Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

Vom Verbands-„Dualismus“ zum Bundesverband

Repräsentanten beider Spitzenorganisationen nahmen Anfang 1951 Fusionsgespräche auf, ein Jahr später kam es zur Einigung auf ein Organisationsstatut für einen Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, und im Januar 1953 wurde in Baden-Baden der erste Zusammenschluss auf Länderebene formell vollzogen: zum Verein Südwestdeutscher Zeitungsverleger. Es folgten bald Fusionen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Auf Bundesebene ließ der Schlussstrich unter den Verbands- „Dualismus“ noch länger als ein Jahr auf sich warten – bis dann von den Beauftragten beider Lager, die am 14. Juli 1954 in Bad Godesberg zusammenkamen, ein markantes Stück deutscher (Nachkriegs-)Verbandsgeschichte geschrieben wurde. Das Protokoll ihrer Aussprache vermerkte trocken: „Übereinstimmung in den beiderseitigen Auffassungen“.

Nach vierjährigen Verhandlungen war der Weg frei für die Gründung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), föderalistisch gegliedert, als alleinige Spitzenorganisation. Eine Delegiertenversammlung nahm am nächsten Tag einstimmig die ausgehandelte Satzung an. Die paritätische Präsenz der beiden nebeneinander existierenden Verlegerorganisationen wurde durch einen Kompromiss gewährleistet. Danach sollte sich die Zahl der von den Mitgliedsverbänden für die Delegiertenversammlung zu bestellenden Vertreter nach der Höhe der Auflage und der Zahl der Mitgliedsverlage des jeweiligen Landesvereins richten. Auf je 500.000 Auflage sollte ein Delegierter, auf je 30 Mitgliedsverlage ein weiterer Vertreter entfallen.

Der 15. Juli 1954 gilt nach der Einigung von Bad Godesberg somit als Gründungsdatum des BDZV. „Es war eine gänzlich andere Republik“, kommentierte 60 Jahre später der Westdeutsche Rundfunk (WDR) das Ereignis. Die deutschen Fußballer waren gerade als Weltmeister aus Bern zurückgekehrt, die Chronik vermeldete den Flug der Dash 80, der späteren Boeing 707, von New York nach Hamburg, das Fernsehen steckte noch in den Kinderschuhen, Papier und Druckfarbe waren noch immer knappe Güter, doch die Zeitung gehörte wie selbstverständlich auf den Frühstückstisch.

Ein „strukturelles Erdbeben“, ausgelöst durch die digitale Revolution, hat inzwischen die gesamte Medienlandschaft verändert, trotzdem bleiben die 1954 niedergeschriebenen BDZVGrundsätze aktuell: Sicherung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit, Wahrung der gesellschaftlichen Funktion, Förderung des Ansehens der Presse in der Öffentlichkeit, Vertretung gegenüber Bundesregierung, Parlamenten und Behörden, Stärkung der Meinungsvielfalt, fairer Wettbewerb innerhalb der Branche, Wahrnehmung der Tarifautonomie, unter anderem durch Abschluss von Tarifverträgen und Pflege internationaler Beziehungen.

Andere Wirtschaftsverbände, deren Mitglieder nicht solchen Restriktionen von alliierter Seite unterlagen wie die Verleger und Herausgeber der Tagespresse, konnten sich früher konstituieren. Der BDZV: ein verspäteter Verband. Zum Zeitpunkt seiner Gründung repräsentierte er 508 Zeitungen mit einer Auflage von 13,7 Millionen Exemplaren. Heute vertritt der BDZV (seit dem Jahr 2000 in Berlin ansässig) mit seinen elf Landesverbänden die Interessen von 286 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 14,3 Millionen sowie von 13 Wochenzeitungen mit knapp einer Million Exemplaren.