Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

Aufblühende Presselandschaft

Das Gesetz Nr. 5 der Westalliierten vom 21. September 1949, die „Generallizenz“, sorgte für die Wende. Innerhalb eines halben Jahres stieg die Zahl der Zeitungen um etwa 400 auf 568. Der Herbstanfang vor 65 Jahren bescherte der jungen Bundesrepublik einen Pressefrühling – eine aufblühende Presselandschaft. Soviel Aufbruch war selten. Es waren überwiegend die von den Besatzungsmächten geschmähten „Altverleger“, für die jetzt kein Berufsverbot mehr galt, die nun auf den Markt der Nachrichten und Meinungen zurückkehrten. Und es begann allmählich auch die Phase der verbandspolitischen Orientierung. In Etappen, in zähen Verhandlungen, bevor dann der große Durchbruch gelang.

Die von den Alliierten mit einer Lizenz versehenen „Neuverleger“ beziehungsweise ihre auf Länderebene etablierten Vereine hatten sich am 1. September 1949 zum Gesamtverband der Deutschen Zeitungsverleger zusammengeschlossen. Am selben Tag reaktivierten „Altverleger“, die sich 1948 in der Arbeitsgemeinschaft für Pressefragen mit Sitz in Bergisch Gladbach zusammengetan hatten, ebenfalls in Erwartung des offiziellen Endes des Lizenzzwangs, den Verein Deutscher Zeitungsverleger (VDZV), einen traditionsreichen, 1894 gegründeten Verband. 1934 war er aufgelöst worden, weil man sich den nationalsozialistischen Machthabern nicht beugen wollte. In diesem Jahr könnte er, wäre die deutsche Geschichte nicht anders verlaufen, seinen 120. Geburtstag feiern. Ein weiteres medienhistorisch bedeutsames Datum im Jahr 2014.

Energische Persönlichkeiten mit politischem Weitblick standen für den alten VDZV, der seit 1900 das Verbandsorgan „Der Zeitungs-Verlag“ herausgab. Zum Beispiel Friedrich Gustav Robert Faber. Der Magdeburger Verleger, Druckereibesitzer und Redakteur hatte schon Anfang des 20. Jahrhunderts dafür gekämpft, die Stellung der Zeitung als Kulturfaktor, unabhängig von wirtschaftlichem und politischem Einfluss, zu sichern. Der promovierte Jurist Faber war es auch, der noch im Kaiserreich die Schaffung eines objektiven Nachrichten- und Informationsdienstes über auswärtige Angelegenheiten für die deutsche Presse anregte, eine Idee, die jedoch erst mit der Gründung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am 18. August 1949 verwirklicht wurde.

Nur langsam bewegten sich die beiden Lager, Alt- und Neuverleger, seit Herbst 1949 aufeinander zu. In Arbeitsgemeinschaften bahnten sich erste Kontakte an. Vielen in der Branche war recht früh klar geworden: Der Dualismus in der Verbandspolitik schadet dem gemeinsamen Ziel, eine „wahre demokratische Pressefreiheit“ in der erst wenige Monate alten Bundesrepublik zu festigen. Die neue Freiheit verlangte geradezu nach einer Konzentration der Kräfte. „Der VDZV verkennt nicht, dass die Weiterentwicklung der deutschen Presse ein gemeinsames Anliegen der Organisationen der Verleger ist. Ein auf die Spitze getriebener Konkurrenzkampf würde der deutschen Presse Wunden schlagen, die ihre Leistung herabdrücken müssten und letzten Endes zulasten des deutschen Volkes gehen würden“, formulierte, etwas gespreizt, der VDZV in seinen Richtlinien.

Beim Gesamtverband dachte man ähnlich. Das brachte, wie sich der Verleger des „Darmstädter Echo“ Hans J. Reinowski erinnerte, „die verantwortlich im Verbandswesen der Tagespresse tätigen Männer sehr bald zu der Einsicht, dass es auf Dauer kein Gegeneinander zwischen den beiden Verlegergruppen, sondern nur ein Miteinander, ein gemeinsames Wirken zum Wohle der neuen freiheitlichen Ordnung in Staat und Gesellschaft, aber auch zum Wohle aller demokratischen Zeitungsverleger, unbeschadet ihrer politischen
Einstellung, geben dürfe“.