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08. November 2015 | Die deutschen Zeitungen in Zahlen und Daten

Zur wirtschaftlichen Lage der Zeitungen in Deutschland 2015

Von Anja Pasquay

Die Zeitungen haben im deutschen Mediensystem eine existenziell wichtige Rolle. Kein anderes Medium kann die Welt in ihrer Universalität do professionell abbilden. Bis in den lokalen und hyperlokalen Nahraum hinein begleitet die Zeitung die Menschen und liefert zugleich das "big picture" in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Mit diesem Informations- und Bildungsangebot erreichen die Zeitungen täglich rund 52 Millionen Bürger beziehungsweise drei Viertel der deutschsprachigen Bevölkerung. Dies geschieht zunehmend auch auf digitalen Ausspielkanälen vom PC bis zu Tablet und Smartphone. Damit ist die Zeitung die universale Kommunikationsplattform.

Auf die tiefgreifenden und weiter anhaltenden Transformationsprozesse als Folge der Digitalisierung reagieren die Zeitungsverlage mit unterschiedlichen Strategien: Zum einen wird das Geschäft mit gedruckten Produkten weiterentwickelt; Print bleibt ein wichtiger Teil des Unternehmenserfolgs. Ferner erschließen die Verlage offensiv die digitalen Märkte und entwickeln online und mobil zusätzliche Angebote für Leser, Nutzer, Werbekunden. Hinzu kommen Diversifizierungsmodelle, etwa  Engagements in der Aus- und Weiterbildung, im Veranstaltungsmanagement, bei der Briefzustellung oder in der B-2-B-Dienstleistung für Unternehmen und Organisationen.

So spiegeln die nackten wirtschaftlichen Daten des klassischen Printmarkts auch nur einen Teil der Verlagsumsätze wider. Hier gingen 2014 die Umsätze leicht zurück. Das sechste Jahr in Folge fielen die Einnahmen aus dem Vertrieb der Zeitungen in Deutschland höher aus als die Einnahmen aus Anzeigen und Werbung. Die alte Faustregel, wonach zwei Drittel der Umsätze aus der Werbung und ein Drittel aus dem Verkauf der Tagespresse stammen, gilt zwar bereits seit der ersten großen Wirtschafts- und Werbekrise des Jahrzehnts (2001 bis 2003) nicht mehr, doch die Umkehrung der Verhältnisse signalisiert deutlich die strukturellen Veränderungen innerhalb der Branche.   

Hohe Gesamtreichweiten

Pro  Erscheinungstag werden die gedruckten Zeitungen von 65,4 Prozent der Bürger über 14 Jahren gelesen (Tageszeitungen: 61,1 Prozent). Gut 45 Prozent der über 14-Jährigen (32,0 Millionen Unique User) sind auf den Websites der Verlage unterwegs. 8,4 Millionen Nutzer steuern mindestens einmal pro Woche die Website einer Zeitung mobil an. Und: Bei der mit gedruckter Lektüre nur schwer zu erreichenden Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen ist die Reichweite der Verlage im Netz seit Ende 2011 um 13 Prozentpunkte auf 65,3 Prozent gestiegen.

Die gedruckte Tageszeitung lesen zwei von drei Deutschen über 14 Jahren regelmäßig, das sind gut 42 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen mit 50,5 Prozent sogar ganz leicht vor den Lesern (knapp 49 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (22,1 Prozent beziehungsweise 5,3 Prozent) als von Frauen (11,9 Prozent beziehungsweise 3,2 Prozent) genutzt.


Gesamtumsatz geht leicht zurück   

Für die Zeitungen wird 2014 wirtschaftlich als ein eher schwieriges Jahr in Erinnerung bleiben. Beim Gesamtumsatz aus Anzeigen, Beilagen und Vertrieb mussten sie im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Minus verzeichnen, der Umsatz ging von 7,8 Milliarden Euro auf 7,76 Milliarden Euro (-0,6 Prozent) zurück. Davon entfielen 7,39 Milliarden Euro auf die Tageszeitungen, die damit einen Verlust von 0,2 Prozent erlebten.  

Nach dem größten Konjunktureinbruch der deutschen Nachkriegsgeschichte 2009 waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Folgejahren deutlich günstiger; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2014 preisbereinigt um 1,6 Prozent, nachdem es 2013 um 0,1 Prozent und 2012 um 0,7 Prozent gestiegen war. Die Inflationsrate lag 2014 mit 0,9 Prozent hingegen etwas niedriger als im Vorjahr (2013: 1,5 Prozent). Somit bewegte sich das Geschäft der Zeitungen unterhalb des BIP. Das Minus bei den Anzeigen (-3,6 Prozent) fiel deutlich geringer aus als 2013 (-9,7 Prozent); die Vertriebsumsätze hingegen wiesen hingegen wieder leicht ins Plus (1,3 Prozent; 2013 -0,2 Prozent).


Entwicklung des Anzeigengeschäfts

Mit einem Werbeumsatz von 2,84 Milliarden Euro im Jahr 2014 (-2,8 Prozent) sind die Tageszeitungen in Deutschland nach dem Fernsehen der zweitgrößte Werbeträger. Die Werbeumsätze der Wochen- und Sonntagszeitungen gingen von 182 auf 154 Millionen Euro (-15,2 Prozent) zurück; die Zeitungssupplements werden nicht  eigens ausgewiesen. Der Gesamtwerbeumsatz aller Zeitungsgattungen belief sich auf 2,99 Milliarden Euro (-3,6 Prozent).

Die Nettoumsatzentwicklung der Werbeträger in Deutschland stagnierte 2014 bei 15,32 Milliarden Euro (-0,2 Prozent). Der Anteil der Zeitungsbranche am Gesamtwerbeaufkommen beträgt - allerdings ohne die Einnahmen aus den Online-Werbemärkten - 19,5 Prozent, im Jahr 2000 war er noch auf 29 Prozent angestiegen.

Die Regionalzeitungen kamen 2014 bei ihren Anzeigenumsätzen auf zusammen 2,37 Milliarden Euro. Die Anzeigenumfänge nahmen von Januar bis Dezember 2014 um 5,1 Prozent ab: Dabei lagen die Zeitungen im Westen (-4,9 Prozent) über den Ergebnissen im Osten (-8,9 Prozent). Die Entwicklung der Nettoanzeigenumfänge verlief in den einzelnen Anzeigensparten unterschiedlich: Stellenanzeigen (-4,2 Prozent), Kfz-Markt-Anzeigen (-10,2), Immobilienanzeigen (-9,1), Geschäftsanzeigen (-3,7), Reiseanzeigen (-4,6, sonstige Anzeigen (-4,7), Veranstaltungsanzeigen (-9,2) Familienanzeigen (-5,8). Die Entwicklung des Geschäfts mit Prospektbeilagen (-2,2) ging 2014 zwar ebenfalls zurück, verlief im Vergleich mit dem übrigen Anzeigengeschäft jedoch überdurchschnittlich.

Von Januar bis August 2015 sind die Umfänge bezahlter Anzeigen der lokalen und regionalen Abonnementzeitungen im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum insgesamt erneut geschrumpft (-6,4 Prozent).  


Verkaufte Auflage bei 20,5 Millionen Exemplaren

Die Zeitungen in Deutschland haben eine Gesamtauflage von gut 20,5 Millionen verkauften Exemplaren pro Erscheinungstag (IVW: II. Quartal 2015). Im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahresquartal bedeutet dies ein durchschnittliches Auflagenminus von  4,4 Prozent. Zu der Gesamtauflage zählen 780.000 verkaufte E-Paper-Ausgaben von 176 verschiedenen Titeln (+32,2 Prozent).

Insgesamt belaufen sich die Verluste per saldo bei den lokalen/regionalen Zeitungen auf -3,1 Prozent, bei den überregionalen Titeln auf -6,0 Prozent, bei den Kaufzeitungen auf -9,4 Prozent, bei den Sonntagszeitungen auf -6,9 Prozent. Die Wochenzeitungen hingegen blieben auf dem Niveau des Vorjahres.

Die verkaufte Auflage aller Zeitungsgattungen gliedert sich in 16,1 Millionen Tageszeitungsexemplare, 2,7 Millionen Sonntagszeitungen und 1,7 Millionen Wochenzeitungen. Bei den Tageszeitungen entfallen 12,2 Millionen Exemplare auf die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen, gut 1,1 Millionen auf überregionale Blätter und 2,8 Millionen auf die Kaufzeitungen.

Kontakt: pasquay(at)bdzv.de

Stand: 11/2015

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