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09. Januar 2002 | Die deutschen Zeitungen in Zahlen und Daten

Zur Lage der Zeitungen in Deutschland 2002

Von Anja Pasquay

Fernsehen und Hörfunk sind in Deutschland die Medien mit der höchsten Reichweite. Gleich danach kommt die Zeitung: Vier Fünftel der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (77,3 Prozent) lesen regelmäßig eine Tageszeitung, das sind knapp 50 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen mit 66,8 Prozent sogar ganz leicht vor den Lesern (65,9 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (27,3 Prozent beziehungsweise 6,7 Prozent) als von Frauen (18,0 Prozent beziehungsweise 4,3 Prozent) genutzt.

 

Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern, nämlich zwischen 88 und knapp 86 Prozent. Von den über 70-Jährigen greifen 84 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung, und bei den 30- bis 39-Jährigen sind es gut 73 Prozent. Zwar wird von den jüngeren Altersgruppen im Vergleich weniger und weniger regelmäßig Zeitung gelesen, doch liegen auch hier die Reichweiten auf einem hohen Niveau: Von den 20- bis 29-Jährigen werden 65 Prozent durch die Zeitung erreicht, bei den 14- bis 19-Jährigen sind es immerhin fast 56 Prozent.

 

Um das Interesse insbesondere der Jugendlichen und jungen Leute an der Zeitung zu wecken und zu halten, haben seit Beginn der 90er-Jahre zahlreiche Verlage eigene redaktionelle Angebote für junge Leser entwickelt. Inzwischen veröffentlichen mehr als 70 Zeitungen zum Beispiel regelmäßig Jugendsupplements oder spezielle Jugendseiten und offerieren diverse auf diese Zielgruppe zugeschnittene Internetaktivitäten. Aktuelle Informationen dazu sind über den Button „Jugend und Zeitung“ auf der Homepage des BDZV (www.bdzv.de) oder die Jugenddatenbank (www.stiftervereinigung.de) abrufbar.

 

Gesamtumsatz geht zurück

 

2001 mussten die Zeitungen beim Gesamtumsatz aus Anzeigen, Beilagen und Vertrieb im Vergleich zum Vorjahr deutliche Verluste verkraften, er ging von 10,79 Milliarden Euro auf 9,99 Milliarden Euro zurück (- 7,3 Prozent). Davon entfielen 9,39 Milliarden Euro auf die Tageszeitungen, die damit Einbußen von –8,19 Prozent erlitten.

 

Die schwache Konjunktur des Jahres 2001 wirkte bei den Zeitungsverlagen besonders negativ aus. Am Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik Deutschland, das preisbereinigt nur 0,6 Prozent erreichte (nach drei Prozent 2000), konnten die Verlage im Gegensatz zum Vorjahr nicht partizipieren. Vor allem das Anzeigengeschäft, mit durchschnittlich zwei Dritteln immer noch Hauptumsatzträger, brach um 13 Prozent ein; die Vertriebsumsätze steigen um immerhin drei Prozent, konnten die Verluste jedoch nicht wettmachen. Einen so starken Rückgang der Umsätze wie 2001 hat es bei den Zeitungen in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren nicht gegeben.

 

Entwicklung des Anzeigengeschäfts

 

Mit einem Werbeumsatz von 5,99 Milliarden Euro im Jahr 2001 (-13,95 Prozent) bleiben die Tageszeitungen mit Abstand der größte Werbeträger. Die Werbeumsätze der Wochen- und Sonntagszeitungen stiegen von 278 auf 287 Millionen Euro; die Zeitungssupplements hatten ein leichtes Minus von rund einer Millionen Euro (-1,3 Prozent) zu verzeichnen. Der Gesamtwerbeumsatz aller Zeitungsgattungen belief sich auf 5,99 Milliarden Euro (-13 Prozent). Der Werbemarkt in Deutschland schrumpfte erstmals seit Jahrzehnten: Der durchschnittliche Umsatzrückgang aller Werbemedien lag 2001 bei –5,1 Prozent. Der Anteil der Zeitungsbranche am Gesamtwerbeaufkommen fiel von 29 Prozent auf 27 Prozent, 2000 war er noch leicht angestiegen.

 

Die Regionalzeitungen in West- und Ostdeutschland kamen 2001 bei ihren Anzeigenumsätzen auf zusammen 4,46 Milliarden Euro. Die Anzeigenumfänge gingen von Januar bis Dezember 2001 um -12,7 Prozent zurück: Dabei lagen die Zeitungen im Westen (-11,9 Prozent) etwas vor denen im Osten, die –19,8 Prozent Umfangsverluste verkraften mussten. Von der insgesamt negativen Entwicklung der Nettoanzeigenumfänge waren nicht alle Anzeigensparten im gleichen Maß betroffen: während überregionale Anzeigen (-27,4 Prozent), Stellen- (-18,8 Prozent), Kfz- (-13,1 Prozent) und Immobilienanzeigen (-12,9 Prozent) überdurchschnittlich verloren, verzeichneten lokale Geschäftsanzeigen (-8,2 Prozent), Reise- (-8,1 Prozent), Familien- (-2,6 Prozent) und Veranstaltungsanzeigen (-10 Prozent) ebenso wie die sonstigen Anzeigen (-7,6 Prozent) ein unterdurchschnittliches Minus.

 

Im ersten Halbjahr 2002 sind die Umfänge bezahlter Anzeigen der lokalen und regionalen Abonnementzeitungen im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum erneut um –14,1 Prozent gesunken. Positiv behaupten konnten sich allein die Reiseanzeigen (+ 5 Prozent); alle übrigen Sparten schlossen nach Umfängen von Januar bis Juni 2002 mit Verlusten ab: Kfz-Markt-Anzeigen (-9,5 Prozent), Immobilien- (-12,7 Prozent) und Stellenanzeigen (-41 Prozent), überregionale Anzeigen (-13,8 Prozent), lokale Anzeigen (-4 Prozent), Veranstaltungen (-7,2 Prozent), Familien- (-2,2 Prozent) und sonstige anzeigen (-8,2 Prozent).

 

Die Entwicklung des Geschäfts mit Prospektbeilagen verlief 2001 ähnlich unbefriedigend wie das übrigen Anzeigengeschäft; es gab Verluste von -9,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2002 fiel das Beilagenaufkommen im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum mit –10,2 Prozent Verlusten (West –9,8 Prozent/ Ost –15,6 Prozent) sogar noch etwas schlechter aus.

 

Auflagen gehen leicht zurück

 

Die Zeitungen in Deutschland haben eine Gesamtauflage von 29,5 Millionen Exemplaren pro Erscheinungstag (IVW: II. Quartal 2002). Davon entfallen auf die alten Bundesländer 25,9 Millionen, auf die neuen Länder gut 3,6 Millionen Exemplare. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal bedeutet dies ein durchschnittliches Auflagenminus von 673.166 Exemplaren (-2,23 Prozent).

 

Während die Auflagen in den alten Ländern -2 Prozent (-529.444 Exemplare) verloren, ging der Verkauf in den neuen Ländern um -3,8 Prozent (-143.722 Exemplare) zurück. Insgesamt beliefen sich die Verluste per saldo bei den lokalen/regionalen Zeitungen auf –1,88 Prozent, bei den überregionalen Zeitungen auf -2,41 Prozent, bei den Kaufzeitungen auf –4,3 Prozent, bei den Wochenzeitungen auf –4,09 Prozent. Leichte Zuwächse verbuchten dagegen die Sonntagszeitungen mit 0,08 Prozent oder knapp 3.600 Exemplaren.

 

Die verkaufte Auflage aller Zeitungsgattungen gliedert sich in 23,2 Millionen Tageszeitungsexemplare, knapp 4,5 Millionen Sonntagszeitungen und gut 1,8 Millionen Wochenzeitungen. Bei den Tageszeitungen entfallen 16,1 Millionen Exemplare auf die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen, knapp 1,7 Millionen auf überregionale Blätter und gut 5,4 Millionen auf die Kaufzeitungen.

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