzeit mit einem Anteil von über 90 Prozent. In den ersten neun Monaten seit iPad-Einführung sind 15 Millionen Geräte verkauft worden. Mit dem iPad2, das im März 2011 auf den Markt kam, will das Unternehmen seinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz noch weiter ausbauen. Branchenexperten gehen davon aus, dass Apple zwar eine wichtige Position behalten wird, aber andere Geräte und Betriebssysteme signifikante Marktanteile erobern werden. Während der diesjährigen Branchenmesse Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wurden gleich 80 neue Tablet-Modelle vorgestellt. Es sind vor allem Geräte von Herstellern wie Motorola, LG, Samsung, Hewlett-Packard oder vom Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). Die meisten Hersteller setzen auf Googles Android-Betriebssystem, das im Smartphone-Markt bereits die Nummer ein ist. Android bietet ein offenes System, in das Verlage eigene Apps einfacher integrieren können als bei Apple. Mit der neuen Android-Version Honeycomb hat Apple das Betriebssystem auch für Tablets optimiert.

Google „One Pass“

Einen Tag nachdem Apple sein Abonnement-Modell für iTunes vorgestellt hat, stellte Google sein digitales Zahlsystem „One Pass“ für Medieninhalte vor: Es soll Zeitungen helfen, ihre Texte im Netz zu verkaufen. Die Verlage sollen dabei die Zahlungsbedingungen frei wählen können, sowohl Einzelartikel als auch Abos verkaufen dürfen, vollen Zugang zu den Daten über die Käufer erhalten und zudem 90 Prozent des Verkaufserlöses behalten. Die Käufer sollen die Inhalte auf allen Computern und mobilen Geräten abrufen können. Abgerechnet wird mit Hilfe von Googles Zahlungssystem Checkout.

Eine weitere Alternative, um sich aus der Umklammerung von Apple und Google zu befreien, könnte Verlagen mit dem Umstieg von nativen Apps auf Web-Apps gelingen. Web-Apps basieren auf der unter Fachleuten als HTML5 bekannten Programmiersprache, einer Weiterentwicklung des Codes, auf dem die meisten Internet-Seiten basieren. Vieles von dem, was Entwickler in nativen Apps programmieren können, ist auch bei den Web-Apps möglich. HTML5 verfügt erstmals über Funktionen, die bislang nur in nativen Anwendungen möglich waren – inklusive Icon-Ablage auf dem Homescreen und Speichermöglichkeit lokaler Daten. Ähnlich wie Web-Seiten werden Web-Apps im mobilen Browser gestartet. Für den Nutzer ist der Unterschied kaum zu spüren: Er tippt auch in Zukunft auf ein kleines Symbol auf dem Handybildschirm, um das Programm zu starten. Der große Vorteil wäre, dass solche Web-Apps plattformübergreifend genutzt werden können und nicht mehr einem Genehmigungsprozess bei Apple oder Google ausgeliefert wäre.

zurück