Auf der Suche nach dem Leser von morgen - Jugend und Zeitung
Von Anja Pasquay
Wohl selten haben sich die Zeitungsverlage in Deutschland so sehr um den jungen und jüngsten Lesernachwuchs bemüht wie zurzeit: Mehr als 100 Jugendseiten werden täglich, wöchentlich oder monatlich produziert, rund 20 Supplements regelmäßig für junge Leute beigelegt, und gut 30 Sites im Internet bieten die Zeitungen allein für diese Zielgruppe an.
Neue Produkte
Darüber hinaus bringen die Verlagshäuser, den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der vergangenen drei Jahre zum Trotz, verstärkt neue Produkte auf den Markt, die sich dezidiert an jüngere Leser wenden. Dabei lassen sich einige Trends beobachten: Die "Bild am Sonntag" beispielsweise arbeitet crossmedial mit einem Privat-TV-Sender zusammen und legt das Jugendsupplement "VivaBamS" (Stars, Sport, Termine, Preisausschreiben, TV) bei. Sie folgt damit nicht zuletzt dem Vorbild von gut eingeführten Zeitschriften wie "Brigitte" oder "Geo", die mit ihrer Leserschaft alterten und unter der bekannten Dachmarke ein zusätzliches junges Produkt - "Brigitte young miss" beziehungsweise "Geolino" - auflegten.
Weniger Anspruch an Zeit und Aufmerksamkeit
Kostenlose Zeitungen wie "Metro" und "20 Minuten", die in vielen städtischen Ballungsräumen Europas auch jugendliche Leser anziehen, haben es vorgemacht: Kurze, eingängig formulierte Texte, eine überschaubare Inhaltsmenge, die etwa während einer U-Bahn-Fahrt zu bewältigen ist, und ein handliches kleines Format können durchaus entscheidende Faktoren für die Nutzung von Zielgruppen sein, die bisher von den Zeitungen nicht erreicht werden.
So gibt es jetzt neben der "Welt" auch "Welt Kompakt" als überregionale Tageszeitung mit etwas weniger Anspruch an Zeit und Aufmerksamkeit der Leser; die "Lausitzer Rundschau" aus Cottbus bietet seit kurzem täglich parallel eine Boulevardfassung, "20 Cent", an; das "Handelsblatt" (Düsseldorf) plant eine auch unterhaltende Wirtschaftszeitung für den Herbst 2004 und die Würzburger "Main-Post" macht das Anliegen ihres vor wenigen Monaten gestarteten Wochenblatts schon im Titel deutlich: "Boulevard Würzburg". Allen gemeinsam sind das in Deutschland bisher wenig gebräuchliche (halbe) Tabloid-Format und der im Vergleich zum Mutterblatt deutlich geringere Preis.
Auch kommt kaum ein Relaunch in jüngster Zeit ohne den Hinweis aus, dass dabei insbesondere an junge Menschen gedacht worden sei. So hatte zum Beispiel der Verleger der "Heilbronner Stimme", Tilmann Distelbarth, im April 2004 erklärt, mit der Neukonzeption seiner Zeitung, die nun auch ein tägliches "Magazin" beinhalte, gebe es "zusätzlich leichtere und modernere Themen im Blatt, die sich vor allem an die jüngere Zielgruppe richten". Die "Nordsee-Zeitung" in Bremerhaven will, ebenfalls seit April, ihre Leser nach den Worten von Chefredakteur Jörg Jung "lokaler, informativer, frecher" ansprechen. Und zur Ergänzung des "Südkuriers" in Konstanz um eine "Leute!"-Seite sagte der Geschäftsführer des Südkurier-Medienhauses, Rainer Wiesner, im Juli: "Das Informationsverhalten junger Zielgruppen ist maßgeblich durch elektronische Medien geprägt. Wir als Tagespresse sind gefordert, den Ansprüchen nach Showbiz und Personalitiy-Inhalten gerecht zu werden."
Terrain zurückgewinnen
Jedes einzelne dieser neuen Angebote ist darauf angelegt, verlorenes Terrain zurückzugewinnen oder gar ganz neue Leserschichten zu erreichen. Abnehmende Beliebtheit bei den Jugendlichen - wie sie ähnlich im Übrigen auch Zeitschriften und Bücher erleben - soll nicht als gottgegeben akzeptiert werden...
Den kompletten Beitrag finden Sie im BDZV-Jahrbuch 2004, das unter terheyden@bdzv.de bestellt werden kann.















