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Der Verein Deutscher Zeitungsverleger

Als im Spätsommer des Jahres 1949 der Fortfall der Lizenzpflicht in greifbare Nähe gerückt war, stand der Gründung einer alle Kreise und Gruppen der Altverleger umfassenden Organisation nichts mehr im Weg.6 Am 1. September wurde die Wortführerin all dieser Gruppen, die Arbeitsgemeinschaft für Pressefragen e.V., der zuletzt 220 Verleger angehörten, in Verein Deutscher Zeitungsverleger umbenannt. So hatte bereits die 1894 gegründete Interessenvertretung der Zeitungsverleger geheißen, die sich zu Beginn des Dritten Reichs weigerte, Organ der Nationalsozialisten zu werden und sich daher auflöste. „Der Verein will in Fortsetzung der Bestrebungen der bisherigen Arbeitsgemeinschaft für Pressefragen e.V. eine wahre demokratische Pressefreiheit im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland durchsetzen. Hierbei übernimmt er die Tradition des bis 1933 führenden Vereins Deutscher Zeitungsverleger (Herausgeber der deutschen Tageszeitungen) e.V. als des Gestalters der von der Gesamtverantwortung für die Zeitung getragenen Persönlichkeit des deutschen Zeitungsverlegers“, hieß es in der noch vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft am

28. Mai 1949 ausgearbeiteten Satzung.

Der Gesamtverband der Deutschen Zeitungsverleger

Am selben 1. September 1949, als sich die Altverleger zu einer einheitlichen Interessenvertretung zusammenfanden, versammelten sich in Bielefeld, am Sitz des Nordwestdeutschen Zeitungsverlegervereins, Vertreter sämtlicher Lizenzträgerverbände der Westzonen und Westberlins, um ihre bisherige Arbeitsgemeinschaft aufzulösen und durch eine Spitzenorganisation zu ersetzen. „Erfüllt von der Aufgabe, eine freie demokratische Presse im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zu fördern und zu festigen, haben sich heute die Verlegervereine der Westzonen und West-Berlins zu einem Gesamtverband der Deutschen Zeitungsverleger e.V. zusammengeschlossen. Sein Zweck ist die gemeinsame Arbeit für die unabhängige Presse“, heißt es im Gründungsprotokoll, das die Unterschrift der Repräsentanten von zehn Landes- beziehungsweise Zonenverbänden trägt.7

Im Gegensatz zur zentralistischen Konstruktion des VDZV sollte der Gesamtverband, entsprechend dem Aufbau der Bundesrepublik Deutschland, föderalistisch gegliedert sein. Die Mitgliederversammlung, das wichtigste Entscheidungsgremium im Sinne des Vereinsrechts, sollte demnach ein Länderausschuss sein, zusammengesetzt aus einer bestimmten Zahl gewählter Vertreter der Landesvereine.

Knapp zwei Monate nach der Gründungsversammlung des Gesamtverbands, am 28. Oktober 1949, verabschiedete der Länderausschuss auf seiner konstituierenden Sitzung in Frankfurt  am Main die Satzung und führte die Wahlen für die Vereinsgremien durch.

Fusionsbestrebungen der Verlegerverbände

Der unerfreuliche Gegensatz zwischen Altverlegern und – ehemaligen – Lizenzträgern, der sich in dem Dualismus der Spitzenorganisationen ausdrückte, brachte, wie Hans J. Reinowski formulierte, „die verantwortlich im Verbandswesen der Tagespresse tätigen Männer sehr bald zu der Einsicht, dass es auf die Dauer kein Gegeneinander zwischen den beiden Verlegergruppen, sondern nur ein Miteinander, ein gemeinsames Wirken zum Wohle der neuen freiheitlichen Ordnung in Staat und Gesellschaft, aber auch zum Wohle aller demokratischen Zeitungsverleger, unbeschadet ihrer politischen Einstellung, geben dürfe“.

Schon im November 1949 hatte der Vorstand des VDZV Richtlinien ausgearbeitet, in denen der Wille zu einem Zusammenwirken der Verbände ausgedrückt war. In Form von Arbeitsgemeinschaften kamen seit Anfang 1950 die ersten offiziellen Kontakte auf Landesebene zwischen ehemaligen Lizenzträgern und Altverlegern zustande, zunächst in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Württemberg-Baden. Die Arbeitsgemeinschaften befassten sich nicht allein mit praktischen Fragen, indem sie Regeln für das Anzeigen- und Vertriebsgeschäft ausarbeiteten und, wie in Nordrhein-Westfalen, gemeinsame Fachausschüsse für Anzeigen- und Vertriebsfragen gründeten – auch die Möglichkeiten einer Fusion der Verbände wurden hier schon diskutiert.

Auf Spitzenebene wurden Arbeitsgemeinschaften zur weiteren Verfolgung grundsätzlicher und dringlicher Angelegenheiten, zunächst in der Papierfrage, sodann in anderen gemeinsamen Anliegen für das Pressewesen – wie zum Beispiel der Abschluss von Tarifverträgen, Verhandlungen über Presserecht, Fragen der Werbewirtschaft – angestrebt. Im Dezember 1950 wurde ein gemeinsamer Papierausschuss ins Leben gerufen. Gemeinsam verhandelten auch die Verlegerverbände mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) über ein Tarifwerk für Redakteure an Tageszeitungen, das am 15. August 1951 in Bonn unterzeichnet werden konnte.

Auf das Drängen einzelner Landesvereine hin, namentlich der beiden nordrhein-westfälischen Verbände, trafen Vertreter der Spitzenorganisationen seit Anfang 1951 erneut zu Fusionsgesprächen zusammen. Ein im März 1951 erzielter Kompromiss bot schließlich die Grundlage zu weiteren offiziellen Verhandlungen, die sich über drei Jahre erstreckten.

Die immer wieder ergebnislosen Verhandlungsschritte forderten die Kritik der fusionswilligen Landesverbände heraus, die inzwischen längst über ihre Arbeitsgemeinschaften hinausgehende Formen gemeinsamen Wirkens gefunden hatten. Bereits am 7. Februar 1952 hatten die

in Baden und Württemberg bestehenden Verbände einen Gründungsausschuss gewählt, am 4. Juni 1952 veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft der nordrhein-westfälischen Verbände die Erklärung, dass die Zeitungsverleger in ihrem Bundesland beabsichtigten, sich zu einem einheitlichen Verband zusammenzuschließen. Dieser Rheinisch-Westfälische Zeitungsverleger-Verein hat seinen Sitz in Düsseldorf.8

Die erste Fusion auf Landesebene erfolgte im Südwesten: Am 24. Januar 1953 fand in Baden-Baden die Gründungsversammlung des Vereins Südwestdeutscher Zeitungsverleger statt. 14 Tage später beschlossen die Mitglieder der beiden hessischen Verlegerverbände die Gründung eines Verbands Hessischer Zeitungsverleger, der später dem Bundesverband beitreten sollte. Am 17. März 1953 gab eine Mitgliederversammlung in Nordrhein-Westfalen der praktisch vollzogenen Fusion der Verbände die rechtliche Grundlage. Die von diesen Landesverbänden geschaffene Situation zwang die Spitzenorganisationen zu entschlossenerem Vorgehen: Mitte des Jahres 1953 bekundeten VDZV und Gesamtverband anlässlich ihrer fast zum gleichen Zeitpunkt einberufenen Jahreshauptversammlungen nochmals ihre grundsätzliche Bereitschaft zum Zusammenschluss.

Die wenigen noch strittigen Fragen – es ging vor allem um Aufteilung und personelle Besetzung der Arbeitsgebiete – sollten von den Präsidien beider Verbände geklärt werden. Dennoch dauerte es noch ein volles Jahr, bis unter die Verhandlungen ein Schlussstrich gezogen werden konnte.