Zeitungen und ihre Leser in Stichworten
1.
Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erscheinen hier 347 Tageszeitungen mit 1.509 lokalen Ausgaben in einer Gesamtauflage von 19,4 Millionen Exemplaren. Daneben kommen 26 Wochenzeitungen mit knapp zwei Millionen Exemplaren und sechs Sonntagszeitungen mit einer Auflage von 3,4 Millionen heraus. Das bedeutet: Auf je 1.000 Einwohner über 14 Jahre kommen in Deutschland 275 Zeitungsexemplare. Und unsere Zeitungen werden gelesen: Durchschnittlich 37 Minuten wenden die Bundesbürger täglich für ihre Lektüre auf; die älteren etwas mehr, die jüngeren etwas weniger.
2.
Deutschland war immer schon ein Zeitungsland: Die älteste Zeitung der Welt erschien erstmals vor gut 400 Jahren: In Straßburg druckte und verkaufte Johann Carolus ab 1605 seine „Relation“ genannten Nachrichten aus aller Welt, statt sie, wie bis dahin üblich, mühselig mehrfach von Hand abzuschreiben. Die älteste TAGESzeitung der Welt kommt aus Leipzig. Am 1. Juli 1650 brachte hier der Drucker und Verleger Timotheus Ritzsch erstmals sein „Einkommende Zeitungen“ genanntes Blatt heraus, das sechs-, zeitweilig sogar sieben Mal die Woche erschien.
3.
Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen in Deutschland haben treue Leser. Knapp 12,6 Millionen Exemplare werden täglich im Abonnement zugestellt, das heißt, durch Zeitungszusteller oder per Post bis an die Haustür gebracht. Rund 750.000 Exemplare pro Tag gehen am Kiosk oder im Laden über die Theke. Die überregionalen Zeitungen verkaufen knapp eine Million Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 240.000 Exemplare im Einzelverkauf. Bei den Kaufzeitungen dagegen wird der Umsatz mit 4,1 Millionen Exemplaren täglich am Kiosk gemacht, immerhin 194.000 Exemplare werden aber auch Tag für Tag an Abonnenten zugestellt.
4.
Wer seine Tageszeitung nicht abonnieren möchte, kann sie auch an einer der 123.033 Verkaufsstellen des Einzelhandels in Deutschland erwerben. Das bedeutet eine "Händlerdichte" von gut 1,5 Einzelhändlern pro 1.000 Einwohner. In Deutschland gibt es damit das dichteste Händlernetz der Welt. An rund 5.000 Absatzstellen wird zusätzlich internationale Tagespresse angeboten; dabei setzen Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren rund 460 Verkaufsstellen weit über die Hälfte der internationalen Presse ab.
5.
Sieben von zehn Deutschen über 14 Jahren (69,6 Prozent) lesen regelmäßig eine gedruckte Tageszeitung. Das sind 49 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen (57,9 Prozent) sogar leicht vor den Lesern (55,8 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (26,5 Prozent beziehungsweise 6,8 Prozent) als von Frauen (15,8 Prozent beziehungsweise 4,3 Prozent) genutzt.
6.
Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die gedruckten Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 50- bis über 70-jährigen Lesern, nämlich zwischen gut 78 und 82 Prozent. Auch bei den 40- bis 50-Jährigen greifen mehr als 71 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung; und bei den 30- bis 39-Jährigen sind es etwas über 63 Prozent. Auch bei den jüngeren Altersgruppen wird regelmäßig Zeitung gelesen: Von den 20- bis 29-Jährigen werden gut 53 Prozent durch die Zeitung erreicht; bei den 14- bis 19-Jährigen sind es 42 Prozent.
7.
Die Netto-Werbeeinnahmen der Tages- und Wochenzeitungen lagen 2009 bei 3,9 Milliarden Euro. Es folgen das Fernsehen (3,6 Milliarden Euro), Werbung per Post (3,1 Milliarden), Anzeigenblätter (1,9 Milliarden) und Publikumszeitschriften (1,4 Milliarden). Damit sind die Zeitungen unangefochten der Werbeträger Nummer eins.
8.
Die lokalen Nachrichten interessieren die Leser in ihrer Zeitung ganz besonders, 85 Prozent lesen sie "im Allgemeinen". Auf den nächsten Plätzen in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland (71 Prozent) und dem Ausland (56 Prozent) sowie Leitartikel (51 Prozent) und Anzeigen (45 Prozent). Besonders wichtig finden die Leser ferner Sportnachrichten, Tatsachenberichte aus dem Alltag und Leserbriefe. Nur 40 Prozent widmen sich hingegen regelmäßig der Kultur, 32 Prozent lesen regelmäßig Nachrichten aus Technik und Wissenschaft und gerade einmal sechs Prozent legen Wert auf den Fortsetzungsroman.
9.
Anzeigen in der Tageszeitung sind gewünschter Lesestoff. Nach Lokalteil, Politik und Leitartikel nehmen Anzeigen in der Lesergunst den vierten Platz ein. Obendrein gelten Zeitungsanzeigen als besonders glaubwürdig: Während zum Beispiel 78 Prozent der Befragten auf Werbung im Fernsehen gut verzichten könnten, halten nur 38 Prozent der Leser Anzeigen in der Tageszeitung für überflüssig. Dabei profitiert die Werbung in der Zeitung gewiss auch von der Glaubwürdigkeit des redaktionellen Teils in den Tageszeitungen.
10.
Die Zeitung genießt bei ihren Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. Einer Umfrage von TNS Emnid zufolge vertrauen 60 Prozent der Befragten der von Lokalzeitungen vermittelten Information. Der öffentlich-rechtliche Hörfunk erzielt einen Wert von 53 Prozent, es folgen das öffentlich-rechtliche Fernsehen (52 Prozent) und Zeitschriften (35 Prozent). Die Schlusslichter bilden das private Fernsehen (26 Prozent) und das Internet (20 Prozent).
11.
In Europa erscheinen täglich 2.493 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von gut 87 Millionen Exemplaren. Die Bundesrepublik Deutschland bietet mit 347 Tageszeitungen (davon 132 Zeitungen mit Vollredaktion, die 1.509 lokale Ausgaben herausgeben) das vielfältigste Angebot. An zweiter Stelle steht Spanien mit 139 Zeitungen. Es folgen: Großbritannien (104), Frankreich, Italien (beide 85), Schweden (84), die Schweiz (79), Norwegen (75), Finnland (51), Griechenland (40) und Dänemark (32) sowie die Niederlande (29). Österreich (16), Irland (9) und Luxemburg (6) bilden die Schlusslichter. Unter den neuen EU-Mitgliedern haben Tschechien (81), Polen (38) und Ungarn (31) besonders viele Titel anzubieten.
12.
Bei rund 501 Millionen EU-Bürgern kommen im Durchschnitt auf 1.000 Einwohner 173 Zeitungsexemplare. Diese vergleichsweise geringe Zeitungsdichte ist vor allem auf die eher unterentwickelte Lesekultur in bei den südlichen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zurückzuführen. So kommen in Portugal lediglich 60 Exemplare auf 1.000 Einwohner, in Spanien 99, in Italien 94 und 146 in Frankreich; die höchsten Auflagen per 1.000 Einwohner weisen traditionell Norwegen (538), Finnland (462) und Schweden (422) auf. Im guten Mittelfeld liegen die Schweiz (322), Deutschland (279) und Dänemark (235).
13.
Nach verkaufter Auflage stellen die deutschen Tageszeitungen mit 19,4 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa, gefolgt von Großbritannien mit einer Auflage von 14 Millionen Zeitungen täglich. So genannte "Mittelmärkte" sind bei den Tageszeitungen Frankreich (7,3 Millionen Exemplare), Italien (4,8 Millionen), die Niederlande (3,5 Millionen) und Polen (3,1 Millionen). Bei den übrigen nationalen Zeitungsmärkten handelt es sich um "Kleinmärkte" mit Zeitungsauflagen von 113.000 Exemplaren wie in Luxemburg bis zu 1,3 Millionen Exemplaren wie in Belgien und Ungarn.
Weltweit stellen Indien und China die größten Zeitungsmarkt mit jeweils etwa 109 Millionen verkauften Exemplaren täglich. Platz drei belegt Japan mit gut 50 Millionen Exemplaren. Deutschland rangiert - nach den USA (46 Millionen) - an fünfter Position.
14.
In Westeuropa existieren bei der Zeitungsreichweite deutliche Unterschiede. Die eifrigsten Zeitungsleser wohnen im Norden. In Deutschland greifen knapp 70 Prozent der über 14-Jährigen regelmäßig zur Zeitung. Dabei werden sie noch übertroffen von den Schweden, Norwegern (beide 82 Prozent) und Finnen (80 Prozent). Vergleichsweise wenig regelmäßige Zeitungsnutzer über 14 Jahre gibt es dagegen in Italien (46 Prozent), Frankreich (42 Prozent) und Spanien (40 Prozent).
15.
Bereits sehr früh waren die deutschen Zeitungen im Internet präsent. Als erste machten 1995 die „tageszeitung“ (taz, Berlin), „Die Zeit“ (Hamburg), "Die Welt" (Berlin), die „Süddeutsche Zeitung“ (München) und die „Rheinische Post“ (Düsseldorf) eigene Online-Angebote. Im Sommer 1996 waren nach einer Zählung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bereits 41 Zeitungen neben der gedruckten Ausgabe auch online aktiv; im Jahr 2010 sind es gut 650.
16.
In Deutschland besteht eine erhebliche Nachfrage nach internationaler Tagespresse. Etwa 125 fremdsprachige Titel werden täglich angeboten. Besonders groß ist der Markt für türkische Tageszeitungen, allein "Hürriyet" hat eine in Deutschland vertriebene Auflage von rund 36.000 Exemplaren. Den Löwenanteil machen jedoch englischsprachige Titel aus den USA und dem Vereinigten Königreich aus. Gleichzeitig gibt es im Ausland aber auch einiges Interesse an deutschen Tageszeitungen. 1,3 Prozent der Auflage werden jenseits der Grenzen vertrieben.
Zusammenstellung: Anja Pasquay, pasquay@bdzv.de
Stand: November 2010
Quellen: ag.ma, BDZV, horizont, IVW, Presse-Grosso, TNS-Emnid, WAN-IFRA, ZAW, ZMG

















