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21. November 2017 | Die deutschen Zeitungen in Zahlen und Daten

Zur wirtschaftlichen Lage der Zeitungen in Deutschland 2017

Von Anja Pasquay

Reichweiten der Tageszeitungen in Deutschland 2017 (Quelle: Media-Analyse 2017 Presse II)Reichweiten der Tageszeitungen in Deutschland 2017 (Quelle: Media-Analyse 2017 Presse II)Die Zeitung ist die universale Kommunikationsplattform, im deutschen Mediensystem spielt sie eine existenziell wichtige Rolle. Kein anderes Medium kann die Welt in ihrer Universalität so professionell abbilden. Bis in den lokalen und hyperlokalen Nahraum hinein begleitet die Zeitung die Menschen und liefert zugleich das „big picture“ in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Mit diesem Informations- und Bildungsangebot erreichen die Zeitungen regelmäßig gut 60 Millionen Bürger beziehungsweise drei Viertel der deutschsprachigen Bevölkerung. Dies geschieht zunehmend auch auf digitalen Ausspielkanälen vom PC bis zu Tablet und Smartphone.

Auf die tiefgreifenden und weiter anhaltenden Transformationsprozesse als Folge der Digitalisierung reagieren die Zeitungsverlage mit unterschiedlichen Strategien: Zum einen wird das Geschäft mit gedruckten Produkten weiterentwickelt; Print bleibt ein wichtiger Teil des Unternehmenserfolgs. Ferner erschließen die Verlage offensiv die digitalen Märkte und entwickeln online und mobil zusätzliche Angebote für Leser, Nutzer, Werbekunden. Hinzu kommen Diversifizierungsmodelle, etwa Engagements in der Aus- und Weiterbildung, im Veranstaltungsmanagement, bei der Briefzustellung oder in der B-2-B-Dienstleistung für Unternehmen und Organisationen, aber auch auf Märkten, die mit journalistischen Inhalten und ihrer Verbreitung nicht das Geringste zu tun haben.

So spiegeln die wirtschaftlichen Daten des klassischen Printmarkts auch nur einen Teil der Verlagsumsätze wider. Hier gingen 2016 die Umsätze leicht zurück. Das achte Jahr in Folge fielen die Einnahmen aus dem Vertrieb der Zeitungen in Deutschland höher aus als die Einnahmen aus Anzeigen und Werbung. Die alte Faustregel, wonach zwei Drittel der Umsätze aus der Werbung und ein Drittel aus dem Verkauf der Tagespresse stammen, gilt zwar bereits seit der ersten großen Wirtschafts- und Werbekrise des Jahrzehnts (2001 bis 2003) nicht mehr, doch die Umkehrung der Verhältnisse signalisiert deutlich die strukturellen Veränderungen innerhalb der Branche.   

Hohe Gesamtreichweiten

Entwicklung der E-Paper-Auflagen 2005 - 2017, Verkaufte Auflage (Quelle: Auflagenstatistiken der ZMG)Entwicklung der E-Paper-Auflagen 2005 - 2017, Verkaufte Auflage (Quelle: Auflagenstatistiken der ZMG)Pro Erscheinungstag werden die gedruckten Zeitungen von 62,6 Prozent der Bürger über 14 Jahren gelesen (Tageszeitungen: 57,9 Prozent). Gut 55 Prozent der über 14-Jährigen (38,7 Millionen Unique User) sind auf den Websites der Verlage mindestens einmal im Monat unterwegs; 11,5 Millionen Nutzer steuern mindestens einmal pro Tag die Website einer Zeitung mobil an. Und: Bei der mit gedruckter Lektüre nur schwer zu erreichenden Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen ist die Reichweite der Verlage im Netz seit Ende 2011 um 22 Prozentpunkte auf 74,7 Prozent gestiegen.

Die gedruckte Tageszeitung lesen zwei von drei Deutschen über 14 Jahren regelmäßig, das sind knapp 41 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen mit 47,8 Prozent sogar ganz leicht vor den Lesern (46,0 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (20,6 Prozent beziehungsweise 6,0 Prozent) als von Frauen (10,9 Prozent beziehungsweise 3,2 Prozent) genutzt.

Gesamtumsatz geht zurück   

Für die Zeitungen wird 2016 wirtschaftlich trotz des anhaltend guten Konsumklimas in Deutschland als ein eher schwieriges Jahr in Erinnerung bleiben. Beim Gesamtumsatz aus Anzeigen, Beilagen und Vertrieb mussten sie im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Minus verzeichnen, der Umsatz ging von 7,64 Milliarden Euro auf 7,56 Milliarden Euro (-1,1 Prozent) zurück. Davon entfielen 7,22 Milliarden Euro auf die Tageszeitungen, die damit einen Verlust von 0,8 Prozent erlebten. 

Nach dem größten Konjunktureinbruch der deutschen Nachkriegsgeschichte 2009 waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Folgejahren deutlich günstiger; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2016 preisbereinigt um 1,9 Prozent, nachdem es 2015 um 1,7 Prozent und 2014 um 1,6 Prozent gestiegen war. Die Inflationsrate lag 2016 mit 0,5 Prozent hingegen etwas höher als im Vorjahr (2015: 0,3 Prozent). Somit bewegte sich das Geschäft der Zeitungen unterhalb des BIP. Das Minus bei den Anzeigen (-4,7 Prozent) fiel 2016 etwas geringer aus als 2015 (-6,3 Prozent); die Vertriebsumsätze hingegen wiesen weiterhin leicht ins Plus (+1,0 Prozent; 2015 +1,6 Prozent).

Entwicklung des Anzeigengeschäfts

Mit einem Werbeumsatz von 2,53 Milliarden Euro im Jahr 2016 (-4,6 Prozent) sind die Tageszeitungen in Deutschland nach dem Fernsehen der zweitgrößte Werbeträger. Die Werbeumsätze der Wochen- und Sonntagszeitungen gingen von 155 auf 144 Millionen Euro (-6,8 Prozent) zurück; die Zeitungssupplements werden nicht eigens ausgewiesen. Der Gesamtwerbeumsatz aller Zeitungsgattungen belief sich auf 2,67 Milliarden Euro (-4,7 Prozent).

Die Nettoumsatzentwicklung der Werbeträger in Deutschland stagnierte 2016 bei 15,36 Milliarden Euro (+1,0 Prozent). Der Anteil der Zeitungsbranche am Gesamtwerbeaufkommen beträgt (allerdings ohne die Einnahmen aus den Online-Werbemärkten) 17 Prozent, im Jahr 2000 war er noch auf 29 Prozent angestiegen.

Die Regionalzeitungen kamen 2016 bei ihren Anzeigenumsätzen auf zusammen 2,14 Milliarden Euro. Die Anzeigenumfänge nahmen von Januar bis Dezember 2016 um 4,7 Prozent ab: Dabei lagen die Zeitungen im Westen (-4,5 Prozent) deutlich über den Ergebnissen im Osten (-11,0 Prozent). Die Entwicklung der Nettoanzeigenumfänge verlief in den einzelnen Anzeigensparten unterschiedlich: Stellenanzeigen (-0,9 Prozent), Kfz-Markt-Anzeigen (-8,7), Immobilienanzeigen (-14,4), Geschäftsanzeigen (-4,7), Reiseanzeigen (+9,6), sonstige Anzeigen (-6,0), Veranstaltungsanzeigen (-3,8) Familienanzeigen (-4,4). Die Entwicklung des Geschäfts mit Prospektbeilagen (-2,3) ging 2016 zwar ebenfalls zurück, verlief im Vergleich mit dem übrigen Anzeigengeschäft jedoch überdurchschnittlich.

Von Januar bis August 2017 sind die Umfänge bezahlter Anzeigen der lokalen und regionalen Abonnementzeitungen im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum insgesamt erneut leicht geschrumpft (-1,7 Prozent), wobei diesmal der ostdeutsche Markt ins Plus gerückt ist mit Zuwächsen von 4,3 Prozent (West: -1,9 Prozent). 

Verkaufte Auflage bei 18,3 Millionen Exemplaren

Die Zeitungen in Deutschland haben eine Gesamtauflage von gut 18,3 Millionen verkauften Exemplaren pro Erscheinungstag (IVW: II. Quartal 2017). Der deutsche Zeitungsmarkt ist damit der größte Europas und der fünftgrößte der Welt.
Zu der Gesamtauflage zählen gut 1,2 Millionen verkaufte E-Paper-Ausgaben von 199 verschiedenen Titeln (+37,1 Prozent).

Insgesamt belaufen sich die Verluste per saldo bei den lokalen/regionalen Zeitungen auf -3,2 Prozent, bei den überregionalen Titeln auf -4,1 Prozent, bei den Kaufzeitungen auf -11,5 Prozent, bei den Sonntagszeitungen auf -25,1 Prozent. Die Wochenzeitungen hingegen blieben auf dem Niveau des Vorjahres (+0,4Prozent).

Die verkaufte Auflage aller Zeitungsgattungen gliedert sich in 15,3 Millionen Tageszeitungsexem¬plare, 2,0 Millionen Sonntagszeitungen und 1,7 Millionen Wochenzeitungen. Bei den Tageszeitungen entfallen 11,8 Millionen Exemplare auf die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen, gut eine Million auf überregionale Blätter und 2,5 Millionen auf die Kaufzeitungen.

 

Stand: 11/2017

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