Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

BDZV verleiht Bürgerpreis der deutschen Zeitungen an Navid Kermani 

(Download Pressefoto Navid Kermani)

Navid Kermani verkörpert eine Mischung aus Political Incorrectness und Weltzugewandtheit. Das sagte heute in Berlin der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dr. Mathias Döpfner. Wichtiger als die Freiheit des Schriftstellers sei die Freiheit des Geistes, die das Spektrum von Kermanis Arbeit durchziehe, erklärte Döpfner anlässlich der Verleihung des Bürgerpreises der deutschen Zeitungen an den deutsch-iranischen Autor und Wissenschaftler. „Deutschland braucht mehr Bürger wie Sie.“ Die Jury – alle Chefredakteure der im BDZV organisierten Verlage – hatte Navid Kermani die mit 20.000 Euro dotierte Ehrung für sein Engagement für Toleranz und eine zivile Gesellschaft zugesprochen.

Der Schriftsteller und Soziologe Prof. Dr. Wolf Lepenies würdigte den Preisträger vor rund 150 geladenen Gästen aus Politik und Medien in Berlin als „deutschen Staatsbürger und patriotischen Europäer“, als einen Weltbürger, der sich universalen Werten wie den Menschenrechten verpflichtet wisse. Neben Kermanis demokratischem Patriotismus pries Lepenies in seiner Laudatio auch dessen „Mut zum Pathos“. In außergewöhnlichen Situationen benötige die „Demokratie als Staatsform der Nüchternheit“ des Pathos, um nicht in Kälte zu erstarren. Es gehöre zum Kern von Kermanis bürgerschaftlichem Engagement, die Mehrheitsgesellschaft vor dem verhängnisvollen Drang zu warnen, „Einheitlichkeit herzustellen und kulturelle Nischen auszumerzen“. (Laudatio zum Download)

Der in Köln lebende Kermani war unter anderem ausgezeichnet worden, weil er mit weiteren prominenten Mitstreitern als Folge der Kölner Silvesternacht 2015 mit der so genannten „Kölner/Rheinischen Botschaft“ ein nachdrückliches Zeichen für eine kritische und selbstbewusste Zivilgesellschaft gesetzt hatte. „Es war so ein Moment der allgemeinen Sprachlosigkeit in Köln“, erinnerte sich Kermani anlässlich der Bürgerpreisverleihung. „Niemand wusste, wie man mit den Ereignissen umgehen soll.“ Angesichts der „anschwellenden Gesänge von rechts“ sei es darum gegangen, einerseits an der offenen Gesellschaft festzuhalten und andererseits die Gewalt zu benennen, die durch Vertreter anderer Kulturen ausgeübt wurde. Einen wichtigen Part bei der Aufdeckung der Vorgänge wies Kermani den Medien und insbesondere den Zeitungen zu. „Sonst wäre ja gar nicht zum Vorschein gekommen, was in Köln passiert ist.“ Zeitungen seien für die Information der Bevölkerung ohnehin ganz entscheidend, betonte der Autor weiter. „Sie haben Menschen, die in der ganzen Welt vor Ort berichten, aus Kriegs- und Krisengebieten. Und die dabei Gefahren auf sich nehmen.“ Kermani erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das Schicksal des in der Türkei inhaftieren deutsch-türkischen „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel.

Im vergangenen Jahr wurde Elisabeth Ehninger, Gründerin des Vereins Dresden - Place to be, als „Bürgerin des Jahres“ geehrt. Der Vorschlag kam von den „Dresdener Neuesten Nachrichten“.  Zuvor ging der Preis an  den Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V. und des Friedenskorps Grünhelme Rupert Neudeck (nominiert vom „Kölner-Stadt-Anzeiger“), an Gaby Wentland (nominiert vom „Hamburger Abendblatt“), Nora Weisbrod (nominiert von der „Allgemeinen Zeitung“, Mainz, und dem „Wiesbadener Kurier“), das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer (nominiert von der „Ostsee-Zeitung“, Rostock) sowie als ersten Preisträger 2010 an Thomas Beckmann (nominiert von der „Rheinischen Post“, Düsseldorf). Der aktuelle Preisträger Navid Kermani wurde gemeinsam von fünf Zeitungen nominiert: „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“, „Express“ (Köln), „Rheinische Post“ (Düsseldorf) und „General-Anzeiger“ (Bonn).

(Fotos: BDZV/Ausserhofer)

Die Bürgerpreisverleihung an Navid Kermani in Bildern

„Ich wünschte ein Bürger zu sein“ Laudatio auf Navid Kermani

von Prof. Dr. Wolf Lepenies

„Ich wünschte ein Bürger zu sein“ – dies schrieb der große deutsche Historiker Theodor Mommsen, als er sein Testament verfasste - 1899, im letzten Jahr des „bürgerlichen Jahrhunderts“. Die vollständige Klausel, in der sich dieser von Resignation geprägte Satz findet, lautet: „Politische Stellung und politischen Einfluss habe ich nie gehabt und nie erstrebt; aber in meinem innersten Wesen, und ich meine, mit dem Besten was in mir ist, bin ich stets ein animal politicum gewesen und wünschte ein Bürger zu sein. Das ist nicht möglich in unserer Nation, bei der der Einzelne, auch der Beste, über den Dienst im Gliede und den politischen Fetischismus nicht hinauskommt.“ Theodor Mommsen aber nahm durchaus Einfluss auf die Tagespolitik. Geprägt von der 1848er Revolution verärgerte er mit seinem „entschiedenem Liberalismus“ das preußische Establishment; seine Verurteilung der „ungeheuren Schmach“ des Antisemitismus bleibt ein Vorbild politischer Zivilcourage. ... (Download)

(.zip-Ordner zum Download) Fotos: BDZV/David Ausserhofer

Pressefotos Bürgerpreisverleihung an Navid Kermani