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Theodor Heuss über die „Deutsche Presse“

Der große Liberale Theodor Heuss, einer der Lizenzträger und Mitherausgeber der „Rhein-Neckar-Zeitung“ in Heidelberg, später der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, schrieb am 5. September 1945 in einem Leitartikel, dem er den Titel „Deutsche Presse“ gab: „Wie mag es gelingen, der deutschen Presse ein Stück ihrer freien Würde zurückzugewinnen? Wir sind keineswegs des Glaubens, dass auf diesem Gebiet vor 1933 alles in Ordnung gewesen sei und dass es sich bloß darum handle, an das Damalige anzuknüpfen. Wir müssen uns zunächst völlig nüchtern Rechenschaft geben, auch vor den Lesern, dass das nicht möglich ist. Denn wir wollen nicht mit Illusionen und Selbstbetrug beginnen. Deutschlands staatlich-politische Souveränität ist durch Hitler verspielt und vernichtet worden […]. Jetzt herrschen die Anderen, die Sieger. Das ist nun ganz unsentimental der einfache Tatbestand. Wir können ihn keinen Augenblick vergessen, und wenn es auch unser Ziel sein muss, die Würde der Presse zurückzugewinnen, so sind wir nicht töricht genug, von einer wiedergeschenkten Freiheit der Presse zu reden. Aber es ist eine Chance gegeben, dass deutsche Männer unter freier Verantwortung gegenüber der Militärregierung wie gegenüber dem deutschen Volke versuchen könnten, selber die Sinndeutung des deutschen Schicksals aufzunehmen.“

Der Alltag der Lizenzzeitungen war von vielen Behinderungen bestimmt, die Blätter unterlagen zunächst der Vorzensur, später einer Nachzensur. Als zum Beispiel die „Neue Ruhr Zeitung“ (Essen) im August 1946 über den Beginn der Waffenproduktion in der sowjetisch besetzten Zone berichtete, seien die „Herren von der Pressezensur recht ungemütlich geworden“, erzählte „NRZ“-Herausgeber Dietrich Oppenberg 1985 in einem Vortrag an der Universität Bochum. Kritik an Verbündeten der Besatzungsmacht war tabu. Der Schriftsteller Heinrich Böll verglich die Politik der Lizenzerteilung durch die Alliierten mit der Verleihung von Herzogs- oder Fürstentiteln im Mittelalter.

Andere sprachen polemisch von einer „Lizenz zum Gelddrucken“, die den neuen Verlegern gewährt worden sei. In der Tat, die Situation war alles andere als ideal. Das erkannten auch Mitglieder des Parlamentarischen Rats, die 1948 in Bonn über ein Grundgesetz berieten. Ein von „Altverlegern“ präsentiertes Manifest mit der Forderung nach Wiederherstellung der vollen Pressefreiheit wurde von führenden Politikern, darunter Konrad Adenauer (CDU) und Carlo Schmid (SPD), unterschrieben. Selbst Lizenzträger unterstützten diese Initiative. Das Memorandum wurde allen Abgeordneten des britischen Unterhauses zugestellt. Die Besatzungsmächte wurden zu einer Entscheidung, die den Interessen der sich diskriminiert fühlenden „Altverleger“ entgegenkam, herausgefordert.

„Hierzu wäre freilich anzumerken“, schrieb der Schriftsteller Peter de  Mendelssohn (1908-1982) in seinem berühmten Buch „Zeitungsstadt Berlin“, „dass die alten Zeitungstitel Eigentum ihrer vormaligen Verleger waren und blieben und nicht einmal eine Militärregierung sie ohne Weiteres verschenken konnte. Und zur Ehre der neuen ,Lizenzträger‘ muss gesagt werden, dass sie gar nicht auf den Gedanken kamen, mit fremden Federn geschmückt unter falscher Flagge zu segeln. Sie wollten ehrlich aus eigenen Kräften etwas Neues aufbauen, auch wenn es ihnen den Vorwurf des ,völligen Bruchs mit der deutschen Vergangenheit‘ eintrug.“