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11. November 1997 | Digitales

AOL und Bertelsmann übernehmen Compuserve

Trotz Marktbereinigung schwierige Zeiten für proprietäre Dienste

H&R Block, der Hauptanteilseigner von Compuserve, hat Anfang September den Verkauf des Unternehmens angekündigt. Dabei wird die Netzwerkinfrastruktur an WorldCom, die Muttergesellschaft des Providers UUNet verkauft, zu dem auch seit einigen Monaten der deutsche Provider EUNET gehört. Der Online-Dienst Compuserve geht an America Online (AOL)/Bertelsmann, soll jedoch als eigenständige Marke weitergeführt werden.

Über den Verkauf von Compuserve an einen der Rivalen Microsoft-Network, AOL oder T-Online war bereits seit geraumer Zeit spekuliert worden. Daß mit der Übernahme der Compuserve-Kunden AOL die Möglichkeit besitzt, in Zukunft trotz gegenteiliger Beteuerungen einen einheitlichen Online-Dienst für Compuserve- und AOL-Kunden zu präsentieren, wird von Branchenkennern unterschiedlich beurteilt. Emily Green vom Marktforschungsinstitut Forrester Research betont, daß es gerade Sinn dieses Deals sei, den Abonnentenstamm von AOL zu erweitern. Es sei eher unwahrscheinlich, daß mittelfristig beide Marken bestehen bleiben. Andere Analysten prognostizieren wiederum, daß sowohl die Unternehmenskultur als auch die Zielgruppen der beiden Online-Dienste zu unterschiedlich seien, um problemlos miteinander fusioniert zu werden. AOL wurde von dem Ex-Rockmusiker Steve Case gegründet und versteht sich vor allem als Unterhaltungsmedium für junge Familien. Compuserve gehört dagegen zum amerikanischen Steuerberatungskonzern H&R Block und bietet in erster Linie aktuelle Informationen und Datenbanken für Geschäftskunden.

Der Aufkauf von Compuserve zeigt erneut, daß es derzeit auch für proprietäre Dienste schwierig ist, genügend Erlöse im Online-Markt zu erzielen. Die geschlossenen Online-Dienste beziehen zwar den Nutzer in die Finanzierung mit ein, jedoch sind die Vertriebspreise von 20 US-Dollar pro Monat keineswegs kostendeckend. Durch das vergleichsweise niedrige Preisniveau ist unklar, ob die Nutzer letztlich bereit sind, für Inhalte zu bezahlen, oder dies lediglich als Entgelt für einen preiswerten Internet-Zugang betrachten. Auch geschlossene Online-Dienste sind daher in ihrer Finanzierung auf Werbeeinnahmen angewiesen. Mit einem Umsatzanteil von rund 15 Prozent ist die Finanzierung durch Online-Werbung bei AOL ähnlich wie bei vielen freinen Internet-Angeboten noch im Anfangsstadium. Daß die proprietären Dienst AOL, Microsoft Network und Compuserve auch im Geschäft mit den Internet-Zugängen in den USA nicht zufrieden sein können, zeigt eine Umfrage des amerikanischen Computer-Magazins "Home PC", bei der die Leistungen der geschlossenen Online-Dienste als Internet-Provider kritisiert wurden.

Quellen: Online-Aktuell 19.9.97; w&v-Artikelabo 5.9.97; Ludwig Siegele in Frankfurter Rundschau 22.9.97

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