Zeitungen und ihre Leser in Stichworten
1. Gut 19 Millionen verkaufte Exemplare
Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erscheinen hier 333 Tageszeitungen mit 1.532 lokalen Ausgaben in einer – gedruckten – Gesamtauflage von 18,4 Millionen Exemplaren. Daneben kommen 20 Wochenzeitungen mit 1,7 Millionen Exemplaren und sechs Sonntagszeitungen mit einer Auflage von 3,1 Millionen heraus. Das bedeutet: Auf je 1.000 Einwohner über 14 Jahre kommen in Deutschland 260 Zeitungsexemplare. Und unsere Zeitungen werden gelesen: Durchschnittlich 37 Minuten wenden die Bundesbürger täglich für ihre Lektüre auf; die älteren etwas mehr, die jüngeren etwas weniger.
2. Die erste Zeitung erschien 1605 in Straßburg
Deutschland war immer schon ein Zeitungsland: Die älteste Zeitung der Welt erschien erstmals vor gut 400 Jahren: In Straßburg druckte und verkaufte Johann Carolus ab 1605 seine „Relation“ genannten Nachrichten aus aller Welt, statt sie, wie bis dahin üblich, mühselig mehrfach von Hand abzuschreiben. Die älteste TAGESzeitung der Welt kommt aus Leipzig. Am 1. Juli 1650 brachte hier der Drucker und Verleger Timotheus Ritzsch erstmals sein „Einkommende Zeitungen“ genanntes Blatt heraus, das sechs-, zeitweilig sogar sieben Mal die Woche erschien.
3. Abonnement Rückgrat der Verlage
Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen in Deutschland haben treue Leser. Knapp 12 Millionen Exemplare werden täglich im Abonnement zugestellt, das heißt, durch Zeitungszusteller oder per Post bis an die Haustür gebracht. Gut 675.000 Exemplare gehen pro Tag am Kiosk oder im Laden über die Theke. Die überregionalen Zeitungen verkaufen gut 900.000 Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 200.000 Exemplare im Einzelverkauf. Bei den Kaufzeitungen wird dagegen der Umsatz mit 3,2 Millionen Exemplaren täglich vor allem am Kiosk gemacht, immerhin 210.000 Exemplare werden aber auch Tag für Tag an Abonnenten zugestellt.
4. Dichtestes Händlernetz der Welt
Wer seine Tageszeitung nicht abonnieren möchte, kann sie auch an einer der rund 122.000 Verkaufsstellen des Einzelhandels in Deutschland erwerben. Das bedeutet eine „Händlerdichte“ von etwa 1,5 Einzelhändlern pro 1.000 Einwohner. In Deutschland gibt es damit das dichteste Händlernetz der Welt. An circa 5.000 Absatzstellen wird zusätzlich internationale Tagespresse ange-boten; dabei setzen Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren rund 500 Verkaufsstel-len weit über die Hälfte der internationalen Presse ab.
5. Gut 27,7 Millionen Unique User auf den Verlagswebsites
Drei von vier Deutschen über 14 Jahren (66,6 Prozent) lesen regelmäßig eine gedruckte Tageszeitung. Das sind 47 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen (55 Prozent) sogar leicht vor den Lesern (52 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (26 Prozent beziehungsweise sieben Prozent) als von Frauen (15 Prozent beziehungsweise fünf Prozent) genutzt. Angebote der Zeitungen im Internet surfen mittlerweile 27,7 Millionen Unique User über 14 Jahren (40 Prozent) an.
6. Zeitungswebsites bei Jugendlichen sehr beliebt
Nach Altersgruppen betrachtet, haben die gedruckten Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 50- bis über 70-jährigen Lesern, nämlich zwischen 75 und 80 Prozent. Auch bei den 40- bis 49-Jährigen greifen mehr als 68 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung; und bei den 30- bis 39-Jährigen sind es knapp 60 Prozent. Bei den jüngeren Altersgruppen wird die gedruckte Zeitung in geringerem Maß genutzt: Von den 20- bis 29-Jährigen werden fast 50 Prozent durch die Zeitung erreicht; bei den 14- bis 19-Jährigen sind es gut 35 Prozent. Die 14- bis 29-Jährigen wiederum sorgen mit gut 62 Prozent Reichweite für die höchsten Werte bei den Online-Angeboten der Zeitungen.
7. Über 3,7 Milliarden Euro Werbeumsätze
Die Netto-Werbeeinnahmen der Tages- und Wochenzeitungen lagen 2011 bei 3,7 Milliarden Euro. An der Spitze der Werbemedien stand das Fernsehen (3,9 Milliarden Euro). Auf den Plätzen drei, vier und fünf folgen Werbung per Post (2,9 Milliarden), Anzeigenblätter (2 Milliarden) und Publikumszeitschriften (1,4 Milliarden).
8. Lokales, politische Berichte und Bericht aus Deutschland besonders nachgefragt
Die lokalen Nachrichten interessieren die Leser in ihrer Zeitung ganz besonders, 85 Prozent lesen sie „im Allgemeinen“. Auf den nächsten Plätzen in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland (71 Prozent) und dem Ausland (56 Prozent) sowie Leitartikel (51 Prozent) und Anzeigen (45 Prozent). Besonders wichtig finden die Leser ferner Sportnachrichten, Tatsachenberichte aus dem Alltag und Leserbriefe. Nur 40 Prozent widmen sich hingegen regelmäßig der Kultur, 32 Prozent lesen regelmäßig Nachrichten aus Technik und Wissenschaft und gerade einmal sechs Prozent legen Wert auf den Fortsetzungsroman.
9. Zeitungswerbung besonders glaubwürdig
Anzeigen in der Tageszeitung sind gewünschter Lesestoff. Nach Lokalteil, Politik und Leitartikel nehmen Anzeigen in der Lesergunst den vierten Platz ein. Obendrein gelten Zeitungsanzeigen als besonders glaubwürdig: Während zum Beispiel 78 Prozent der Befragten auf Werbung im Fernsehen gut verzichten könnten, halten nur 38 Prozent der Leser Anzeigen in der Tageszeitung für überflüssig. Dabei profitiert die Werbung in der Zeitung auch von der Glaubwürdigkeit des redaktionellen Teils.
10. Berichterstattung besonders seriös
Die Zeitung genießt bei ihren Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. Einer Umfrage von TNS Emnid zufolge vertrauen 60 Prozent der Befragten der von Lokalzeitungen vermittelten Information. Der öffentlich-rechtliche Hörfunk erzielt einen Wert von 53 Prozent, es folgen das öffentlich-rechtliche Fernsehen (52 Prozent) und Zeitschriften (35 Prozent). Die Schlusslichter bilden das private Fernsehen (26 Prozent) und das Internet (20 Prozent).
11. Größte Zeitungsvielfalt in Europa
In Europa erscheinen täglich etwa 2.500 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 85 Millionen Exemplaren. Die Bundesrepublik Deutschland bietet mit 333Tageszeitungen (davon 130 Zeitungen mit Vollredaktion, die 1.532 lokale Ausgaben herausgeben) das vielfältigste Angebot. An zweiter Stelle steht Spanien mit 130 Zeitungen. Es folgen: Italien (97), Großbritannien (95), Frankreich (85), Schweden (84), Norwegen (73), Finnland (48), Griechenland (40) und Dänemark (32) sowie die Niederlande (28). Österreich (15), Irland (9) und Luxemburg (5) bilden die Schlusslichter. Unter den jüngsten EU-Mitgliedern haben Tschechien, Bulgarien (beide 80), Polen (37) und Ungarn (30) besonders viele Titel anzubieten.
12. Finnen, Schweden und Norweger besonders eifrige Zeitungsleser
In Westeuropa existieren bei der Zeitungsreichweite deutliche Unterschiede. Die eifrigsten Zeitungsleser wohnen im Norden. In Deutschland greifen knapp 67 Prozent der über 14-Jährigen regelmäßig zur gedruckten Zeitung. Dabei werden sie noch übertroffen von den Schweden (81 Prozent), Finnen (78) und Norwegern (72). Vergleichsweise wenig regelmäßige Zeitungsnutzer über 14 Jahren gibt es dagegen in Italien, Frankreich (beide 46) und Spanien (38 ).
13. China und Indien größte Zeitungsmärkte der Welt
Nach verkaufter Auflage stellen die deutschen Tageszeitungen mit 18,4 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa, gefolgt von Großbritannien mit einer Auflage von 13,5 Millionen Zeitungen täglich. So genannte „Mittelmärkte“ sind bei den Tageszeitungen zum Beispiel Frankreich (7,1 Millionen Exemplare), Italien (4,5 Millionen), Spanien (3,5), die Niederlande (3,4), Schweden (2,9) und Polen (2,8). Bei den übrigen nationalen Zeitungsmärkten handelt es sich um „Kleinmärkte“ mit Zeitungsauflagen von 113.000 Exemplaren wie in Luxemburg bis zu 1,3 Millionen Exemplaren wie in Belgien und Ungarn.
Weltweit stellen China und Indien die größten Zeitungsmarkt mit 118 und 110 Millionen verkauften Exemplaren täglich. Platz drei belegt Japan mit gut 48 Millionen Exemplaren. Deutschland rangiert - nach den USA (44 Millionen) - an fünfter Position.
14. Hierzulande gibt es 125 fremdsprachige Titel
In Deutschland besteht eine erhebliche Nachfrage nach internationaler Tagespresse. Etwa 125 fremdsprachige Titel werden täglich angeboten. Besonders groß ist der Markt für türkische Tageszeitungen, allein "Hürriyet" hat eine in Deutschland vertriebene Auflage von knapp 36.000 Exemplaren. Den Löwenanteil machen jedoch englischsprachige Titel aus den USA und dem Vereinigten Königreich aus. Gleichzeitig gibt es im Ausland aber auch einiges Interesse an deutschen Tageszeitungen. 1,3 Prozent der Auflage werden jenseits der Grenzen vertrieben.
15. Deutschlandweit 660 verschiedene Zeitungswebsites
Bereits sehr früh waren die deutschen Zeitungen im Internet präsent. Als erste machten 1995 „taz – die tageszeitung“ (Berlin), „Die Zeit“ (Hamburg), die „Süddeutsche Zeitung“ (München) und die „Rheinische Post“ (Düsseldorf) eigene Online-Angebote. Im Sommer 1996 waren nach einer Zählung des BDZV bereits 41 Zeitungen neben der gedruckten Ausgabe auch online aktiv; im Jahr 2012 sind es gut 660 verschiedene Zeitungswebsites.
Zusammenstellung: Anja Pasquay, pasquay@bdzv.de
Stand: November 2012
Quellen: ag.ma, BDZV, horizont, IVW, Presse-Grosso, TNS-Emnid, VDBB, WAN-IFRA, ZAW, ZMG















