Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

50 Jahre Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger

Von Volker Schulze

 

Unter den 4.600 in Berlin registrierten Interessenvertretungen zählt er, wenn es nach der Zeitschrift „Politik & Kommunikation“1 geht, zu den hundert wichtigsten und einflussreichsten: der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), die Spitzenorganisation der Tages- und politischen Wochenzeitungen in Deutschland. In seiner Zentrale „Haus der Presse“ an der Markgrafenstraße im alten Berliner Zeitungsviertel, in dem auch die Organisationen der Zeitschriftenverleger und der Anzeigenblätter residieren, laufen die Informationen aus den deutschen Verlagen zusammen und werden, verbunden mit Anregungen, Wünschen und Forderungen, gezielt an die Politik herangetragen. Am 15. Juli 1954, am selben Tag, als mit dem Flug der Dash 80, der späteren Boeing 707, von New York nach Hamburg das Zeitalter des Düsenflugs begann, wurde der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger in Bonn, der provisorischen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, ins Leben gerufen.

Der BDZV ist um einige Jahre jünger als andere Dachverbände von Wirtschaft und Kultur. Die Gründe dafür liegen vor allem in der alliierten Pressepolitik und der von den Besatzungsmächten in den ersten Nachkriegsjahren gesteuerten Presseentwicklung, die seit 1949 durch Zeitungswieder- und -neugründungen aufgebrochen wurde.

Stunde null der deutschen Presse

Die Beseitigung der nationalsozialistischen Herrschaft und der von ihr gesteuerten Medien durch die Siegermächte im Jahr 1945 bereitete den Weg für ein freiheitlich-demokratisches Kommunikationswesen im westlichen Deutschland vor. Nach einem zunächst für alle Deutschen geltenden grundsätzlichen Verbot jeglicher Form von öffentlicher Kommunikation erteilten die

Alliierten einigen wenigen politisch unbelasteten Personen die Erlaubnis, Zeitungen herauszugeben. Die Besatzungsmächte verstanden die Lizenzerteilung als „positiven Auftrag mit politischen Aufgaben“: Die von ihnen zugelassenen Zeitungen sollten das zwölf Jahre vom Nationalsozialismus indoktrinierte deutsche Volk zur Demokratie zurückführen.

Über die meisten jener Verleger, die ihre Blätter noch bis in die Kriegsjahre hinein retten konnten, war praktisch Berufsverbot verhängt. Viele mussten, insbesondere im amerikanischen Kontrollgebiet, ihre Druckereien an Lizenzträger verpachten, die diese freilich erst nach Beseitigung teilweise erheblicher Kriegsschäden in Betrieb nehmen konnten. Seit 1948 wurde dieses Zwangspachtverfahren durch den Abschluss regulärer Pachtverträge allmählich abgelöst.

Die britische Besatzungsmacht begnügte sich von vornherein zumeist mit dem Nachweis gesicherter Druckverträge, während die Franzosen mit der Lizenzvergabe häufig keinerlei Auflagen verbanden.

Über den Freiheitsspielraum der Lizenzträger, die ihre Zeitungen unter den Kautelen der jeweiligen Besatzungsmacht herausgeben konnten, resümiert der Lizenzverleger Hans J. Reinowski in einem zeitgeschichtlichen Rückblick: „So wenig die sogenannten Altverleger unter der Hitlerherrschaft frei gewesen waren, so wenig waren die neuen Zeitungsverleger, die Lizenzträger, unter der Besatzungsmacht völlig frei. Allerdings lag der Unfreiheit ein entscheidender Unterschied zugrunde. Während die nicht-nationalsozialistisch gesinnten Altverleger das Joch der Hitlerherrschaft in der trostlosen Gewissheit hatten ertragen müssen, bei einem Sieg der hitlerischen Ideologie immer tiefer in den Sog der Staatssklaverei zu geraten und schließlich völlig entrechtet und enteignet zu werden, waren die Lizenzträger mit den Besatzungsbehörden einig in der Gewissheit, dem Aufbau einer rechtsstaatlichen Ordnung und in ihr dem Aufbau einer freien demokratischen Tagespresse auf deutschem Boden zu dienen.“2

Die Lizenzträger waren zunächst nicht Eigentümer, sondern Treuhänder „ihrer“ Zeitungen, bezogen ein Gehalt und unterlagen der treuhänderischen Vermögenskontrolle der Besatzungsmächte. Die neuen Verleger sahen diese Stellung durchweg als unbefriedigend und auf Dauer als nicht tragbar an. Sie arbeiteten darauf hin, die volle Verfügungsgewalt über die Zeitungsbetriebe zu erlangen – und zwar als Eigentümer. Die westlichen Besatzungsmächte unterstützten im Grunde diese Bestrebungen und erteilten Versuchen, den privaten Erwerbscharakter der Zeitungen dadurch auszuschalten, indem Verlage als gemeinnützige Stiftungen organisiert wurden, eine Absage. Damit war im Westen die privatwirtschaftliche Organisationsform der Presse, wie sie schon zuvor in Deutschland bestanden hatte, auch für die Zukunft vorgezeichnet.

Demgegenüber war die Entwicklung der Presse in der sowjetischen Besatzungszone von Anfang an dadurch gekennzeichnet, dass Zeitungslizenzen nicht an Private, sondern nur an Parteien und Massenorganisationen erteilt wurden. Auch nach Gründung der Deutschen Demokratischen Republik durften Zeitungen, Zeitschriften und Bücher nur mit Lizenz des Presseamts beim Vorsitzenden des Ministerrats herausgegeben werden, der die Presse nicht nur kontrollierte, sondern ihr auch Weisungen erteilte. Eine journalistisch eigenständige Informationsauswahl und Berichterstattung sowie Meinungsbildung waren darum kaum möglich.

Rohstoffe, Papier und Farbe

Die westdeutsche Presse stand anfangs vor einer Fülle von Problemen, die von Einzelpersonen nicht lösbar schienen. Dazu zählten vor allem die Beschaffung von Rohstoffen, Papier und Farben sowie von Maschinen und schließlich auch die Einführung von Gehaltstarifverträgen und einer Sozialversicherung für die in den Zeitungsunternehmen Tätigen. Zur Erörterung und Durchsetzung dieser Aufgaben bildeten die Lizenzträger zunächst lockere Vereinigungen, aus denen nach und nach berufsständische Presseorganisationen hervorgingen: schon Mitte 1945 in der amerikanischen und in der britischen Zone und seit 1946 auch in den französisch besetzten Gebieten. In Berlin entstand 1946 eine Arbeitsgemeinschaft, der bis zur Teilung der Stadt Zeitungsverleger aus allen vier Sektoren angehörten.

Die Alliierten genehmigten diese Zusammenschlüsse, da sie Organisationen der Selbstverwaltung als notwendige Elemente eines werdenden demokratischen Staatswesens ansahen; auch aus taktischen Gründen schienen ihnen diese Organisationen nützlich, da sie die Zusammenarbeit zwischen Militärbehörden und Zeitungsverlegern vereinfachen sollten.

Zweck und Aufgabe der Verbände waren nahezu in allen Satzungen gleich lautend mit „Vertretung der beruflichen und wirtschaftlichen Interessen“ beschrieben. Diese abstrakte Formel deckte einen ganzen Katalog vordringlicher Aufgaben ab. Es galt zunächst, gemeinsam mit den Militärregierungen die für die Zeitungsherstellung notwendigen Rohstoffe zu beschaffen beziehungsweise an deren Zuteilung mitzuwirken. Nachrichtenagenturen und Versorgungseinrichtungen für die Angehörigen im Zeitungsgewerbe mussten aufgebaut oder wiederbelebt werden. Es war ferner notwendig, gegenüber den Besatzungsbehörden durchzusetzen, dass das unwürdige Zwangspachtverfahren abgelöst, die Papierbewirtschaftung und damit auch die vorgeschriebene Beschränkung des Anzeigenteils aufgehoben und die Höhe der Bezugspreise den Bedürfnissen der Zeitung angepasst würden.

 

> mehr :  Erste Organisation der Altverleger